Wenn der Weg ins Heim in die Altersarmut führt
Für einen Heimplatz muss man 2024 dreimal so viel zuzahlen wie 2018.
Von der Idee der Pflegeversicherung sei die Realität inzwischen weit
entfernt, sagt ein Krankenkassen-Chef - und macht Vorschläge.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Kosten für Pflegeheime steigen und
steigen. Die Krankenkasse Barmer hat sich die Zahlen für Hessen
angeschaut und macht Vorschläge, was die Menschen entlasten könnte.
Die durchschnittliche finanzielle Belastung im ersten Jahr einer
stationären Pflege lag in Hessen im Jahr 2025 bei 3.217 Euro. Dieser
Wert lag 16 Prozent über dem Niveau von 2024. Die Krankenkasse hat
dafür Daten der eigenen Versicherten - 730.000 in Hessen -
hochgerechnet auf die Bevölkerung.
Zuzahlung verdreifacht
Die Barmer schlüsselt die einzelnen Teilsummen auf:
* Größter Kostenfaktor war der Eigenanteil, den Pflegebedürftige
selbst tragen müssen. Er hat sich zwischen den Jahren 2018 und 2025
von 566 Euro um mehr als das Dreifache auf 1.781 Euro erhöht.
* Dazu kamen in Hessen Kosten für Unterkunft und Verpflegung von im
Schnitt 919 Euro. Das waren 46 Prozent mehr als 2018.
* Zusätzlich gab es noch Investitionskosten, etwa für Bau,
Instandhaltung und Ausstattung der Pflegeheime, in Höhe von
durchschnittlich 517 Euro. Das war die einzige Teilsumme, die mit
plus vier Prozent relativ stabil blieb.
Realität weit von Ideal entfernt
«Vom ursprünglichen Ideal einer Pflegeversicherung, die eine
pflegerische Grundversorgung voll finanziert, hat sich die Realität
leider weit entfernt», sagt Barmer-Landeschef Martin Till. «Bei der
derzeitigen Kostenentwicklung kann die Pflegeversicherung die
Menschen in Hessen nicht mehr vor Altersarmut oder erheblichem
Wohlstandsverlust schützen.»
Zudem betrifft das Thema immer mehr Menschen. Laut Auswertung der
Barmer steigt die Zahl der Pflegebedürftigen rasant: 2017 waren in
Hessen rund 237.000 Menschen pflegebedürftig, 2024 waren es rund
431.000. Das entspricht einem Anstieg von rund 80 Prozent.
Der Report zeigt aber auch: Das liegt nur zum Teil an der Alterung in
der Gesellschaft. Der andere Grund ist, dass mit der Pflegereform
2017 der Kreis der Anspruchsberechtigten größer wurde.
Was würde helfen?
* Schnell helfen würde es, wenn das Land die Investitionskosten
übernähme, schlägt Till vor. Das sei bei Gründung der
Pflegeversicherung im Jahr 1996 auch so geplant gewesen, geschehe in
Hessen aber nicht ausreichend.
* «Wenn die Landesregierung ihrem Auftrag zur Investitionsförderung
vollumfänglich nachkäme, würden Pflegebedürftige in der stationär
en
Pflege monatlich um mehr als 500 Euro entlastet», so Till.
* Idee zwei: Das im hessischen Koalitionsvertrag angekündigte
Landespflegegeld könnte «ein weiteres wichtiges Instrument zur
finanziellen Entlastung der hessischen Pflegebedürftigen sein»,
findet der Landeschef der Barmer.
* Punkt drei: Den Pflegebedarf verhindern oder verzögern mit
besserer Prävention. Der Barmer-Landeschef sieht hier «großes
Potenzial für Hessen». Konkret schlägt er vor, altersgerechte
Angebote auszubauen für mehr Bewegung, bessere Ernährung oder
Lernangebote zu chronischen Erkrankungen.
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