Salus-Chef räumt Fehler im Umgang mit Todesfahrer ein

E-Mail-Hinweis, verstörende Aussagen, Social-Media-Posts - doch
niemand griff ein. Im Untersuchungsausschuss zum Anschlag in
Magdeburg wird erneut deutlich, dass vorher vieles schieflief.

Magdeburg (dpa/sa) - Salus-Aufsichtsratschef Wolfgang Beck hat
eingeräumt, dass im Umgang mit dem späteren Magdeburger Todesfahrer
mehrere Fehler innerhalb des Gesundheitsunternehmens unterlaufen
sind. Dies habe bereits beim Einstellungsprozess angefangen, sagte
Beck im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags in
Magdeburg. Außerdem wäre aufgrund fachlicher Zweifel an dem Arzt eine
frühere vertiefte Prüfung notwendig gewesen, so Beck.

Die Personalakte des späteren Todesfahrers beim landeseigenen
Gesundheitsunternehmen Salus hatte erhebliche Lücken, wie bereits in
vorangegangenen Sitzungen deutlich geworden war. Zudem zweifelten
Kollegen an den fachlichen Qualifikationen des Arztes. Für eine Reihe
von Aufgaben wurde er gar nicht erst eingesetzt.

Taleb al-Abdulmohsen war am 20. Dezember 2024 mit einem Mietwagen
über den Weihnachtsmarkt von Magdeburg gefahren. Sechs Menschen
wurden getötet, mehr als 300 wurden zum Teil schwerst verletzt.
Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Mann aus
Saudi-Arabien. Er arbeitete im Maßregelvollzug in Bernburg
(Salzlandkreis) bei der Salus als Psychiater.

Kollege machte sich Sorgen

Im Ausschuss war unter anderem bekanntgeworden, dass sich ein Kollege
ein paar Monate vor dem Anschlag Sorgen um die Verfassung von
al-Abdulmohsen machte und diesen Hinweis per E-Mail auch an
Vorgesetzte weitergab. Der Arzt hatte in einem Gespräch im
Dienstzimmer gesagt, er befände sich in einem Krieg, «aber nicht im
metaphorischen Sinn, sondern in einem wirklichen Krieg, dessen
Ausgang entweder sterben oder umbringen sein wird». Führungskräfte
müssten künftig sensibler sein bei solchen Äußerungen, räumte Bec
k im
Ausschuss ein. 

Zuvor hatte bereits ein anderer Zeuge deutlich gemacht, dass der Arzt
in saudi-arabischen Kreisen immer wieder angeeckt sei mit
Social-Media-Posts, aber auch mit seiner persönlichen Art. Er habe
den Islam und Muslime scharf kritisiert, sei dabei auch beleidigend
gewesen, sagte der Mitarbeiter einer europäisch-saudischen
Organisation für Menschenrechte. Gegenüber politischen Aktivisten sei
er richtig feindselig gewesen, habe ihnen teils Spitzeltätigkeit
unterstellt. «Er war als angriffslustig bekannt», so der Zeuge. «Die

meisten Saudis, die ich kenne, haben angefangen, ihn zu ignorieren.»

Mehr als 140 Zeugen befragt

Der Saudi, der sich vom Islam losgesagt hatte und in Deutschland Asyl
bekam, sei zugleich bekannt gewesen dafür, dass er Hilfe für Menschen
und insbesondere Frauen bot, die Saudi-Arabien verlassen wollten.
Weil er aber launisch war und versuchte, alles selbst zu bestimmen,
hätten seine Kontakte oft nicht lange gehalten. «Mir ist bekannt,
dass er sehr schlechte Beziehungen zu seinen Geschwistern hatte», so
der Zeuge. Der spätere Todesfahrer habe bei Twitter schlecht über
seine Familie geredet.

Der Untersuchungsausschuss hat bisher etwa 140 Zeugen angehört, in
den nächsten Wochen sollen die letzten Zeugen befragt werden. Vor
einem Jahr hatte der U-Ausschuss seine Arbeit aufgenommen, genau am
13. Februar 2025. Unter der Vorsitzenden Karin Tschernich-Weiske
(CDU) gingen die Parlamentarier dem Sicherheitskonzept für den
Weihnachtsmarkt und der Arbeit der Polizei auf den Grund,
beleuchteten die teils nicht ausreichend geklärten Zuständigkeiten
von Stadt und Polizei. Der Täter war an einem breiten Gehweg zwischen
einer Fußgängerampel und einer Betonblocksperre hindurchgefahren.

Ferner ging es um die Frage, warum Warnungen oder Hinweise, die
Sicherheitsbehörden vorlagen folgenlos blieben. Und auch das
Arbeitsumfeld des späteren Todesfahrers wurde intensiv beleuchtet. In
den nächsten Wochen soll ein Abschlussbericht erstellt werden.

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