Prozess um Überfall auf 81-Jährigen - Mordversuch mit Kabel
Ein Räubertrio sucht sich ein scheinbar völlig wehrloses Opfer aus.
Doch dank Gegenwehr überlebt der überfallene Senior das Martyrium im
eigenen Haus. Jetzt stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.
Hamburg (dpa/lno) - Am Landgericht Hamburg hat ein Prozess um einen
ungewöhnlich brutalen Überfall auf einen 81-Jährigen begonnen. Nach
Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der Senior am 30. August
vergangenen Jahres in seinem Haus in Hamburg-Eißendorf geschlagen und
beraubt. Schließlich sollen die Angeklagten versucht haben, ihn zu
ermorden.
Opfer erwartete Gärtner
Vor Gericht stehen drei Männer: ein 45-jähriger Brandenburger und
zwei 25-Jährige, ebenfalls mit deutscher Staatsangehörigkeit. Der
Ältere soll als Gärtner bei dem 81-Jährigen tätig gewesen sein. Am
Morgen des Tattages sollen die Angeklagten um 8.30 Uhr an der Haustür
geklingelt haben, wie die Staatsanwältin erklärte. Der auf einen
Rollator angewiesene Senior öffnete die Tür, weil er den Besuch des
Gärtners erwartete.
Er habe sogleich einen so heftigen Faustschlag ins Gesicht bekommen,
dass er rückwärts auf den Boden gestürzt sei, hieß es in der Anklag
e
weiter. Dann sollen die Beschuldigten dem alten Mann einen Jutebeutel
über den Kopf gezogen und ihn damit stranguliert haben. Die
Angeklagten hätten Silber, Gold und Geld gefordert.
Stromkabel als Schlinge
Unter weiteren Schlägen soll der 81-Jährige verraten haben, dass er
im Keller ein Portemonnaie mit 1.800 Euro habe. Daraufhin gingen die
Beschuldigten den Angaben zufolge mit ihm in den Keller, wobei sie
ihm den Jutebeutel abgenommen haben sollen. Als sie das Geld hatten,
soll einer der mutmaßlichen Räuber gesagt haben: «Wir müssen ihn
jetzt umbringen, er hat uns gesehen.»
Die Angeklagten hätten ein Stromkabel in etwa zwei Metern Höhe an der
Kellertreppe befestigt und eine Schlinge geformt, hieß es. Der
45-Jährige versuchte den Angaben zufolge, den Senior mit dem Kopf in
der Schlinge aufzuhängen, was aber an der Gegenwehr des Opfers
scheiterte.
Pflegekraft ruft Hilfe
Während die Angeklagten ihr weiteres Vorgehen im Arbeitszimmer des
Seniors besprachen, hörte der 81-Jährige Geräusche an der Haustür u
nd
schrie um Hilfe. Daraufhin flüchteten die mutmaßlichen Täter durch
eine Terrassentür. Zuvor schlug der 45-Jährige dem Überfallenen laut
Staatsanwaltschaft noch einmal mit der Faust ins Gesicht, sodass der
erneut zu Boden stürzte.
Kurz nach dem Überfall entdeckte eine Pflegekraft den verletzten Mann
und rief Polizei und Rettungskräfte. Der Senior erlitt diverse
Blutergüsse am Kopf, Prellungen im Brustkorbbereich, Würgemale am
Hals sowie erhebliche Schmerzen, wie die Staatsanwältin erklärte. Er
wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Angeklagte wollen aussagen
Bei einer Sofortfahndung nahm die Polizei die drei mutmaßlichen
Räuber fest. Im Transporter des Trios stellten die Beamten Schmuck
und Bargeld als Beweismittel sicher, wie die Polizei Anfang September
mitgeteilt hatte.
Die Anklage lautet auf versuchten Mord zur Verdeckung einer Straftat,
gefährliche Körperverletzung und schwere räuberische Erpressung. Die
Verteidiger der drei Männer kündigten an, dass sich ihre Mandanten im
weiteren Prozessverlauf zu den Vorwürfen äußern werden. Am nächsten
Verhandlungstag am Montag will das Gericht einen Sachverständigen,
einen Polizeibeamten und eine Rechtsmedizinerin als Zeugen hören. Der
überfallene Senior soll am 24. Februar aussagen, möglicherweise über
eine Videoschalte.
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