Zum Facharzt in sechs Wochen - Warken gelobt Besserung Von Basil Wegener, dpa

Patienten müssen oft wochenlang warten, bis sie einen Facharzt zu
Gesicht bekommen. Neue Zahlen alarmieren nicht nur die Hausärzte. Die
zuständige Ministerin gibt ein Versprechen.

Berlin (dpa) - Patientinnen und Patienten müssen immer länger auf
einen Termin beim Facharzt warten. Die Wartezeiten sind nach
aktuellen Zahlen auf sechs Wochen im Schnitt angestiegen. Der Ruf
nach Verbesserungen wird lauter. Bundesgesundheitsministerin Nina
Warken (CDU) verspricht den Versicherten künftig schnellere Termine
bei tatsächlichem Bedarf. «Wenn ein schneller Termin medizinisch
notwendig ist, so soll er auch gewährt werden», sagte Warken in
Berlin.

Nach einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine
Linken-Anfrage betrug bei gesetzlich Versicherten, die mindestens
einen Tag auf einen Facharzttermin gewartet haben, die Wartezeit 2024
durchschnittlich 42 Tage. 2019 waren es erst 33 Tage. Zählt man
Patienten mit Termin am selben Tag dazu, waren im Schnitt noch 36
Tage zu warten. Die Antwort auf Basis einer Versichertenbefragung
liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, die «Rheinische Post» hatte
zuerst berichtet.

Ausgaben für offene Sprechstunden gestiegen

Gleichzeitig sind die jährlichen Kassen-Mehrausgaben für offene
Facharzt-Sprechstunden ohne Termin gestiegen - von rund 291 Millionen
Euro 2020 auf rund 814 Millionen 2023. Der Gesetzgeber hatte immer
wieder Verbesserungen versprochen. So sollte das Terminservice- und
Versorgungsgesetz Patientinnen und Patienten zu schnelleren
Arztterminen verhelfen und die Versorgung verbessern. 

Warken räumte ein: «Die Schaffung von Anreizen für schnellere
Facharzttermine - etwa aus der vergangenen Legislaturperiode - haben
offenkundig nicht zu nachhaltigen Verbesserungen geführt.» Nun seien
deshalb konkrete Strukturveränderungen geplant, «die das Problem von
Grund auf angehen». Konkret solle es mehr Navigation und Steuerung
geben. Denn: «Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind für zu viele
Versicherte ein Problem.»

«Politik doktert herum»

Durch die geplante Reform sollen die Versicherten dann in der Regel
zuerst zum Hausarzt gehen. Der soll bei Bedarf zum Facharzt
überweisen - mit Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
Genaueres ist noch offen. Alltag werden soll die Reform
voraussichtlich 2028. 

Die Chefin des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Nicola
Buhlinger-Göpfarth, forderte eine schnelle Umsetzung. «Seit
Jahrzehnten doktert die Politik an den Symptomen eines zunehmend
überlasteten Gesundheitswesens rum», sagte sie der «Rheinischen
Post».

Patientenschützer: Warken fehlt der Mut

Die Linke-Gesundheitspolitikerin Julia-Christina Stange nannte
bestehende Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere
Termine einen «Rohrkrepierer». Angesichts explodierender die Beiträge

fragten sich die Menschen zurecht, «wessen Interessen hier eigentlich
bedient werden».

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verwies in der «Rheinischen
Post» auf bestehende Gebühren für Hausärzte für die Vermittlung v
on
Facharztterminen. Vorstand Eugen Brysch sagte, die guten Absichten
dahinter seien von der Ärzteschaft torpediert worden. «Nina Warken
ist aufgefordert, die Gelddruckmaschine abzustellen.» Der
Gesundheitsministerin fehle der Mut, die Gebühren zu streichen. Haus-
und Fachärzte könnten weiter Kasse machen.

Hoffen auf Reformen

Martin Krasney, Vorstandsmitglied beim GKV-Spitzenverband, forderte
in der «Rheinischen Post» kürzere Wartezeiten für Facharzttermine u
nd
flexible Öffnungszeiten der Praxen. Konkret verlangte er eine
gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal. Ob jemand
gesetzlich oder privat versichert sei, solle nicht mehr gefragt
werden dürfen, so der Kassenverbandsfunktionär.
Sozialverband-Deutschland-Chefin Michaela Engelmeier sagte zudem dem
«Münchner Merkur» von Ippen-Media: «Wo es sinnvoll ist, sollten
Krankenhäuser für die ambulante Versorgung geöffnet werden.»

Das Problem heute ist laut Buhlinger-Göpfarth: Viele Patienten
schlügen beim Facharzt auf, die dort gar nicht hingehörten. «Das
Motto lautet vielerorts: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Daran sind
nicht die Patientinnen und Patienten schuld, sondern das chaotische
System, in dem jeder auf eigene Faust versuchen muss, sich irgendwie
durchzuschlagen.» Künftig würden durch bessere Steuerung Kapazitäte
n
in Facharztpraxen frei.

Kassenärzte: Meist innerhalb von drei Tagen

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas
Gassen, wies Kritik zurück. «Die allermeisten Termine erfolgen
innerhalb von drei Tagen, Notfälle werden sofort behandelt», sagte
Gassen der «Rheinischen Post». Jeder Siebte bekomme «sogar noch am
selben Tag einen Termin beim Facharzt». Es handele sich um eine
Luxusdiskussion: In fast allen Ländern seien die Wartezeiten
«deutlich länger». Schränke die Politik den finanziellen Spielraum

weiter ein, werde es weniger Termine geben, warnte Gassen.

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