Auftakt für die Zuerst-zum-Hausarzt-Reform Von Sascha Meyer, dpa

Der Zugang zu Fachärzten soll neu organisiert werden. Erklärte Ziele:
Kürzeres Warten auf Termine und eine effizientere Versorgung in
Zeiten steigender Gesundheitskosten. Es wird eine Großoperation.

Berlin (dpa) - Wie schnell kann man zur Orthopädin oder zum Hautarzt
gehen? Häufig müssen Kassenpatienten darauf wochenlang warten. Für
verlässlichere Termine bei Fachärztinnen und Fachärzten soll nach
Plänen der schwarz-roten Koalition künftig eine gezieltere
Patientensteuerung sorgen. Und zwar nach der Maxime: in der Regel
erst einmal in die Hausarztpraxis. Gesundheitsministerin Nina Warken
(CDU) lädt am Dienstag zum Auftakt für einen Dialog mit den Akteuren
von Ärztevertretern bis zu den Krankenkassen. Die oppositionellen
Grünen sehen ein großes Potenzial, warnen aber vor neuen
Überlastungen.

Das Modell

Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag ein verbindliches
Primärarztsystem einführen, bei dem man primär - also zuerst - in
eine Hausarztpraxis geht. Diese überweist dann bei Bedarf und mit
einem Termin in einem bestimmten Zeitraum an Fachärztinnen und
Fachärzte. Klappt das nicht in einer Praxis, soll man auch zu
Fachärzten in eine Klinik gehen können. Das soll eine
«Termingarantie» darstellen. Bei Kindern sollen Kinderärzte die erste

Anlaufstelle sein. Ziel ist eine effizientere Versorgung auch mit
weniger unnötigen Mehrfachuntersuchungen. 

Die Details

Wie genau das System ausgestaltet wird, ist noch offen. Warken will
dazu jetzt zunächst einen Fachdialog starten. Laut Koalitionsvertrag
sollen Termine bei Frauen- und Augenärzten vom
Erst-zum-Hausarzt-Prinzip ausgenommen sein. Für Patienten mit
bestimmten schweren chronischen Erkrankungen sollen «geeignete
Lösungen» kommen - zum Beispiel Jahresüberweisungen oder dass ein
Fachinternist die Rolle als steuernder Primärarzt übernehmen kann. 

Die Großoperation

Der geplante Umbau gehört zu den Großprojekten dieser Wahlperiode,
und es ist ein Eingriff in ein komplexes System: 578 Millionen
Behandlungsfälle und eine Milliarde Kontakte von Patienten zu Fach-
und Hausärzten gibt es nach Daten der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung pro Jahr in den bundesweit 98.500 Praxen. Warken
peilt im Sommer einen ersten Referentenentwurf für ein Gesetz an.
«Greifen wird die Primärversorgung aber erst im Laufe des Jahres
2028», erläuterte sie in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Die Steuerungsinstrumente 

Grundsätzlich gilt in Deutschland freie Arztwahl, und die soll nicht
abgeschafft werden. Viele gehen auch schon jetzt zuerst zum Hausarzt
und dann mit einer Überweisung weiter zur Folgebehandlung oder
tiefergehenden Untersuchung bei Spezialisten. Generell verpflichtend
sind Überweisungen aber nicht, sondern nur für bestimmte Fachärzte
wie Radiologen. Damit ein neues System Anklang findet, sind auch
schon Instrumente im Gespräch: etwa ein Bonus, wenn man sich daran
hält oder eine Gebühr, wenn man doch direkt zum Facharzt geht. 

Die digitale Voreinschätzung

Kommen soll auch eine Art Lotsen-Stelle, bevor Patienten sich
überhaupt auf den Weg zur Praxis machen. Laut Koalitionsvertrag soll
«die flächendeckende Möglichkeit einer strukturierten
Ersteinschätzung über digitale Wege in Verbindung mit Telemedizin»
geschaffen werden. Ideen gibt es bereits. Der Spitzenverband der
gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) schlug vor, dass man etwa
bei einer Kassen-App seine Beschwerden eingibt und erfährt, ob ein
Arztbesuch nötig ist oder eine Apotheke helfen könnte. Dazu gehören
sollte demnach auch eine neutrale Plattform mit verfügbaren
Praxisterminen.

Die Anforderungen

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte, ein gut gemachtes
Primärsystem sei überfällig, denn es könne die Versorgung spürbar

verbessern. Es brauche aber ein System, das Haus- und
Kinderarztpraxen nachhaltig stärke, statt sie zu überlasten. «Weder
eine Termin-App allein noch eine bloße Pflicht ohne Entlastung bringt
bessere Versorgung.» Sonst würden Hausärzte zu «Türstehern und
bürokratischen Überweisungsstellen». Warteschlangen und Frust wären

die Folge. Nötig seien aber mehr Zeit und mehr Teamversorgung.

BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse

In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.

Jetzt der BKK firmus beitreten



Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK

Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.

Jetzt der TK beitreten





Zur Startseite