Koffein-Kick: Ist Kaffee ein Wach- und Gesundmacher? Von Ulrike von Leszczynski, dpa
Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken in Deutschland. Nur mit
Blick auf die Gesundheit ist sein Ruf nicht immer der Beste. Was
stimmt im Hinblick auf Koffein - und was nicht?
Berlin (dpa) - Trotz gestiegener Preise schlürft jeder Bundesbürger
im statistischen Mittel rund 164 Liter Kaffee pro Jahr. Das sind nach
Berechnungen des Deutschen Kaffeeverbandes 17 Liter mehr als vor 20
Jahren. Am 8. Februar ist der Tag des Koffeins. Die Substanz ist auch
in anderen Lebensmitteln wie Tee oder Schokolade enthalten. Wie wirkt
sich die tägliche Dosis Genuss auf die Gesundheit aus?
Was ist Koffein und wo steckt es drin?
Koffein ist ein Alkaloid, also eine natürliche stickstoffhaltige
organische Verbindung. Sie lässt sich auch industriell herstellen.
Die Substanz gelangt in größeren Mengen meist über koffeinhaltige
Getränke wie Kaffee, Tee und sogar Kakao in den Körper. Zahlreichen
Lebensmitteln wird nach Angaben des Bundesinstituts für
Risikobewertung (BfR) aber auch Koffein zugesetzt - etwa Backwaren,
Eis, Süßigkeiten, Cola und Energydrinks. Daneben gibt es
Nahrungsergänzungsmittel mit konzentriertem Koffein auf dem Markt.
Koffeinhaltige Lebensmittel können das Herz-Kreislauf-System und das
zentrale Nervensystem in Schwung bringen. Damit erhöhen sich die
Konzentrationsfähigkeit und auch die körperliche Leistungsfähigkeit.
Macht Kaffee wirklich wach?
Das kommt darauf an. Koffein blockiert einen Teil der Andockstellen
für den Botenstoff Adenosin im Gehirn. Normalerweise gibt Adenosin
das folgende Signal an den Körper: Du hast dich angestrengt, mach mal
Pause. Dockt aber stattdessen Koffein an viele dieser Rezeptoren an
und blockiert sie, kommt die Müdigkeitsbotschaft nicht mehr an.
Doch das ist nicht in Stein gemeißelt: Am Forschungszentrum Jülich
haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die anregende Wirkung des
Koffeins nur dann einsetzt, wenn Menschen vorher ein Schlafdefizit
hatten. Und auch dann: Unendlich lässt sich Koffein-Doping nicht
fortsetzen. Eine Studie des Walter Reed Army Instituts in den USA
sieht die Grenze bei vier Tagen Schlafentzug. Danach verpuffte die
Wirkung des Wachmachers.
Wo liegen die Grenzen des guten Geschmacks?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält bis zu 200
Milligramm Koffein als Einzeldosis und 400 Milligramm über den ganzen
Tag verteilt für gesunde Erwachsene für unbedenklich. Das sind gut
vier Tassen Kaffee: Ein Espresso enthält nach Angaben der Behörde
rund 80 Milligramm Koffein, eine Tasse Filterkaffee 90 Milligramm.
Auf diese Dosis bringt es sonst nur eine Dose Energydrink (80
Milligramm). In einer Tasse schwarzem Tee steckt zum Vergleich mit 50
Milligramm fast so viel Koffein wie in einer Dose Cola (40
Milligramm). Eine halbe Tafel Vollmilchschokolade bringt es auf 10
Milligramm, Zartbitterschokolade auf 25 Milligramm. Auch eine Tasse
Kakao kann je nach Sorte zwischen 10 und 25 Milligramm Koffein
enthalten.
Bei den Empfehlungen für gesunde Erwachsene gibt es Ausnahmen: Für
Schwangere und Stillende gilt eine Tagesdosis von 200 Milligramm als
unbedenklich. Für Kinder liegt die Grenze bei rund 3 Milligramm
Koffein pro Kilogramm Körpergewicht.
Ist Koffein eine Droge?
«Koffein ist die weltweit am weitesten verbreitete psychoaktive
Substanz», sagt Andreas Bauer vom Jülicher Institut für
Neurowissenschaften und Medizin. «Sie unterscheidet sich jedoch von
Amphetaminen oder anderen Rauschmitteln dadurch, dass sie auch bei
regelmäßigem Konsum kein signifikantes Suchtpotenzial entfaltet.»
Das heißt aber nicht, dass der Körper unbeeindruckt bleibt: Ein
Koffeinverzicht nach täglichen Kaffeeritualen kann nach Einschätzung
des Bundesinstituts für Risikoforschung Entzugssymptome wie
Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und
Reizbarkeit auslösen. Umgekehrt kann regelmäßiges Kaffeetrinken zu
einer Koffein-Toleranz führen. Das bedeutet, dass bei
gleichbleibender Menge zumindest einige der gewohnten Wirkungen nicht
mehr oder weniger stark auftreten.
Welcher Kaffee-Typ bin ich?
Generell vertragen Menschen Koffein nicht gleich gut. Nach Studien
liegt das an genetischen Unterschieden im Adenosin-Rezeptor. Diese
Andockstellen finden sich nicht allein im Gehirn, sondern auch in
vielen Organen. So kann es sein, dass einige schon nach einer Tasse
Espresso Magenschmerzen, Durchfall oder Herzklopfen bekommen - und
andere sich dagegen wach und wohlfühlen.
Ähnlich individuell ist die Wirkung beim Kaffeegenuss vor dem
Einschlafen. Einige Menschen schnarchen trotz Koffein sofort weg,
andere liegen wach. Für alle aber gilt: Kaffee ab dem Nachmittag
führt zu weniger Tiefschlaf, weil der Abbau von Koffein im Körper
mehr als zwölf Stunden dauern kann.
Was passiert bei einer Überdosis?
In hohen Mengen kann Koffein Nervosität, Schlaflosigkeit,
Schweißausbrüche und Herzrasen verursachen. Bei einem übermäßigen
Koffeinkonsum über einen längeren Zeitraum drohen
Herz-Kreislauf-Probleme. Bis es so weit kommt, muss ein Mensch aber
beispielsweise 25 Tassen Kaffee am Tag trinken. Anders ist das Risiko
bei hochkonzentrierten Koffeinpulvern, bei denen Nutzer die Menge
meist selbst abmessen. 0,2 Gramm Pulver, also grob eine Messerspitze,
entsprechen 0,2 Gramm Koffein. Wer dann irrtümlicherweise ein oder
zwei Teelöffel Pulver einnimmt, riskiert eine lebensbedrohliche
Vergiftung.
Kann Kaffee gegen Krebs helfen?
Die aktuelle Datenlage spricht nach Angaben des Deutschen
Krebsforschungszentrums dafür, dass Kaffee - entgegen vieler
Behauptungen - keinen Krebs verursacht. Kann das Getränk davor
schützen? Forschende wissen bislang nur, dass Kaffee nachweislich das
Risiko für Leberkrebs und Gebärmutterkrebs senkt. Dieser schützende
Effekt hängt allerdings von der täglichen Kaffeemenge ab. Bei
Leberkrebs sind das beispielsweise mindestens drei Tassen Kaffee pro
Tag. Ob Kaffee generell das Krebsrisiko senkt, ist unklar.
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