Vergifteter Liebesgruß: Schnittblumen oft pestizidbelastet

Viele Millionen Schnittblumen werden zum Valentinstag eingeflogen.
Ihre schlechte Klimabilanz ist nicht das einzige Problem.

Berlin (dpa) - Giftbomben mit miserabler Klima-Bilanz: Rosen sind in
mehrfacher Hinsicht kein ideales Valentinspräsent. Wie auch andere
Schnittblumen kommen sie im Winter nahezu komplett aus dem globalen
Süden - hauptsächlich aus Kenia, wo es riesige Plantagen gibt, wie
Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
erklärte. 

Rosen sind die insgesamt am meisten verkauften Schnittblumen in
Deutschland und auch die am stärksten nachgefragten zum Valentinstag.
Jährlich werden deutlich über eine Milliarde Rosen importiert, davon
rund 200 Millionen aus Kenia und - in den Sommermonaten - etwa 900
Millionen aus den Niederlanden, wie Hölzel sagt.

Viele Pestizide - und teils hier verbotene

Rosen werden dem BUND zufolge intensiv gedüngt und gegen Insekten
sowie Pilzerkrankungen mit Insektiziden und Fungiziden behandelt.
Gerade Blumen aus dem globalen Süden seien sehr häufig massiv mit
Pestizid-Cocktails belastet - oft zudem mit Pestiziden, die aufgrund
ihrer Gesundheitsgefahren oder Umweltrisiken in der EU längst
verboten sind.

«Viele der Pestizide sind gefährlich für Nützlinge, verunreinigen
Wasser, Böden und Luft», sagte Expertin Hölzel. «Zudem stellen sie

ein riesiges Gesundheitsproblem für die Arbeiterinnen und Arbeiter
auf den Plantagen dar, die oft keine Information über die Gefahren
und kaum Zugang zu Schutzkleidung haben.»

Als Rückstände auf und in den Blumen kommen die Pestizide dann auch
nach Europa. In der EU gibt es dem Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR) zufolge für das Inverkehrbringen von Schnittblumen keine
rechtlichen Regelungen bezüglich der Rückstände von
Pflanzenschutzmitteln. 

Risiko für Floristen

Für Floristinnen und Floristen bedeutet das laut BUND ein
Gesundheitsrisiko. Wer beruflich langjährig und häufig mit Pestiziden
in Kontakt gekommen ist, hat Studien zufolge unter anderem ein
höheres Risiko für Parkinson. Die mit Bewegungsstörungen verbundene
neurodegenerative Erkrankung ist daher in Deutschland als
Berufskrankheit anerkannt - bei Floristen ebenso wie bei Landwirten,
Gärtnern und Winzern.

«Wer am Valentinstag Freude ohne giftiges Beiwerk schenken will,
sollte auf Siegel achten: die von den Lebensmitteln bekannten
Bio-Siegel, das Slowflower- und das Fairtrade-Siegel», erklärte
Hölzel. Schnittblumen von Frühblühern wie Tulpen, Narzissen oder
Ranunkeln kämen oft aus Europa und seien weniger mit Pestiziden
belastet als Rosen im Winter. 

Frühblüher oder Zweige als Alternative

Prinzipiell seien auch weniger weit gereiste - oft aus den
Niederlanden stammende - Frühblüher-Topfblumen wie Primeln, Narzissen
oder Hyazinthen als Alternative durchaus zu empfehlen. Für eine gute
Öko-Bilanz sollten sie in torffreier Erde möglichst in einem
Keramiktopf oder zumindest wiederverwendetem Plastiktopf kultiviert
worden sein. «Und man sollte den Platz haben, sie dann auch im Garten
oder auf dem Balkon einzupflanzen.» 

Auch Zweige von heimischen Sträuchern oder Obstbäumen, die nach
einigen Tagen im warmen Zimmer pünktlich zum Valentinstag grünen und
blühen, sind Hölzel zufolge eine gute Alternative zu Rosen. Oder man
verschenkt Pflanzen, die erst später im Jahr im Balkonkasten oder
Garten zur Geltung kommen: Wildstauden und -gehölze, Gemüse, Obst
sowie Arznei- und Gewürzpflanzen stammten vielfach aus heimischen
Gärtnereien.

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