Homeoffice im Winter: mehr Gemütlichkeit, weniger Kontakte Von Kathrin Zeilmann, dpa
Homeoffice schützt im Winter vor glatten Wegen und hustenden
Kollegen. Wichtige andere Faktoren für die Gesundheit können aber auf
der Strecke bleiben, warnen Experten.
Berlin (dpa) - Nicht rausmüssen bei Kälte, Eis und Schnee, keine
Viren im Großraumbüro abbekommen - andererseits fehlen gerade in der
dunklen Jahreszeit soziale Kontakte und Tageslicht: Seit der Pandemie
hat es sich in vielen Berufen etabliert, zumindest einen Teil seiner
Arbeitszeit in den heimischen vier Wänden, also im Homeoffice,
abzuleisten. In der kalten und düsteren Jahreszeit zeigen sich ein
paar spezielle Vor- und Nachteile.
Glatteis, Schneefall, Minusgrade - daheim ist's viel gemütlicher
Gerade in den vergangenen Wochen zeigte sich: Manchmal ist es einfach
ungefährlicher, am Morgen nicht die Wohnung verlassen zu müssen. Der
Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Glätte, Eisregen, Schneefall
und den damit verbundenen Gefahren. Das Auto stehen lassen, nicht auf
glatten Gehwegen zur Haltestelle von Bus oder Bahn eilen - hier ist
das Homeoffice klar im Vorteil. Es ist zweifellos angenehmer, vom
Frühstückstisch aus ohne Umwege direkt an den heimischen Schreibtisch
wechseln zu können, während draußen der Wintersturm tobt oder
Eisregen fällt.
Hatschi! Weniger Gefahren durch Viren und Bakterien
Die Kollegin am Schreibtisch gegenüber hustet und schnieft? Der
Kollege in der Teeküche erzählt von den Kindern, die daheim einen
Magen-Darm-Infekt auskurieren? Der Empfang ist unbesetzt, weil die
Grippe unter der Kollegenschaft grassiert? Eine Wohltat, im
Homeoffice zu sitzen, wo höchstens die eigene Familie Viren und
Bakterien einschleppt. Doch die Sache ist komplexer: «Korrekt ist,
dass durch Kontaktreduzierung das Ansteckungsrisiko gesenkt wird»,
sagt die Medizinerin Vera Stich-Kreitner, Präsidiumsmitglied im
Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW).
Es sei aber unwahrscheinlich, eine Grippewelle durch Homeoffice
ausbremsen zu können, denn es gebe ja viele weitere
Ansteckungsquellen. «Hier gilt wie immer, mit Augenmaß zu handeln.»
Eine Maßnahme könne es sein, dass Beschäftigte mit
Erkältungssymptomen von zu Hause aus arbeiten, dann könne der Rest
gefahrlos ins Büro.
Experte Nils Backhaus von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) sagt: Untersuchungen aus der Pandemie zeigten
sehr deutlich, dass die Zirkulation von Viren gebremst werde, wenn
Menschen im Homeoffice arbeiten. «Deshalb hat das Homeoffice schon
Vorteile in der Erkältungszeit, wenn man nicht mit vielen Menschen
bei trockener Heizungsluft in einem Raum verbringt.» Infektwellen
ließen sich abschwächen - ein Allheilmittel sei das Homeoffice aber
nicht.
Es fehlt an sozialen Kontakten
Der kleine Ratsch beim Kaffeeholen, die spontane Verabredung zur
gemeinsamen Mittagspause: Die soziale Interaktion fehlt, wenn man
tagaus, tagein nur allein am heimischen Schreibtisch sitzt. In der
dunklen Jahreszeit, wenn man auch in der Freizeit weniger draußen
unterwegs ist, macht sich das Fehlen sozialer Kontakte im Homeoffice
womöglich noch schmerzhafter bemerkbar. «Die Reduktion sozialer
Kontakte ist auf jeden Fall ein ernstzunehmendes Thema», sagt
Stich-Kreitner. Als Beispiel nennt sie auch die Entfremdung vom Team
mit Risiken für die psychische Gesundheit.
Daher hätten manche Firmen die Beschäftigten wieder zurück ins Büro
gerufen, zudem habe sich in vielen Unternehmen das hybride Arbeiten
etabliert. Die Arbeitszeit wird hierbei teils im Homeoffice, teils im
Büro verbracht. «Dieses Modell kombiniert die Vorteile des Homeoffice
wie den Wegfall von Arbeitswegen und die bessere Vereinbarkeit von
Beruf und Familie mit den Vorteilen des Arbeitens in Präsenz im Büro
wie Teamarbeit, soziale Kontakte, Nähe zur Führungskraft», sagt die
Medizinerin.
Kaum Tageslicht, kaum frische Luft?
«Wenn man morgens bei Schnee, Kälte oder Eisglätte nicht raus muss,
wird das natürlich gerne als Entlastung gesehen», sagt BAuA-Experte
Backhaus. Andererseits: Es fehle die Bewegung, das Tageslicht.
Deshalb sei es wichtig, im Homeoffice bewusst Pausen einzubauen, etwa
mittags rauszugehen für einen kurzen Spaziergang. Der Arbeitsplatz
solle, wenn möglich, am Fenster sein, so dass man nicht im Dunkeln
oder Dämmerlicht arbeiten müsse. Empfehlenswert seien auch
regelmäßiges Lüften und Bewegungs- oder Dehnpausen.
Stich-Kreitner rät: «Auch im Homeoffice sollten wie im Büro Pausen
eingehalten und idealerweise mit Bewegungseinheiten angereichert
werden.» Ein Spaziergang in der Mittagspause lasse sich im Homeoffice
gut in den Tagesablauf integrieren. «Aber auch zu Hause sollte man
sich angewöhnen, Bewegung einzubauen, Treppensteigen, sofern
vorhanden, kleine Gymnastikeinheiten, im Stehen beziehungsweise Gehen
telefonieren.»
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