Dialog zur Reform für Facharzttermine startet
Hausärzte sollen zur verbindlichen ersten Anlaufstelle für
Patientinnen und Patienten werden und sie auch schneller zu
Fachärztinnen und Fachärzten lotsen. Vorbereitungen für die Reform
laufen nun an.
Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) startet
am Dienstag einen Dialog zur geplanten Reform für einen gezielteren
Zugang zu Facharztterminen. Das Treffen in Berlin soll den Auftakt
für einen Austausch unter anderem mit Vertretern von Ärzten und
Krankenkassen bilden. Union und SPD wollen ein verbindliches System
einführen, bei dem Patientinnen und Patienten primär in eine
Hausarztpraxis gehen, die sie bei Bedarf - und mit einem Termin in
einem bestimmten Zeitraum - an Fachärzte überweist.
Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der Deutschen
Presse-Agentur, ein gut gemachtes Primärsystem sei überfällig.
«Patientinnen und Patienten kommen schneller und sicherer zur
richtigen Behandlung und werden besser vor gefährlicher Über- und
Fehlversorgung geschützt.» Nötig sei aber ein System, das Haus- und
Kinderarztpraxen nachhaltig stärke, statt sie zu überlasten - etwa
mit mehr Zeit durch Vorhaltepauschalen statt Quartalslogik und mehr
Teamversorgung in den Praxen statt starrer Zuständigkeitsgrenzen.
«Orientierung im Dschungel des Systems»
«Rund 95 Prozent der Menschen haben heute bereits eine hausärztliche
Anbindung, und etwa 90 Prozent der Anliegen lassen sich dort
fachgerecht und abschließend lösen», erläuterte Dahmen. «Steuerun
g
wird vor allem bei den übrigen Fällen gebraucht, dann aber schnell
und zielgenau.» Langjährige Auswertungen zeigten zudem: «Gute
hausärztliche Koordination kann unkoordinierte Facharztkontakte
nahezu halbieren, die Notfallversorgung messbar entlasten und bei
chronisch Erkrankten tausende schwere Komplikationen wie Herzinfarkte
oder Schlaganfälle vermeiden.»
Der Grünen-Politiker forderte: «Ministerin Warken muss nun liefern.»
Klar sei, dass eine bloße Pflicht ohne Entlastung keine bessere
Versorgung bringe. «Im Gegenteil: Dann werden Hausarztpraxen zu
Türstehern und bürokratischen Überweisungsstellen, Warteschlangen und
Frust wären die Folge.» Die Reform sei seit Monaten angekündigt, es
brauche jetzt einen konkreten Gesetzentwurf. «Die Menschen müssen
sich darauf verlassen können, dass sie im Dschungel des Systems
wieder verlässliche Orientierung bekommen.»
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