Darf dm apothekenpflichtige Medikamente online verkaufen?
Die Wettbewerbszentrale lässt vor Gericht prüfen, ob dm
apothekenpflichtige Arzneimittel online verkaufen darf. Im Fokus
steht die Verbindung von Drogerieartikeln und Medikamenten im
Webshop.
Karlsruhe (dpa) - Die Wettbewerbszentrale lässt den Verkauf von
Medikamenten über das Internet durch die Drogeriemarktkette dm
juristisch prüfen. Über ihre Internetseite werden seit kurzer Zeit
neben Drogerieartikeln auch apothekenpflichtige Arzneimittel
angeboten, wie die Wettbewerbshüter in Bad Homburg mitteilten. Der
Versand der Mittel erfolge über eine tschechische Versandapotheke,
die wiederum von einer dm-Konzerngesellschaft betrieben werde. Die
Wettbewerbszentrale sieht dadurch das Arzneimittel- und das
Apothekenrecht verletzt. Zuvor hatte die «Lebensmittelzeitung»
berichtet.
Eine Sprecherin des Landgerichts Karlsruhe bestätige den Eingang
einer Klage. Nähere Angaben zum Inhalt konnte sie zunächst nicht
machen.
Im Kern des Rechtsstreits geht es um die Frage, ob
apothekenpflichtige Arzneimittel in einem Webshop, in dem zugleich
Konsumgüter des täglichen Lebens verkauft werden, überhaupt platziert
werden dürfen. «Bei dem neuen Geschäftsmodell wird das
Drogeriesortiment mit dem den Apotheken vorbehaltenen Sortiment an
apothekenpflichtigen Arzneimitteln vermischt», kritisierte die
Wettbewerbszentrale in einer Mitteilung weiter. Was im stationären
Handel nicht zulässig wäre, etwa eine «Apothekenecke» in einer
Drogerie, könne auch im Internet nicht anders behandelt werden.
Klage liegt Drogeriemarktkette bisher nicht vor
Der Drogeriemarktkette lag die Klage zunächst nicht vor. Der
Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung, Sebastian Bayer,
sagte, im Dezember habe man eine Abmahnung der Wettbewerbszentrale
erhalten, auf die man fristgerecht geantwortet habe. Seither habe es
dazu keine weitere Korrespondenz gegeben.
Ferner moniert die Wettbewerbszentrale, dass das Modell der
Drogeriemarktkette mit apothekenrechtlichen Unabhängigkeits- und
Beteiligungsregeln nicht vereinbar sei. Die von dm gewählte
Konstruktion über eine konzernangehörige tschechische Versandapotheke
wird beanstandet, weil eine entsprechende wirtschaftliche Beteiligung
an einer deutschen
Apotheke unzweifelhaft unzulässig wäre, berichtete die
«Lebensmittelzeitung» weiter. Bedeutsam sei das Verfahren weit über
den konkreten Fall hinaus, weil es eine Grundsatzfrage der
Arzneimittelversorgung in Deutschland betreffe.
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