Zahnarzt selbst zahlen? - Grünen-Politiker hält dagegen
Ein CDU-naher Unternehmensverband fordert Einschnitte für gesetzlich
Versicherte etwa beim Zahnarzt. Der Grünen-Gesundheitsexperte hält
nichts davon - und verweist auch auf eine soziale Komponente.
Berlin (dpa) - Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hat einen
Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrates zu Einschnitten für gesetzlich
Krankenversicherte beim Zahnarzt zurückgewiesen. «Zahnmedizin aus der
gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen, ist ein
gesundheitspolitischer Irrweg. Das ist medizinisch falsch, sozial
brandgefährlich und ökonomisch kurzsichtig», sagte Dahmen der
Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zahngesundheit sei kein Luxus,
sondern Voraussetzung für allgemeine Gesundheit. «Wer hier spart,
produziert morgen Herzinfarkte, Diabetes-Komplikationen und schwere
Infektionen und damit explodierende Folgekosten für das
Gesundheitssystem.»
Der CDU-Wirtschaftsrat pocht hingegen auf deutlich weniger
Sozialversicherungsleistungen, wie am Wochenende bekanntgeworden war.
So lasse sich in der Krankenversicherung Verschiedenes «generell gut
privat absichern», heißt es in einem sechsseitigen Papier «Agenda f
ür
die Arbeitnehmer in Deutschland», das der Deutschen Presse-Agentur
vorliegt und über das die «Bild am Sonntag» zuerst berichtet hatte.
Ausdrücklich nannte der CDU-nahe Unternehmerverband etwa
Zahnarztbehandlungen. Diese sollten «nicht länger im Umlageverfahren
den Beitragszahlern zur Last fallen».
Zahnstatus schon heute «Marker sozialer Ungleichheit»
Grünen-Politiker Dahmen sagte dazu: «Eine Privatisierung der
Zahnmedizin spart keinen Euro, sie verschiebt Kosten in die Zukunft
und vervielfacht sie.» Besonders fatal sei die soziale Dimension:
«Der Zahnstatus ist schon heute einer der deutlichsten Marker
sozialer Ungleichheit. Wer Zahngesundheit vom Geldbeutel abhängig
macht, vertieft gesundheitliche Spaltung und treibt langfristig die
Beiträge nach oben.»
Derzeit werden die meisten Maßnahmen zur Verhütung, Früherkennung und
Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten von den
Krankenkassen bezahlt. Wie bei den anderen Versicherungsleistungen
gilt das Umlageprinzip. Die anfallenden Kosten werden durch die
laufenden Beitragseinnahmen gedeckt.
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