Studie: Hype ums Intervallfasten ist nicht gerechtfertigt Von Stefan Parsch, dpa
Seit Jahren gibt es den Trend zum Intervallfasten. Streng geprüfte
Daten lassen daran zweifeln, dass die Methode besser wirkt als
herkömmliche Diäten.
Buenos Aires (dpa) - Intervallfasten ist einer neuen Übersichtsarbeit
zufolge womöglich weniger effektiv als von vielen Menschen
angenommen. Bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas liege der
damit erzielte Gewichtsverlust wahrscheinlich nicht über dem anderer
Diätformen, berichtet die britische Organisation Cochrane, die
regelmäßig hochwertige Übersichtsarbeiten zu Gesundheitsthemen
erstellt. Die Ergebnisse seien allerdings mit großen Unsicherheiten
behaftet.
«Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis
- das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch
nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen», erklärte Jörg
Meerpohl vom Universitätsklinikum Freiburg, Direktor von Cochrane
Deutschland und selbst nicht an der Arbeit beteiligt.
Für die Analyse berücksichtigte das Team um Luis Garegnani vom
Universidad Hospital Italiano in Buenos Aires (Argentinien) 22
Studien mit insgesamt knapp 2.000 Teilnehmern aus Nordamerika,
Europa, China, Australien und Südamerika. Geprüft werden sollte, ob
Intervallfasten für Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas
wirksamer zur Gewichtsreduktion als herkömmliche Diätempfehlungen ist
und wie es sich auf die Lebensqualität auswirkt.
Kein besserer Effekt als bei anderen Methoden
Intervallfasten zeigte demnach keinen besseren oder nur einen sehr
geringfügig besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme als andere
Methoden, wie die Wissenschaftler in der «Cochrane Database of
Systematic Reviews» berichten. Auch eine merkliche Verbesserung der
Lebensqualität ließ sich nicht nachweisen. «Intermittierendes Fasten
mag für manche Menschen eine sinnvolle Option sein, doch die
derzeitige Studienlage rechtfertigt nicht die Begeisterung, die wir
in den sozialen Medien beobachten», erklärte Garegnani.
Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022
rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt übergewichtig, das
entspricht 43 Prozent der Menschen ab 18 Jahren. Von ihnen waren 890
Millionen - 16 Prozent aller Erwachsenen - adipös.
«Gewichtsverlust bleibt die wichtigste Strategie zur Reduzierung der
gesundheitlichen Risiken und gesellschaftlichen Folgen von
Übergewicht und Adipositas», heißt es in der Cochrane-Analyse. Eine
allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Maßnahme auszusprechen, sei
aufgrund der aktuellen Studienlage aber schwierig, sagte Mitautorin
Eva Madrid von der Universidad de Valparaíso in Chile.
Arbeit bestätigt vorherige Ergebnisse
Auch vorherige Meta-Analysen hätten übereinstimmend keinen besonderen
Vorteil von Intervallfasten gegenüber vergleichbaren
Diätinterventionen ermittelt, erklärte Stefan Kabisch von der Charité
in Berlin, selbst nicht an der Cochrane-Studie beteiligt. Eine
merkliche Gewichtsabnahme habe sich in der Regel nur im Vergleich zu
gar keiner Ernährungsumstellung ergeben.
Die Beweislage bleibe insgesamt unsicher - allein schon, weil es eine
große Vielfalt an Intervallfasten-Varianten gebe. Eine Methode ist
zum Beispiel, an acht Stunden des Tages zu essen und die
verbleibenden 16 zu fasten (8:16-Methode). Alternativ kann man an
fünf Tagen der Woche normal essen und an zwei Tagen weitgehend
hungern (5:2-Methode). Beim Alternate Day Fasting (ADF) wiederum wird
typischerweise jeden zweiten Tag gefastet.
«Die gesamte Studienlage beinhaltet also dutzende Spielarten des
Intervallfastens, die man nicht in einen Topf werfen sollte», so
Kabisch. «Langzeitdaten, wie Studien von mehr als zwei Jahren Dauer,
existieren praktisch gar nicht.» Kleine Teilnehmerzahlen und fehlende
Daten seien für Analysen in dem Bereich typisch - selbst die für das
Cochrane-Review gewählten Studien wiesen methodische Schwächen auf,
die auch genannt würden.
Klar ist Kabisch zufolge aber: «Der Hype um Intervallfasten war zu
keiner Zeit von überzeugenden Humanstudien untermauert, sondern
verfrüht bis ungerechtfertigt.»
Wähle deinen eigenen Weg
Auch Annette Schürmann vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung
(DZD) weist darauf hin, dass die ausgewählten Studien extrem
heterogen seien, unter anderem mit Blick auf die Teilnehmenden und
die Fastenformen. Es sei nicht möglich, daraus die klare Aussage
abzuleiten, dass Intervallfasten beim Abnehmen generell keinen
besseren Effekt habe. Aus Tierstudien sei zudem bekannt, dass
Intervallfasten positiv auf den Blutzuckerspiegel wirke.
Zusammengefasst bedeuten die neuen Daten zumindest: Wer Gewicht
verlieren und seine Gesundheit verbessern möchte, kann - am besten
ärztlich beraten und begleitet - die selbst bevorzugte Methode
wählen. Bestenfalls eine, die man auch langfristig gut durchhalten
kann.
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