Tote Schwäne im Landwehrkanal - das sind mögliche Gründe
Es ist ein trauriger Anblick, der viele Menschen mitnimmt. Woran die
Tiere genau starben, muss noch untersucht werden. Wildtierexperte
Derk Ehlert hat mehrere Hypothesen.
Berlin (dpa/bb) - Fassungslos und mit Tränen in den Augen blicken die
Menschen auf den zugefrorenen Landwehrkanal in Kreuzberg. Etwa zehn
tote Schwäne liegen dort, elendig verendet, zugefroren auf der
vereisten Oberfläche. Könnten die Tiere verhungert sein, wie manche
vermuten? Oder waren es Kälte oder Krankheiten?
Die genaue Ursache ist noch unklar. Das liegt auch daran, dass man
sie noch nicht im Labor untersuchen konnte, wie eine Sprecherin des
Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg auf Anfrage mitteilt. «Aufgrund
der aktuellen Witterungsbedingungen ist eine Bergung im Landwehrkanal
derzeit nicht möglich, ohne dass sich die Kolleginnen selbst in
Lebensgefahr begeben.»
Ihren Angaben nach waren Mitarbeiter der Veterinäraufsicht bereits
vor Ort, kamen mit den Keschern aber nicht an die Tiere heran. Der
Landwehrkanal sei für Boote aktuell nicht passierbar und ein Betreten
des Eises lebensgefährlich.
Zufüttern mit Brot kann fatale Folgen haben
Für den Tod der Schwäne gibt es mehrere mögliche Ursachen, wie
Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert erklärt. Zum einen zirkuliere
unter Wildvögeln in Berlin nach wie vor die Vogelgrippe. Nach Angaben
der Verbraucherschutzverwaltung sind zuletzt 14 Wildvögel positiv auf
das hoch ansteckende Virus getestet worden, darunter viele Schwäne.
Zum anderen könnte tatsächlich das Wetter eine Rolle spielen.
«Höckerschwäne sind Vegetarier und suchen ihr Futter unter Wasser»,
sagt Ehlert. Momentan seien aber viele Gewässer zugefroren, es gebe
weniger offene Wasserstellen, an denen die Schwäne nach Nahrung
fischen könnten. Ist eine Stelle abgegrast, fliegen die Tiere
normalerweise einfach an einen anderen Ort, wie Ehlert erklärt. Am
Landwehrkanal würden die Schwäne aber von Menschen mit Brot und
ähnlichem zugefüttert - und blieben.
Für die Tiere kann das fatale Folgen haben. Brot fülle den Magen der
Schwäne, mache sie aber nicht satt. Die Tiere könnten dann trotz der
falschen Zufütterung verhungern, sagt Ehlert. Zugefüttert werden
dürfe, wenn überhaupt, dann nur mit speziellem Futter für
Wassergeflügel.
Kann es sein, dass die Tiere in der Eisfläche eingefroren sind und
deswegen starben? «Ein gesunder Schwan friert in der Regel nicht
ein», meint Ehlert. Wenn das Tier geschwächt sei, könne das aber
durchaus passieren. Es könnte also auch eine Verkettung von mehreren
Umständen zum Tod der Tiere geführt haben.
Auch wenn es viele betroffen macht - dramatisch ist der Tod der Tiere
aus Sicht der Wildtierexperten nicht. Der Winter sei eine gewöhnliche
Auslesezeit. Weil es seit vielen Jahren nicht mehr so einen
Dauerfrost gegeben habe, seien es Menschen einfach nicht mehr
gewohnt, tote Schwäne zu sehen. Um den Bestand von Schwänen mache er
sich keine Sorgen. Höckerschwäne seien nicht gefährdet.
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