Vom Baby bis zum Greis - Zahl der Pflegebedürftigen nimmt zu
Pflegebedarf betrifft in Sachsen-Anhalt nicht nur Senioren: Selbst
Babys und Kinder brauchen manchmal spezielle Unterstützung. Wie sehen
die neuen Zahlen und Fakten aus?
Magdeburg (dpa/sa) - Auch im vergangenen Jahr haben wieder mehr
Menschen als im Vorjahr in Sachsen-Anhalt Pflegeleistungen gebraucht,
um ihren Alltag bewältigen zu können. Der Medizinische Dienst
Sachsen-Anhalt stellt bei Begutachtungen fest, wie groß der Bedarf
jeweils ist. Wer bei Pflegebedürftigen nur an alte Menschen denkt,
liegt falsch - auch die Kleinsten brauchen manchmal besondere
Unterstützung.
Wie haben sich die Zahlen entwickelt?
Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Pflegebegutachtungen, so auch
2025. Im vergangenen Jahr ermittelten Pflegefachkräfte genau 114.771
Mal, in welchem Umfang ein Pflegebedarf besteht, wie aus Daten des
Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt hervorgeht. Das waren 5,4
Prozent mehr Gutachten als noch im Vorjahr.
Der Grund ist klar: «Der wachsende Anteil der älteren Menschen in der
demografischen Entwicklung unseres Bundeslandes zeigt sich jedes Jahr
im Anstieg der Anträge zur Pflegebegutachtung», erklärt der
Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt, Jens
Hennicke.
Übrigens ging es im vergangenen Jahr in fast 54.100 Fällen um eine
Höherstufung mit Blick auf den Pflegegrad. Rund 48.400 Mal wurde ein
Erstantrag gestellt. Daneben gab es etwa 12.300 Fälle in weiteren
Antragsarten.
Wie läuft so eine Begutachtung eigentlich ab?
In der Regel kommt die Pflegefachkraft zur Antragstellerin oder zum
Antragsteller nach Hause. Der Medizinische Dienst stattete den
Angaben zufolge im vergangenen Jahr gut 64.100 Hausbesuche ab. Über
29.700 Mal wurde auf der Grundlage von Unterlagen und Befunden
entschieden. Hinzu kamen nahezu 20.900 Telefoninterviews.
Hennicke ist dafür, die digitalen Möglichkeiten weiter auszubauen und
zu nutzen. «Das kann für alle Seiten von Vorteil sein. Wir sehen das
bereits bei unserem freiwilligen Online-Fragebogen, mit dem wir eine
gute Informationsgrundlage für die Pflegebegutachtung schaffen.» Der
finde bei den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen wachsenden
Zuspruch.
Und was ist rausgekommen bei den Begutachtungen 2025?
Je nach Unterstützungsbedarf werden die Pflegegrade 1 bis 5 vergeben.
Im vergangenen Jahr wurde am häufigsten der Pflegegrad 2 vergeben,
das war in fast einem Drittel (32,8 Prozent) der Begutachtungen der
Fall. Am zweithäufigsten war der Pflegegrad 3 (22,6 Prozent) gefolgt
vom Pflegegrad 1 (18,7 Prozent). Seltener kamen die beiden höchsten
Pflegegrade 4 (11,3 Prozent) und 5 (7,2 Prozent) vor. Aber nicht
immer erkennen die Pflegefachkräfte einen Bedarf: In 7,4 Prozent der
Begutachtungen sahen sie keinen Pflegebedarf.
Sind Pflegebedürftige immer alt?
Nein, einen Pflegebedarf können schon Babys und Kinder haben, genauso
wie Erwachsene in jedem Alter. Bei 229 Begutachtungen im vergangenen
Jahr standen Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten im Mittelpunkt,
3.374 Mal Kinder bis 12 Jahre. Erwachsene bis 74 Jahre (42.171) und
Erwachsene ab 75 (68.997) machten den Großteil aus.
Und was sind die Gründe für den Pflegebedarf?
Der Medizinische Dienst nennt für Kinder bis 18 Monate Störungen im
Zusammenhang mit einer kurzen Schwangerschaftsdauer und niedrigem
Geburtsgewicht als den häufigsten Grund, warum eine besondere Pflege
nötig ist. Weitere Diagnosen für eine Pflege waren 2025 an zweiter
Stelle das Down-Syndrom und an dritter Stelle angeborene
Fehlbildungen der Herzkammer-Trennwände. Bei Kindern bis 12 Jahren
gehe es um Störungen in der Entwicklung, der Aufmerksamkeit, im
Sozialverhalten sowie beim Sprechen.
Erwachsene bräuchten Pflegeleistungen besonders oft, weil sie in
ihrer körperlichen Bewegungsfähigkeit, Koordinierung und Haltung
eingeschränkt seien. Bei den ab 75-Jährigen folgt an zweiter Stelle
die Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, danach
Herzschwäche.
Es geht bei den Pflegebegutachtungen um mehr als nur den Pflegegrad,
oder?
Genau. Die Pflegefachkräfte geben zugleich Empfehlungen zum Erhalt
der Selbstständigkeit. Im vergangenen Jahr war das rund 93.400 Mal
der Fall. Da wurde in vielen Fällen eine Physiotherapie,
Ergotherapie, eine Stimm-, Sprech-, Sprach- oder Schlucktherapie
empfohlen. Oft ging es um Umbauten für eine bodengleiche Dusche,
Schwellen und Stufen, die entfernt werden sollten, und Treppenlifte.
Hilfsmittelempfehlungen zielten auf Hausnotruf, Pflegebett,
Schieberollstuhl, Rollator, Toilettensitzerhöhung oder Duschhocker
ab.
Wer kümmert sich denn hauptsächlich um die Pflegebedürftigen?
Ganz klar: Die meisten Pflegebedürftigen leben in den eigenen vier
Wänden. Sie werden betreut von Angehörigen und zum Teil von
ambulanten Pflegediensten. Laut dem Statistischen Landesamt liegt die
Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt bei mehr als 204.200 -
das sind fast zehn Prozent aller Einwohner. Vollstationär gepflegt
werden demnach gut 28.300. Die Zahlen beziehen sich auf den 15.
Dezember 2023. Es sind die jüngsten verfügbaren.
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