Patientenschützer fordert genug Sprechstunden für Patienten
Sechs Wochen dauert es in Deutschland im Schnitt, bis Kassenpatienten
einen Facharzttermin bekommen. Könnten die Krankenhäuser aushelfen?
Berlin (dpa) - Für schnellere Facharzttermine in Deutschland sieht
die Deutsche Stiftung Patientenschutz auch die Ärztinnen und Ärzte
selbst gefordert.
Vertraglich zugesichert seien wöchentlich 25 Stunden Präsenzzeiten
für Kassenpatienten, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen
Presse-Agentur in Berlin. Diese müssten auch eingehalten werden. Die
Patientinnen und Patienten stattdessen in Krankenhäusern behandeln zu
lassen, gehe wegen deren Überlastung dagegen an der Realität vorbei.
Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte eine
Termingarantie bei Fachärzten gefordert. Ohne Termin innerhalb von
vier Wochen, solle der Patient wie ein Privatversicherter ambulant im
Krankenhaus behandelt werden, sagte Lauterbach der «Rheinischen
Post».
Brysch hält dies hingegen für «realitätsfern». Eine bessere
Verzahnung des ambulanten und stationären Sektors wäre zwar
wünschenswert. Doch schon heute gebe es auch in Kliniken lange
Wartezeiten. Würden Patienten vermehrt dorthin geschickt, drohten
lediglich die Notaufnahmen überzulaufen.
Keine Beschleunigung - trotz großer Summen
Brysch sagte, im Mittelpunkt müssten die Anzahl der
betreuten Patienten in den Praxen und deren Sprechstunden stehen. Die
Praxen müssten zudem gut regional verteilt sein. «Auch die in den
letzten Jahren zusätzlich ausgegebenen Hunderte Millionen
Euro haben die fachärztliche Terminvergabe nicht beschleunigt»,
kritisierte Brysch. Die ambulant-ärztliche Versorgung müsse endlich
bedarfsgerecht gesteuert werden.
Wie ist die Lage heute?
Niedergelassene Ärzte müssten heute mindestens 25 Stunden
Sprechstundenzeit pro Woche anbieten. Hausbesuchszeiten werden
angerechnet. Einige Facharztgruppen wie Augen- oder Frauenärzte
müssen mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde ohne
vorherige Terminvereinbarung anbieten.
So kommen Kassenpatienten schneller an Termine
Gesetzlich Versicherte, die dringend einen Termin brauchen, können
sich über die 116 117 durch eine Terminservicestelle innerhalb von
vier Wochen einen Arzttermin vermitteln lassen. Bereiche wie
Kardiologie, Neurologie und Orthopädie sollen so abgedeckt sein.
Dennoch richtet sich ein Termin nach regionaler Verfügbarkeit - bei
Lücken kann es auch in ein Krankenhaus gehen.
Um den Service in Anspruch nehmen zu können, ist in der Regel eine
Überweisung mit einem Dringlichkeitscode nötig, so die
Verbraucherzentrale Hamburg. Er steht auf der Überweisung der
Hausarztpraxis. Termine bei Frauenärzten und Augenärzten gibt es
demnach ohne einen solchen Code.
Wartezeit gestiegen
Nach jüngsten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums ist die
Wartezeit auf Facharzttermine in Deutschland im Schnitt auf sechs
Wochen angestiegen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU)
hatte Abhilfe durch die geplante Reform der Koalition bei der
ambulanten Versorgung versprochen. Künftig sollen Patientinnen und
Patienten generell zuerst zur Hausarztpraxis gehen, die sie bei
Bedarf weiter überweisen. Unnötige Facharztbesuche sollen so
vermindert werden.
In der Vergangenheit hatte Brysch Kassenärztinnen und -ärzten teils
Rosinenpickerei vorgeworfen. Privatpatientinnen und -patienten
bekämen Termine oft schneller. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung
hatte solche Vorwürfe zurückgewiesen.
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