Vogelgrippe bei Kuh in den Niederlanden - Was bedeutet das?
Erstmals wird das Vogelgrippe-Virus bei einer Kuh außerhalb der USA
nachgewiesen - in den Niederlanden. Was bedeutet das für Verbraucher
und Betriebe in Europa?
Den Haag/Greifswald (dpa) - Das Vogelgrippe-Virus ist in den
Niederlanden und damit erstmals außerhalb der USA bei einer Kuh
nachgewiesen worden. In der Milch des Tieres wurden Antikörper gegen
den Erreger H5N1 gefunden, wie aus einem Schreiben der
niederländischen Agrarministerin an das Parlament hervorgeht. Nach
Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald ist
bislang kein anderer solcher Nachweis weltweit bekannt.
Besteht Gefahr für Menschen durch die Milch des Tieres?
Das Vogelgrippe-Virus wird bei Kühen hauptsächlich über die Milch
ausgeschieden. Ein Risiko gab es dennoch nicht: Die Milch der
erkrankten Kuh sei wegen ihrer gesundheitlichen Probleme nicht
verarbeitet worden, hieß es vom Ministerium. Kommerzielle
Milchprodukte gelten ohnehin als sicher, da Hitze und Pasteurisierung
das Virus eliminieren. Vom Verzehr von Rohmilch wurde im Zuge des
Vogelgrippe-Ausbruchs unter Milchkühen in den USA deutlich abgeraten.
Wie wurde die Erkrankung entdeckt?
Dem Bericht der Ministerin zufolge war auf dem Hof in der
niederländischen Provinz Friesland am 26. Dezember eine Katze
gestorben, bei ihr wurde eine H5N1-Infektion nachgewiesen. Am 15.
Januar wurden die Milchkühe des Betriebs untersucht. Symptome hatte
zu diesem Zeitpunkt keines der Tiere. In den Proben fanden sich bei
einer Kuh Antikörper gegen die Vogelgrippe H5N1.
Antikörper entstehen während einer Infektion durch die Immunantwort
des Körpers. Die Kuh hatte dem Bericht zufolge im Dezember eine
Euterentzündung und Atemprobleme gehabt - typische Symptome bei einer
Milchkuh mit Vogelgrippe. Weitere am 22. Januar genommene Proben von
anderen Kühen des Hofes blieben unauffällig.
Es gebe keinen Hinweis auf eine aktive Virusverbreitung der
Vogelgrippe unter den Milchkühen des Betriebs, hieß es. Für fünf
Proben wurden allerdings Nachtests angeordnet.
Was bedeutet der Fall?
Weltweit gibt es Experten zufolge etwa 1,5 Milliarden Rinder. Trotz
des weltweiten Handels mit Tieren und Lebensmitteln waren
H5N1-Infektionen bisher nur von Kühen in den USA bekannt. Wie sich
die Katze und die Kuh in den Niederlanden angesteckt haben, war
zunächst unklar. Laut FLI könnte der Erreger durch Kontakt mit
infizierten Vögeln weitergegeben worden sein, oder über
kontaminierten Kot, Futter, Wasser oder Melkgeschirr.
FLI-Vizepräsident Martin Beer hatte im Herbst von einer gewaltigen,
aber kaum erkennbaren Infektionswelle bei Wildvögeln in Europa
gesprochen. Tests bei Wildenten etwa in Holland zeigten demnach, dass
bis zu 25 Prozent betroffen waren. Aufgrund der Ausbrüche in den
Vorjahren gibt es in vielen Wildvogelbeständen eine ausgeprägte
Immunität: Die Vögel stecken sich an, erkranken und sterben aber
weitaus seltener. Unter anderem über den Kot infizierter Tiere wird
das Virus weiterhin verteilt. In von Ausbrüchen betroffenen
Geflügelbetrieben wurden zudem im Herbst hunderttausende Tiere
vorsorglich getötet.
H5N1-Ausbrüche unter Kühen wären eine extreme Herausforderung für d
ie
ohnehin schon von Krankheiten wie der Blauzungenkrankheit geplagten
Milchvieh-Betriebe. Milch H5N1-infizierter Kühe dürfte in Europa
nicht verkauft werden. Ohnehin ist die Milchproduktion bei erkrankten
Tieren vermindert, die Milch selbst dickflüssig und verfärbt. Die
meisten Milchkühe erholen sich von der Erkrankung.
Rinder sind Beer zufolge neben dem Menschen die einzigen bekannten
Lebewesen, bei denen das Virus nicht vor allem das Gehirn betrifft:
Bei Milchkühen sei das Euter, beim Menschen Augen und Atemwege
betroffen.
Wie ist die Lage in den USA?
In den USA waren im März 2024 erstmals mit Vogelgrippe infizierte
Milchkühe entdeckt worden - erste Tiere waren aber wohl schon im
Herbst 2023 erkrankt. Rasch waren hunderte weitere Betriebe
betroffen, es folgten Nachweise bei Haustieren wie Katzen und
dutzenden Menschen, meist Farmarbeiter oder Tierärzte. Experten
schätzen die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle als sehr hoch ein.
In Deutschland wäre intensiv versucht worden, das Geschehen zu
stoppen - in den USA seien derlei Maßnahmen kaum zu erkennen gewesen,
hatte Beer einmal erklärt. Experten gehen davon aus, dass ein großer
Teil der US-Betriebe inzwischen durchgeseucht ist.
Gibt es die Vogelgrippe überall auf der Welt?
Das australische Festland ist der letzte Kontinent, der bisher noch
als frei von der Vogelgrippe gilt. Würden die Vogelpopulationen dort
über Zugvögel mit dem ihrem Immunsystem völlig unbekannten Erreger
konfrontiert, wären die Folgen furchtbar. Dass der Kontinent
langfristig verschont bleibt, halten Experten allerdings für höchst
unwahrscheinlich.
Virusfrei war lange Zeit auch die antarktische Region. Im Oktober
2023 wurde H5N1 dann aber auf der kleinen, Südgeorgien vorgelagerten
Insel Bird Island nachgewiesen. Im Februar 2024 wurde H5N1 erstmals
auf dem antarktischen Festland festgestellt.
In die antarktische Region wiederum gelangte H5N1 von Südamerika aus,
wohin es Ende 2022 vorgedrungen war. In den Jahrzehnten davor war
Südamerika stets vogelgrippefrei geblieben. In Nordamerika hatte es
2015 erste Vogelgrippe-Nachweise gegeben.
Europa sucht das aus Asien stammende Virus schon viele Jahre länger
heim. Allerdings gibt es erst seit 2021 das ganze Jahr hindurch
Infektionen, davor trat der Erreger fast nur in Zusammenhang mit dem
Vogelzug in der kalten Jahreszeit auf.
Tests bei Milchkühen hierzulande blieben bisher immer unauffällig.
Zahlreiche Nachweise gibt es aber unter anderem bei Füchsen,
Marderhunden, Dachsen und anderen wildlebenden Fleischfressern.
Welche Entwicklung gibt es?
Die Zahl der Ausbrüche von Vogelgrippe bei Säugetieren stieg im Jahr
2024 deutlich. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) schrieb
in ihrem Bericht von 1.022 gemeldeten Fällen - im Vergleich zu 459 im
Jahr 2023. Das Risiko dafür, dass Menschen sich anstecken, bleibe
zwar gering, hieß es von der Organisation. Je mehr Säugetiere
betroffen seien, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass
das Virus sich so anpasse, dass es von Säugetier zu Säugetier und
womöglich auch auf den Menschen übertragen werden könne.
Das Virus H5N1 wurde schon bei sehr vielen Säugetier-Arten gefunden.
Neben Kühen und Katzen waren verschiedene Raubtierarten von Nerz,
Fuchs und Bär bis hin zu Seehunden und Kegelrobben betroffen. Auch
bei einem Schaf in Großbritannien wurde H5N1 schon nachgewiesen.
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