Cannabis-Checks in Clubs: Landesweit einmaliges Projekt
Ein Pilotprojekt im Wiesbadener Nachtleben prüft Cannabis auf
Risiken. Bei einer Zwischenbilanz spielen bestimmte Pilze eine Rolle.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Ein hessenweit einmaliges Pilotprojekt für
Cannabis-Tests in Wiesbadener Clubs hat den Blick auf eine spezielle
Gefahr für die Gesundheit gerichtet. Zwar hätten sich bei der Analyse
von Inhaltsstoffen dieser Droge «glücklicherweise keine Hinweise auf
Verunreinigungen durch synthetische Cannabinoide» ergeben, teilte die
Landeshauptstadt der Deutschen Presse-Agentur mit. Gerade bei selbst
angebautem Cannabis sei jedoch eine teils zu hohe Feuchtigkeit
gemessen worden, «was eine Gefährdung durch Schimmelsporen nach sich
ziehen kann».
Beim sogenannten Drug Checking geht es laut der Stadt Wiesbaden um
die niedrigschwellige und frühe Erkennung gesundheitsgefährdender
Substanzen. Studien zeigten, dass dies oft zu risikobewussterem
Konsum oder gar Verzicht auf Cannabis führe. Auch sollten so Kontakte
zur Suchthilfe hergestellt werden.
Pilotprojekt mit zehn Veranstaltungen
Die Pilotphase soll zehn Veranstaltungen in Wiesbadener Clubs mit
anonymen Besprechungen der Testergebnisse umfassen - stets
unangekündigt, um ein unverfälschtes Bild des Konsumverhaltens für
eine begleitende Bewertung mit ebenfalls anonymen Online-Fragebögen
zu erhalten. «Bei bisher sieben begleiteten Veranstaltungen wurden
insgesamt 42 Cannabisproben abgegeben», hieß es weiter.
Wenig Lust auf Fragebögen, viel Interesse an Suchthilfe
Nur insgesamt elf Clubbesucher hätten die Fragebögen ausgefüllt -
jeweils mit einer positiven Bewertung des Drug Checking. Ferner
teilte die Kommune mit: Hinsichtlich teils ersten Kontakten zur
Wiesbadener Suchthilfe «können wir sehr zufrieden sein. Es waren nach
unserer Zählung mehr als 300 Interessierte zu Gesprächen am
Informationsstand und es wurden circa 600 Substanz-Flyer sowie circa
1.000 Safer Use- und Safer Party-Materialien ausgegeben.»
Und was ist mit anderen Drogen? Nach früheren Angaben der Stadt
Wiesbaden könnten die Testungen «umgehend auch auf im Nachtleben weit
verbreitete psychoaktive Substanzen ausgeweitet werden, sobald das
Land Hessen die von kommunaler Seite und Fachwelt schon lang
eingeforderte Verordnung erlassen hat». Dazu sei es weiterhin nicht
gekommen, teilte die Landeshauptstadt nun mit. Die Bundesregierung
hatte bereits vor längerer Zeit den Weg für Modellprojekte auf diesem
Gebiet freigemacht.
Restrisiko
Der Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, René-Maxime Gracien,
erklärte beim Start des Pilotprojekts im Herbst 2025: «Drug Checking
kann das Risiko beim Konsum psychoaktiver Substanzen wirksam
reduzieren, ein Restrisiko besteht aber immer. Empfehlenswert bleibt
daher der vollständige Verzicht auf Rauschmittel - einschließlich
Alkohol und Cannabis.» Die Wirklichkeit sei jedoch auch in Wiesbaden
eine andere - daher die Notwendigkeit der Schadensminderung mit
Clubtests. Das Gesundheitsamt wirke dabei mit.
Ob das Wiesbadener Pilotprojekt nach insgesamt zehn Veranstaltungen
in Clubs fortgesetzt wird, ist nach Angaben der Landeshauptstadt noch
nicht entschieden. Cannabis war im April 2024 in Deutschland
teilweise legalisiert worden.
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