Cannabis-Hersteller baut Standort in Leuna deutlich aus

Menschen mit Multiple Sklerose, ADHS und anderen Krankheiten
konsumieren teils medizinisches Cannabis, um sich besser zu fühlen.
Der Hersteller Aurora fühlt sich in Sachsen-Anhalt gut aufgehoben.

Leuna (dpa/sa) - Im Chemie-Dreieck im Süden Sachsen-Anhalts finden
nicht nur klassisch chemisch-pharmazeutische Unternehmen gute
Bedingungen vor. «Wir brauchen für unsere Produktion - für Licht,
Bewässerung und Klimatisierung - vor allem zuverlässig Strom, den
bekommen wir hier», sagte der Sprecher des Cannabis-Herstellers
Aurora, Dirk Heitepriem. Das börsennotierte Unternehmen baut seinen
Standort in Leuna derzeit deutlich aus. 

In Zukunft solle «signifikant» mehr sogenanntes Medizinal-Cannabis in
pharmazeutischer Qualität produziert werden, sagte Heitepriem.
Genauere Angaben zur Menge machte er nicht. 

Unterschiedliche Gründe für Konsum von medizinischem Cannabis

Käuferinnen und Käufer der Produkte von Aurora seien grundlegend in
zwei Gruppen zu teilen: Schwerstkranke und jene, die Cannabis seit
der Lockerung des Cannabisgesetzes im Frühjahr 2024 legal zur
«Selbsttherapie» kaufen, so Heitepriem. Der rechtliche Umgang mit dem
Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis ist auch nach der
Gesetzesänderung weiter stark umstritten.

Schwerstkranke Menschen, die medizinisches Cannabis konsumieren, sind
den Angaben nach unter anderem Multiple-Sklerose-Patienten oder
Menschen, die durch andere Erkrankungen chronische Schmerzen haben.
Die Krankenkasse erstattet in solchen Fällen häufig die Kosten für
das sogenannte Medizinal-Cannabis. Unter den Selbstzahlern sind laut
Heitepriem Menschen mit ganz unterschiedliche Krankheitsbilder -
unter anderem Personen mit ADHS, Endometriose oder Parkinson. 

Sachsen-Anhalt bietet Sicherheit für Cannabis-Produktion

Zuletzt waren die Einfuhren von medizinischem Cannabis in Deutschland
stark angestiegen. Zur Verarbeitung importiere Aurora Cannabis aus
Kanada, hieß es. Mit dem Ausbau des Standortes in Leuna wollte das
Unternehmen «die Grundversorgung in Deutschland sichern», so
Heitepriem. In Sachsen-Anhalt habe man schon vor der Änderung des
Cannabisgesetzes die Sicherheit gehabt, eine Produktion aufzubauen,
betonte er. Deshalb glaube man an die Produktionsstätte im Süden
Sachsen-Anhalts.

Aurora hat eigenen Angaben nach 2015 in Kanada seine erste Lizenz für
den Anbau und Verkauf von medizinischem Cannabis erhalten. 2016
exportierte das Unternehmen demnach erstmals Cannabis nach
Deutschland. Die Produktionsstätte für medizinisches Cannabis in
Leuna wurde 2020 zertifiziert. Das Unternehmen hat
Tochtergesellschaften in Frankreich, Polen und Großbritannien.

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