Kriminologe: Angriff in Zug «völlig unübliche Eskalation»

Was steckt hinter dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter? Ein
Kriminologe sagt, was die Tat ausgelöst haben könnte - und er äußer
t
sich zur Wirkung härterer Strafen.

Hannover/Landstuhl (dpa/lrs) - Der tödliche Angriff auf einen
Zugbegleiter in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz lässt sich nach
Einschätzung eines Kriminologen rational nicht erklären. «Das, was
wir hier haben, ist eine völlig unübliche Eskalation einer
Fahrkartenkontrolle», sagte Tobias Kulhanek von der Leibniz
Universität Hannover der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Sie sei
von außen betrachtet nicht nachvollziehbar, so etwas komme selten
vor.

Derartige Eskalationen gingen häufig auf psychisch auffällige Täter
zurück. Spekulativ denkbar sei etwa eine paranoide Schizophrenie,
Betroffene sähen dann mitunter plötzlich beispielsweise nicht mehr
einen Zugbegleiter vor sich, sondern den Teufel, den sie glaubten,
angreifen zu müssen. Ob das hier so gewesen sei, sei natürlich völlig

unklar.

Faustschläge nach Ticketkontrolle

In einem Regionalexpress hatte kurz nach Verlassen des Bahnhofs
Landstuhl im Kreis Kaiserslautern ein Fahrgast nach einer
Ticketkontrolle den Zugbegleiter angegriffen, ihn mit schweren
Faustschlägen gegen den Kopf schwer verletzt. Keine zwei Tage später
starb der 36-Jährige, der in Ludwigshafen zu Hause war, im
Krankenhaus im saarländischen Homburg. Der mutmaßliche Täter ist ein

26-jähriger Grieche ohne Wohnsitz in Deutschland. 

Dass der mutmaßliche Täter mit dem Angriff entkommen wollte, um einer
Strafe für das Schwarzfahren zu entgehen, glaubt Kulhanek eher nicht.
Dafür handele es sich um ein zu harmloses, fast schon alltägliches
Vergehen, das nicht die ganz großen Konsequenzen habe. Eine solche
Erklärung käme eher in Betracht, wenn der Zugbegleiter weggeschubst
worden wäre.

In der Kriminologie gebe es etwa die Halt- und Bindungstheorien. Sie
beschrieben grob gesagt, warum sich die meisten Menschen sozial
konform verhielten. Davon ausgehend werde versucht, auf Ausnahmen zu
schließen, bei denen Menschen genau das nicht täten, sondern
austickten oder eskalierten. Bei manchen Menschen könne ein Funken
eine Spirale in Gang setzen, erklärte Kulhanek. Wut, die bereits in
dem Menschen sei, könne sich Bahn brechen. «Dann kann eine Schubserei
im Blutrausch enden», sagte Kulhanek.

Mehr Sicherheitsmaßnahmen würden solche Tat nicht verhindern

Dass es bei dem Fall in dem Regionalzug aus einer eher nichtigen
Situation heraus zu solch einer massiven Gewalttat kam, spricht
Kulhanek zufolge auch nicht unbedingt dafür, dass der Täter betrunken
war. Theoretisch denkbar sei Drogenkonsum, der Wahnvorstellungen
auslösen könne. Das müsse letztlich ein Psychiater beleuchten.

Für den Kriminologen ist klar, dass solche Taten mit mehr
Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern sind. «Wie sollten die auch
aussehen?», fragte er. Es könne schlicht nicht in jedem Zugwaggon in
Deutschland noch ein Sicherheitsbediensteter sein. Wenn etwa
Gewerkschaften nun mehr Sicherheit für Beschäftigte forderten, könne

er das nachvollziehen. «Es würde diese Tat aber nicht verhindern,
diese Ehrlichkeit gehört auch in die Debatte.»

Bei der Vermeidung von Kriminalität gehe es darum, Gelegenheiten für
Taten zu verringern. Auch das sei hier schwer, die Bahn könne nicht
auf Ticketkontrollen verzichten. Dass härtere Strafen Täter
abschrecken würden, glaubt Kulhanek ebenfalls nicht. 2017 seien zum
Beispiel die Strafen für Angriffe gegen Vollstreckungsbeamte schon
einmal verschärft worden. «Zu weniger Taten hat das nicht geführt.»

BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse

In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.

Jetzt der BKK firmus beitreten



Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK

Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.

Jetzt der TK beitreten





Zur Startseite