Krebs durch Impfung: Was hinter dieser Falschmeldung steckt Von Marc Fleischmann, dpa

Impfgegner sind auch nach der Corona-Pandemie in sozialen Netzwerken
unterwegs. Sie warnen vor angeblich schwersten Nebenwirkungen und
sprechen von «Turbokrebs». Wie belastbar sind diese Behauptungen?

Berlin (dpa) - Insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie kursieren
Behauptungen, Impfstoffe könnten schwere Erkrankungen verursachen. In
sozialen Netzwerken wird vor angeblichem «Turbokrebs» gewarnt und
aktuell eine Studie verbreitet, die einen Zusammenhang zwischen
Covid-19-Impfungen und bestimmten Tumoren herstellen soll. Ein
Faktencheck zur Einordnung anlässlich des Weltkrebstages am Mittwoch
(4. Februar).

Auf die Frage, ob Impfungen aktuell mit schweren Erkrankungen wie
Krebs in Zusammenhang stehen, antwortet der Dortmunder Immunologe
Carsten Watzl mit einem deutlichen «Nein». Die Ursache der Behauptung
- gerade bei Corona-Impfungen - gehe auf die Technologie der Vakzine
zurück, erklärt er. 

Weil diese auf der genetischen Information des Virus basieren, sei
die Theorie aufgekommen, dass sich diese Erbinformation in das Genom
menschlicher Zellen integrieren werde, erläutert Watzl. Das führt
nach Ansicht der Impfgegner zu Mutationen, die diese Zellen angeblich
zu Krebszellen machten. Obwohl es früh Erklärungsansätze gab,
brauchte es dem Immunologen zufolge erst «gut gemachte
epidemiologische Studien, die dies widerlegen».

Krebs durch Corona-Impfung? Studie interpretiert falsch

Frischen Wind in die Segel der Impfgegner brachte jüngst eine Studie:
Die in der Fachzeitschrift «Biomarker Research» veröffentlichte
Arbeit untersuchte Krebsdiagnosen an Prostata, Lunge oder Schilddrüse
bei geimpften und ungeimpften Personen in Südkorea. Die Studie zeigt
eine statistische Verbindung zwischen Impfung und Krebsdiagnosen. Das
bedeutet aber nicht, dass die Impfung die Ursache ist. Zudem wurde
bereits im Herbst 2025 eine Warnung hinzugefügt, die Ergebnisse der
Studie auf methodische Mängel hin zu überprüfen.

«Geimpfte Personen sind eher älter und haben Vorerkrankungen»,
erklärt Immunologe Watzl. Damit gehe generell ein erhöhtes
Krebsrisiko einher. Wenn es zu häufigeren Arztbesuchen und
Vorsorgeuntersuchungen kommt, werden mögliche Erkrankungen wie Krebs
früher entdeckt. Das erklärt, warum in den Daten der Studie mehr
Diagnosen bei geimpften Personen auftauchen. Diese wurden jedoch
nicht durch die Impfung ausgelöst, sondern lediglich früher erkannt.
Die Autoren der Studie erwähnen diesen Effekt selbst. Die
südkoreanische Studie wurde von Fachleuten weltweit kritisch
bewertet.

Watzl verweist auf eine andere Studie aus Frankreich, bei der
geimpfte und ungeimpfte Personen besser vergleichbar waren. Resultat:
Die krebsbedingten Todesfälle in der Gruppe der Geimpften waren nicht
erhöht.

Medizinische Fehlinformationen: Wer will was bezwecken? 

Wer hinter solchen Behauptungen steckt und was die Verbreiter damit
bezwecken wollen, beantwortet der Hamburger Rechtsanwalt Jan-Henning
Steeneck in seiner Doktorarbeit «Medizinische Fehlinformationen in
den sozialen Medien» (2025). Als Verfasser der Mythen identifiziert
der Jurist überwiegend Gesundheitslaien und Amateure, die Inhalte
ohne medizinische Qualifikation und redaktionelle Standards
erstellen. Steeneck bezeichnet sie als «neue Akteure der
Wissenschaftskommunikation». Sie organisieren sich in sozialen
Netzwerken.

Als weitere Quellen kommen demnach ehemalige Experten und Ärzte
infrage, die durch ihren formalen wissenschaftlichen Hintergrund den
Mythen eine scheinbare Legitimität verliehen. Prominente und
Politiker nutzten ihre Reichweite, um solche Narrative zu verstärken,
erklärt Steeneck. Multiplikatoren teilten diese Inhalte im Netz und
würden damit selbst zu Produzenten.

Der Autor sieht unterschiedliche Gründe dafür, warum solche Inhalte
verbreitet werden. Nicht immer stehen böse Absichten dahinter. Ein
erheblicher Teil wie etwa Eltern in privaten Chatgruppen würden die
Informationen selbst für wahr halten und aus einer fehlgeleiteten
Sorge oder dem Wunsch zu helfen handeln. Dazu kommen Steeneck zufolge
Akteure und Akteurinnen, die mit der Verbreitung von
Fehlinformationen Geld verdienen oder ideologische und politische
Ziele verfolgen, um das Vertrauen in Regierungen, Behörden oder die
Wissenschaft zu untergraben.

 «Turbokrebs»-Mythos macht immer wieder die Runde

Um vor einem Zusammenhang zwischen Corona-Impfungen und einem
angeblich stark erhöhten Krebsrisiko zu warnen, ist in sozialen
Netzwerken immer wieder von «Turbokrebs» die Rede. Seit Jahren in
impfkritischen Kreisen verwendet, sollen aggressivere Tumorarten
gemeint sein, die sich angeblich schneller ausbreiten sollen als
bisher bekannt.

Das ist falsch. Der Begriff ist kein medizinisch anerkannter
Fachausdruck. Weder medizinische Fachgesellschaften noch staatlichen
Institutionen verwenden «Turbokrebs» im Kontext der Krankheit. Die
Wortkreation wurde nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur von
einem Rechtsanwalt geprägt.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
(DGHO) etwa hatte bereits in der Corona-Pandemie keinen Anstieg von
Tumorbefunden infolge der Impfung beobachten können. Auch Ende Januar
2026 finden sich auf der DGHO-Webseite keine Einträge zum Suchbegriff
«Turbokrebs». 

Immunologe Watzl verweist auf das Jahr 2021, in dem mehr als 60
Millionen Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft wurden. Danach
seien «die Krebsraten nicht in die Höhe geschnellt». Das Robert
Koch-Institut (RKI) erklärt, dass es auch nach der Verabreichung von
Milliarden Dosen weltweit keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt,
dass Impfstoffe Krebs auslösen.

Einige Impfungen haben gar einen gegenteiligen Effekt: Sie schützen
laut RKI vor Infektionen, die Krebs verursachen können. Die
HPV-Impfung könne auf diesem Weg unter anderem die Entwicklung von
Gebärmutterhalskrebs und die Hepatitis-B-Impfung das Entstehen von
Leberkrebs verhindern.

BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse

In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.

Jetzt der BKK firmus beitreten



Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK

Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.

Jetzt der TK beitreten





Zur Startseite