Weniger Personen aus forensischen Psychiatrien entwichen
Im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Menschen aus dem
Maßregelvollzug entwichen. Einige davon waren zum Jahresende noch
immer nicht zurück.
Kassel (dpa/lhe) - Aus den forensischen Psychiatrien in Hessen sind
im vergangenen Jahr nur etwa halb so viele Menschen entwichen wie im
Vorjahr. Insgesamt zählten die Vitos Kliniken für forensische
Psychiatrie 16 Patienten, die entwichen, nach 31 im Jahr 2024. Vitos
ist in Hessen für den Maßregelvollzug zuständig. In den Einrichtungen
sind unter hohen Sicherheitsvorkehrungen psychisch kranke und
suchtkranke Menschen untergebracht, die Straftaten begangen haben.
Zehn der Patienten seien im vergangenen Jahr aus einer sogenannten
Dauerbelastungserprobung entwichen, mit der ihre Stabilität und
Belastbarkeit vor einer anstehenden Entlassung überprüft werden soll.
Vier weitere entwichen im Rahmen eines unbegleiteten und einer
während eines begleiteten Ausgangs; eine weitere Person brach aus der
forensischen Psychiatrie in Hadamar bei Limburg aus.
In Hadamar entflohener Patient noch nicht zurück
In dieser Klinik hatte es vor einer guten Woche einen weiteren Fall
gegeben: Während eines Arztbesuchs entfloh ein an den Händen
gefesselter Mann. Auch während einer polizeilichen Fahndung konnte
der 28-Jährige nicht gefunden werden. Zuletzt hieß es am Dienstag von
Vitos, der Mann sei bisher nicht wieder in der Klinik zurück.
Von den im vergangenen Jahr aus allen forensischen Kliniken
entwichenen Personen seien zehn von der Polizei zurückgebracht worden
und die übrigen sechs zum Jahresende noch flüchtig gewesen, hieß es.
Zwei der Rückkehrer waren den Angaben zufolge bereits am gleichen Tag
wieder in den Einrichtungen, vier innerhalb von zwei bis fünf Tagen
und die übrigen vier seien nach mehr als einer Woche wieder zurück
gewesen.
Platzkapazitäten voll ausgeschöpft
Insgesamt standen in den Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie
im vergangenen Jahr 943 Behandlungsplätze zur Behandlung von
Maßregelvollzugspatienten zur Verfügung. Diese Kapazitäten etwas mehr
als voll ausgeschöpft gewesen: Vitos sprach von einer Auslastung von
rund 102 Prozent. «Der Mehrbedarf an Behandlungskapazitäten wurde
durch das Vorhalten von Interimskapazitäten kompensiert.» So seien
durch einen Neubau künftig nicht mehr genutzte Räumlichkeiten noch
etwas länger betrieben worden, sagte ein Vitos-Sprecher.
Vitos arbeite in Hessen gemeinsam mit dem hessischen
Gesundheitsministerium als Fachaufsicht an einer stetigen
Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen und Unterbringungsbedingungen
im Maßregelvollzug, hieß es. Der Maßregelvollzug ziele darauf ab, die
Patienten so zu therapieren, dass sie wieder in die Gesellschaft
eingegliedert werden könnten, ohne erneut straffällig zu werden.
Dabei gebe es je nach therapeutischem Fortschritt verschiedene
sogenannte Lockerungsstufen und Alltagserprobungen. «Das beginnt bei
kleinen Freigängen in geschlossenen Bereichen und geht bis zur
Dauerbeurlaubung zur Entlassungsvorbereitung.»
Patienten mit Lockerungen müssen strenge Regeln einhalten
Die Patienten müssten dabei strenge Regeln einhalten, dürften etwa
gewährte Lockerungszeiten nicht überschreiten, müssten regelmäßig
und
zu bestimmten Zeiten Kontakt mit der Klinik aufnehmen. «Jedes Mal,
wenn Patienten die vorgegebenen Zeiten überschreiten und nicht
innerhalb einer bestimmten Karenzzeit erreichbar sind, wird nach
ihnen gefahndet und man spricht von einer Entweichung.» Dies wird
bereits nach wenigen Minuten angenommen, falls sich die Patienten
nicht an Auflagen halten und nicht erreichbar sind.
Zu solchen Entweichungen komme es in der überwiegenden Zahl der
Fälle, wenn sich Patienten bereits allein außerhalb der Klinik in
Lockerungsmaßnahmen befänden. Ein Ausbruch liege dann vor, wenn die
Patienten technische oder auch personelle Sicherheitsvorkehrungen
innerhalb der geschlossenen Einrichtungen des Maßregelvollzugs
überwinden, um zu entkommen.
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