Mordanklage im Cold Case Maria mehr als 41 Jahre nach Tat
Mehr als vier Jahrzehnte nach der Strangulation einer Frau in
Aschaffenburg wird der jahrelang Verdächtige festgenommen. Nun gibt
es eine Anklage.
Aschaffenburg (dpa) - Mehr als 41 Jahre nach dem gewaltsamen Tod
einer angehenden Krankenschwester in Unterfranken hat die
Staatsanwaltschaft Aschaffenburg einen Mann wegen Mordes angeklagt.
Der frühere Freund der 19-jährigen Maria Köhler soll das Opfer am 30.
Juli 1984 mit einem Netzschal erdrosselt haben - aus Eifersucht und
Rache. «Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund ihrer Ermittlungen davon
aus, dass er hierbei heimtückisch gehandelt (...) hat», teilte die
Behörde mit.
Jahrzehntelange Suche
Seit der Tat vermutete die Polizei, dass der damalige Ex-Freund der
Täter ist - allerdings konnte der Mann jahrzehntelang nicht gefasst
werden. Die 19-Jährige hatte sich vor ihrem Tod von dem damals
25-Jährigen getrennt und einen neuen Freund - einen im hessischen
Hanau stationierten US-Soldaten.
Der Verdächtige floh nach der Tat den Ermittlern zufolge von
Frankfurt/Main aus in die Türkei, wo er geboren wurde. Zwei Tage
später wurde das Opfer von einer Vorgesetzten in einem Wohnheim für
angehende Krankenschwestern in Aschaffenburg tot gefunden.
Mutmaßlicher Täter lebte lange in Deutschland
Seither war der heute 66-Jährige weltweit gesucht worden. Mitte 1998
reiste er nach bisherigen Erkenntnissen unter anderem Namen wieder
nach Deutschland ein - zusammen mit seiner deutschen Ehefrau, die er
zuvor in der Türkei geheiratet haben soll. In Aschaffenburg lebte er
dann etwa 16 Jahre lang unter falscher Identität, bevor er wieder in
die Türkei ausreiste. Der Mann hat nach Polizeiangaben keine
Staatsangehörigkeit. Seine türkische Staatsangehörigkeit soll er
verloren haben, weil er sich dem Militärdienst verweigert haben soll.
Neue Ermittlungen seit Ende 2024
Ende 2024 nahmen sich Altfall-Ermittler das ungelöste Verbrechen
wieder vor und fanden den Mann in der Türkei. Im vergangenen
September wurde der Verdächtige nach Deutschland überstellt. Er hat
die Tat nach Angaben der Staatsanwaltschaft gestanden und sitzt
seither in Untersuchungshaft.
Experten konnten zudem DNA an der mutmaßlichen Tatwaffe sichern. Als
Verursacher komme «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit»
der Verdächtige infrage, so die Staatsanwaltschaft.
Sollte das Landgericht die Anklage zulassen und es zu einem Prozess
kommen, ist nur noch eine Verurteilung wegen Mordes möglich - andere
Verbrechen sind so lange nach der Tat bereits verjährt.
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