Vitamin-D-Ergänzung im Winter: Hype oder sinnvoll? Von Sarah Knorr, dpa
Vitamin D ist wichtig für Knochen und Immunsystem - und wird vor
allem unter dem Einfluss von Sonnenlicht von der Haut gebildet: Doch
was ist mit der Versorgung im Winter, wenn die Sonne schwächelt?
Berlin (dpa) - In den Wintermonaten scheint die Sonne deutlich
schwächer - das verringert die körpereigene Produktion von Vitamin D
in der Haut. Nachhelfen kann man mit Nahrungsergänzungsmitteln, die
Vitamin D enthalten. Ist das nur ein Hype - oder doch sinnvoll?
Einige Antworten:
Wofür braucht man überhaupt Vitamin D?
«Vitamin D regelt den Calcium- und den Phosphat-Stoffwechsel und
fördert dadurch die Härtung des Knochens», erklärt Silke Restemeyer
von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es ist aber auch
an anderen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt, hat Einfluss
auf die Muskelkraft und trägt auch zu einem gut funktionierendem
Immunsystem bei.
Wie kommt der Körper an Vitamin D?
Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der Körper Vitamin D selbst
bilden. Diese Produktion erfolge durch Sonnenlichtbestrahlung der
Haut, erklärt Restemeyer. Das mache rund 80 bis 90 Prozent aus. Dafür
reicht es laut DGE aus, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt je nach
Hauttyp und Jahreszeit für etwa 5 bis 25 Minuten zwei- bis dreimal
die Woche der Sonne auszusetzen.
Auch über einige Nahrungsmittel kann das Vitamin aufgenommen werden.
«Die Vitamin-D-Zufuhr über die Ernährung mit den üblichen
Lebensmitteln hat nur einen relativ geringen Anteil von 10 bis 20
Prozent», sagt die Expertin. Jedoch gebe es nur wenige Lebensmittel,
die Vitamin D in nennenswerten Mengen enthielten. Dazu gehöre etwa
Fisch mit hohem Fettanteil wie Hering oder Makrele.
Für wen ist eine zusätzliche Einnahme sinnvoll?
Für einige Risikogruppen wird empfohlen, Vitamin D einzunehmen -
unter anderem für Babys. «Heute gibt man den Säuglingen regelhaft
Vitamin-D-Tabletten, um die Knochenerweichung zu verhindern», erklärt
Stephan Scharla von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.
Bislang gelte das vor allem für das erste Lebensjahr. Von
Kinderärzten werde diskutiert, ob man die Empfehlung auf das
Kindesalter ausweiten sollte. «Im Grunde müsste man das eigentlich
bis zur Pubertät machen», so Scharla.
Das gelte nicht unbedingt für Kinder, die auf dem Land lebten oder
viel draußen seien. Aber für «Stadtkinder» bis zum 18. Lebensjahr
könnte man im Winter empfehlen, Vitamin-D-Tabletten zur Vorbeugung
einzunehmen, «damit eben das Skelett der Knochen auch gut wachsen und
ausreifen kann», sagt der Endokrinologe. In den USA werde dies
Jugendlichen generell empfohlen. «Vielleicht hängt das auch mit der
modernen Lebensweise zusammen, dass die Jugendlichen heute auch nicht
mehr so viel draußen sind, sondern mehr den Sport am Bildschirm mit
den Fingern betreiben, Gaming und so weiter.»
Was ist mit anderen Gruppen?
Auch für andere Risikogruppen könne eine zusätzliche Aufnahme von
Vitamin D sinnvoll sein, so Scharla. Dazu gehören in Deutschland etwa
Menschen mit dunklerer Hautpigmentierung, da ihre Haut an die höhere
Sonnenbestrahlung in südlichen Breiten angepasst sei. Auch bei
Menschen, die ihre Haut im Freien dauerhaft bedecken - etwa wegen
Hauterkrankungen oder aus religiösen Gründen - ist die körpereigene
Vitamin-D-Bildung vermindert.
Zudem werde älteren Menschen eine Vitamin-D-Supplementierung
insbesondere im Winter empfohlen, da die Haut im Alter nicht mehr so
gut Vitamin D bilden könne. Auch bei Menschen, die eine
Knochenerkrankung wie Osteoporose haben, sei die Einnahme von Vitamin
D ratsam.
Wie viel Vitamin D braucht man?
Als Schätzwert für eine angemessene tägliche Vitamin-D-Zufuhr nennt
die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Menschen ab einem Jahr 20
Mikrogramm - entsprechend 800 internationalen Einheiten. Dieser Wert
gilt bei fehlender körpereigener Bildung - also unter der Annahme,
dass kein Vitamin D in der Haut gebildet wird.
Es sei jedoch von Mensch zu Mensch jedoch unterschiedlich, wie viel
Vitamin D der Körper bildet, heißt es vom Bundesinstitut für
Risikobewertung (BfR). Die Bildung hängt von vielen Faktoren ab:
Breitengrad, Tages- und Jahreszeit, Witterung, Kleidung,
Aufenthaltsdauer im Freien sowie Hauttyp.
Was ist im Winter?
«Im Gegensatz zu den Sommermonaten von April bis September ist in den
Monaten von Oktober bis März die Sonnenbestrahlung in Deutschland
nicht stark genug, um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung zu
gewährleisten», erklärt Restemeyer. Vitamin D kann aber im Körper
gespeichert werden - und diese Speicher tragen zur Versorgung im
Winter bei. «In den Wintermonaten reduziert der Körper die Speicher,
und die können dann ab dem Frühjahr wieder aufgefüllt werden.»
Für die gesunde Allgemeinbevölkerung gibt es keine generelle
Empfehlung, im Winter zusätzlich Vitamin D in Form von
Nahrungsergänzungsmitteln einzunehmen. Und: «Personen mit einem
angemessenen Vitamin-D-Status haben in der Regel keinen zusätzlichen
Nutzen durch die Einnahme von Vitamin D», heißt es vom BfR.
«Der neue Konsensus international ist, dass gesunde Erwachsene
eigentlich keine Vitamin-D-Tabletten brauchen», sagt auch
Endokrinologe Scharla. Viele große Studien der letzten Jahre hätten
gezeigt, dass die Einnahme solcher Tabletten nachweisbare Effekte
weder auf die Knochen noch auf das Herzgefäßsystem oder auf das
Krebsrisiko habe.
Wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?
Wer den Verdacht hat, einen Vitamin-D-Mangel zu haben, kann dies bei
einem Arzt oder Ärztin überprüfen lassen. «Wenn man merkt, ich bin
schwach und müde und fühle mich nicht gut. Das sollte man auf jeden
Fall abklären lassen», so Scharla. «Das kann ein Vitamin-D-Mangel
sein, aber es kann natürlich auch andere Ursachen haben, die anders
behandelt werden müssen».
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