Drohender Engpass bei Antibiotika - Sonderregeln

Nachschubprobleme bei Medikamenten kommen öfter vor, und meist lassen
sie sich direkt ausgleichen. Bei bestimmten Präparaten ist die Lage
jetzt schwieriger - und das Ministerium wird aktiv.

Berlin (dpa) - Wegen drohender kritischer Lieferengpässe bei
bestimmten Antibiotika greifen für sie jetzt Sonderregeln zum Sichern
der Versorgung. Das Bundesgesundheitsministerium gab bei
Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin, die
gespritzt werden, einen Versorgungsmangel bekannt. Diese Feststellung
erlaubt nun befristet Abweichungen von Vorgaben, um ein leichteres
Ausweichen auf importierte Produkte zu ermöglichen.

Konkret geht es um Antibiotika, die etwa zur Langzeitbehandlung von
Streptokokken-Infektionen angewendet werden, um rheumatische
Herzentzündungen zu verhindern, wie das Ministerium auf Anfrage
erläuterte. Eine einmalige Injektion sei auch Standard in der
Therapie von Syphilis. Zwar gebe es jeweils therapeutische
Alternativen. Sie seien aber in der Wirksamkeit häufig unterlegen,
weshalb die nun betroffenen Depot-Penicilline besonders bei einem
hohen Risiko für Rückfälle oder in der Vorbeugung unverzichtbar
seien.

Restbestände bald aufgebraucht

Aufgrund aktueller Informationen, dass noch vorhandene Bestände in
absehbarer Zeit vollständig aufgebraucht sein werden, seien nun die
Voraussetzungen eines Versorgungsmangels eingetreten, sagte eine
Sprecherin des Ministeriums. Mit der Bekanntgabe könnten jetzt etwa
Präparate aus dem Ausland eingesetzt werden, die keine deutschen
Kennzeichnungen haben. So könne nach Verkauf des Restbestandes die
Versorgung gewährleistet werden.

Dem Ministerium lagen demnach seit dem vergangenen Sommer
Informationen zu einem absehbaren Einbruch der Verfügbarkeit des
einzigen in Deutschland zugelassenen Präparats ab dem ersten Quartal
2026 vor. Grund dafür sei die Verzögerung von Umstellungen in der
Produktion. Der Zulassungsinhaber habe daher vorsorglich einen
Überbrückungsbestand mit absehbarer Reichweite bis zum ersten Quartal
2026 angelegt. 

Zeitweise Lieferengpässe kommen häufiger vor 

Die aktuelle unmittelbare Bekanntmachung des Versorgungsmangels sei
also Ergebnis eines gut funktionierenden Lieferengpassmanagements,
erläuterte das Ministerium. Auf Basis frühzeitiger und transparenter
Informationen aller Beteiligten könne eine kontinuierliche Versorgung
sichergestellt werden.

Ein Versorgungsmangel geht über häufiger auftretende Engpässe hinaus.

Als ein Lieferengpass gilt eine mehr als zwei Wochen lange
Unterbrechung einer üblichen Auslieferungsmenge, wie das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte allgemein
erläuterte. Dann sind in der Regel auch andere wirkstoffgleiche
Mittel lieferbar. Derzeit gibt es nach amtlichen Daten rund 550
Lieferengpassmeldungen - bei insgesamt 100.000 zugelassenen
Arzneimitteln.

Allgemeine Arznei-Versorgung «überwiegend stabil» 

Eine kritischere Liefersituation gibt es bereits bei den
Antibiotika-Wirkstoffen Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und
Erythromycin. Das Ministerium hatte dazu ebenfalls einen
Versorgungsmangel festgestellt. Solche Fälle sind generell selten.
Seit 2015 kam dies nach amtlichen Angaben weniger als 20 Mal vor.

Allgemein stelle sich die Versorgungslage mit Arzneimitteln derzeit
überwiegend als stabil dar, erklärte das Ministerium. Insbesondere
bei Kindermedikamenten wie Fiebersenkern habe sich die Versorgung
weiter verbessert und sei sehr stabil.

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