Minus 273 Grad für Europas Sprung in Quantencomputer-Zukunft

Ein neuer Quantencomputer in Garching soll Europas Spitzenposition in
der Technologie sichern. Was das System mit mehr als 50 Qubits
leisten kann und welche Pläne es für die Zukunft gibt.

München (dpa) - Die Quantentechnologie als Schlüsseltechnologie der
Zukunft kommt in Deutschland einen wichtigen Schritt voran. Am
Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften in Garching bei München ist ein neuartiger
Quantencomputer offiziell in Betrieb genommen worden. Es sei ein
Startschuss für die Reise in unbekannte Dimensionen, hieß es.

Euro-Q-Exa ist einer von sechs im Zuge eines EU-Projekts
konstruierten Quantensystemen, die in europäische
Höchstleistungsrechner integriert und von der EuroHPC Joint
Undertaking beschafft werden. Damit will sich die EU in diesem
Bereich einen Platz an der Weltspitze sichern und eigene
Rechen-Kapazitäten schaffen. 

Kälter als das Weltall 

Der neue Garchinger Quantencomputer, der in den dortigen
Supercomputer SuperMUC-NG integriert ist und mit einer Technologie
des deutsch-finnischen Start-ups IQM Quantum Computer arbeitet, hat
eine Rechenleistung von 54 Quantenbits (Qubits). Er wird auf unter
-273 Grad Celsius gekühlt, um die empfindlichen Recheneinheiten zu
stabilisieren und nutzbar zu machen. Das gilt als physikalischer
Nullpunkt. Zum Vergleich: Im Weltall herrscht eine Temperatur von
etwa -270 Grad. Ergänzt wird Euro-Q-Exa voraussichtlich bis
Jahresende um einen Quantencomputer mit etwa 150 Qubits. 

«Mit Euro-Q-Exa verbinden wir die Stärken des Quanten- mit denen des
Supercomputings. Forschende erhalten damit die Möglichkeit, neue
Ansätze zu erproben, wegweisende Berechnungen umzusetzen und somit
neue wissenschaftliche Dimensionen zu erschließen», sagte Dieter
Kranzlmüller, Leiter des LRZ. 

Quantencomputer können unter anderem in Handel und Logistik oder im
Finanzwesen sowie für das Design von Mikrochips komplexe
Rechenaufgaben lösen, etwa die effizienteste Verbindung von
Standorten. Schon bei 10 Standorten entstehen mehrere Millionen
Möglichkeiten, bei 58 steigt die Zahl der Varianten auf eine
Tredezillion - das ist eine Zahl mit 78 Stellen. Das mache die
Berechnung mit klassischen Rechenmethoden äußerst aufwendig.

Das Unternehmen IQM, das den Quantencomputer am LRZ gebaut hat, ist
eine finnisch-deutsche Ausgründung der Aalto-Universität. Zur
Eröffnung kam die EU-Vizepräsidentin für Technologie, Henna
Virkkunen, die aus Finnland stammt. 

Meilenstein für Europa

«Ganz im Sinne der Hightech Agenda Deutschland werden wir so zum
Top-Technologieland in der Schlüsseltechnologie Quantentechnologien»,
sagte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU). 

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) sagte, von Garching
gehe ein starkes Signal aus: «Projekte wie dieses zeigen, dass Bayern
bereit ist, Verantwortung für Europas digitale Zukunft zu
übernehmen.» Der Executive Director von der EuroHPC Joint
Undertaking, Anders Jensen, sprach von einem Meilenstein auf dem Weg
zu einer europäischen Quantencomputerinfrastruktur von Weltklasse.

Das System kostet insgesamt 25 Millionen Euro. Davon übernimmt der
Bund 12 Millionen Euro, die Europäische Union 10 Millionen Euro sowie
der Freistaat Bayern 3 Millionen Euro. Das
Bundesforschungsministerium finanziert außerdem notwendiges Personal
und Sachmittel.

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