Wo ist ein Spenderherz? Italien bangt um kleinen Jungen Von Christoph Sator, dpa

In Neapel wartet ein herzkrankes Kind auf ein Ersatzorgan. Dann wird
eines gefunden, aber beim Transport schwer beschädigt - und trotzdem
transplantiert. Nun wird europaweit gesucht.

Neapel (dpa) - Italien bangt um einen kleinen Jungen mit einem
angeborenen Herzfehler, der nach einem tragischen Irrtum dringend ein
neues Spenderherz braucht. Der ohnehin dramatische Fall nahm nun eine
weitere Wendung: Das erst zwei Jahre alte Kind aus Neapel bekam nach
neuesten Informationen das Herz eines verstorbenen Jungen
transplantiert, obwohl bekannt war, dass dieses durch falsche Kühlung
beim Transport irreparabel beschädigt worden war. Die Eltern wussten
nach eigenen Angaben bislang nichts davon.

Der Junge liegt inzwischen seit mehr als 50 Tagen auf der
Intensivstation einer Klinik in Neapel und wird von einer Maschine am
Leben gehalten. Jetzt wird europaweit dringend nach einem neuen
Spenderherz gesucht, ohne dass die Chancen besonders gut sind. Seine
Mutter wurde von der Tageszeitung «Corriere della Sera» mit den
Worten zitiert: «Mein Sohn führte ein fast normales Leben. Er nahm
Medikamente, spielte und aß regelmäßig. Jetzt liegt er seit Wochen im

künstlichen Koma und schwebt in Lebensgefahr.» 

Herzfehler schon mit vier Monaten festgestellt

Der Name des Zweijährigen ist nicht bekannt. Italiens Zeitungen
nennen ihn wahlweise Francesco oder Tommasino. Er leidet an einem
schweren Herzfehler, der bereits im Alter von vier Monaten
diagnostiziert worden war. Deshalb wird schon seit längerer Zeit ein
Ersatzorgan gesucht. Kurz vor Weihnachten kam dann die Nachricht,
dass in Südtirol ein vier Jahre alter Junge im Schwimmbad ertrunken
sei, dessen Herz genutzt werden könnte. 

Das Organ wurde von Bozen ins rund 800 Kilometer entfernte Neapel
gebracht. Dabei kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem
gravierenden Fehler: Statt wie üblich in Eis wurde das Herz in
deutlich kälterem Trockeneis transportiert. Dieses erreicht
Temperaturen von mehr als minus 78 Grad. Bei der Ankunft sei es
«buchstäblich erfroren» gewesen, hieß es. So wurde der Fall am
Wochenende bekannt. 

Zwei Ärzte suspendiert

Bislang wusste man allerdings nicht, dass dem Jungen das Spenderherz
trotzdem transplantiert wurde. Dies teilte nun der Anwalt der Eltern,
Francesco Petruzzi, mit. Grund dafür war offensichtlich, dass dem
Kind das eigene Herz bereits herausgenommen worden war. Den Eltern
sei nur gesagt worden, dass die Transplantation nicht erfolgreich
gewesen sei. «Jetzt wissen wir, dass ihm ein Herz eingesetzt wurde,
das nicht funktionierte.» 

Zwei Ärzte des Krankenhauses in Neapel wurden nach einem Bericht der
italienischen Nachrichtenagentur Ansa von Operationen suspendiert.
Die Mutter meinte dazu in der Tageszeitung «Il Mattino» nur, dies sei
«nicht der Moment des Zorns». «Für mich hat Vorrang, dass mein Sohn

gerettet wird. Sonst nichts.» Wegen des Falles ermitteln die
Staatsanwaltschaften in Bozen und in Neapel. In der süditalienischen
Großstadt setzte die Klinik alle Herztransplantationen für Kinder
vorläufig aus.

«Roter Alarm» bei Suche nach neuem Spenderherz

Normalerweise befindet sich das Herz bei solchen Transporten in einem
Beutel mit steriler Konservierungslösung, die von außen durch
herkömmliches Eis - meistens Eiswürfel oder Crushed Ice - gekühlt
wird. Ziel ist es, das Herz auf eine Temperatur zwischen vier und
acht Grad abzukühlen, um den Stoffwechsel zu verlangsamen. 

Auf der europaweiten Warteliste für Spenderorgane wird nach
italienischen Medienberichten nun mit einem «Red Code» nach einem
neuen Herz für den Jungen gesucht. «Roter Alarm» bedeutet, dass es
sehr dringend ist, weil Lebensgefahr besteht.

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