Bundesinstitut: Kühlstoffe in E-Zigaretten sind schädlich

Kühlend und erfrischend sollen «Cooling Agents» in E-Zigaretten
wirken. Das zuständige Bundesinstitut rät zum Verzicht: Die
Substanzen könnten Organen wie Niere und Leber schaden.

Berlin (dpa) - Die in E-Zigaretten verwendeten Kühlstoffe können dem
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge der Gesundheit
schaden. Alle bisher geprüften Kühlstoffe können demnach unter
anderem Leber und Nieren nachhaltig schädigen. 

Von der Verwendung solcher Kühlstoffe in E-Liquids sei abzuraten, da
bereits bei mittlerem Konsum - fünf Milliliter pro Tag - von einem
langfristigen Gesundheitsrisiko auszugehen sei. Völlig unklar sei
derzeit noch, wie das Risiko für Lungenschäden einzuschätzen ist.

Das Bundesernährungsministerium hat eine Verordnungsänderung auf den
Weg gebracht, wonach 13 Aroma- und Kühlstoffe, darunter Menthol,
künftig nicht mehr verwendet werden dürfen, wie ein Sprecher kürzlich

mitteilte.

Diverse chemische Substanzen genutzt

Kühlstoffe - auch Cooling Agents genannt - werden den Liquids von
E-Zigaretten beigemischt, um ein kühlendes und erfrischendes Mund-
und Rachengefühl zu erzeugen. Dabei werden dem BfR zufolge diverse
chemische Substanzen genutzt - viele seien geschmacksneutral und
geruchlos.

Andere wie Menthol seien mit einem charakteristischen Geruch und
Geschmack verbunden. Die Konzentration der häufig synthetisch
hergestellten Kühlstoffe in E-Liquids variiere stark, teils seien die
Konzentrationen hoch.

Bisher kaum öffentlich einsehbare Daten zu Risiken

Daten zur gesundheitlichen Wirkung beim Inhalieren in die Lunge lägen
bisher öffentlich kaum vor, hieß es. Das BfR hat nach ersten
vorangegangenen Analysen weitere neun Kühlstoffe wie Menthol,
Menthylacetat und Eucalyptol bewertet. 

Genutzt wurden Daten aus Studien zur oralen Aufnahme der Stoffe bei
Tieren wie Ratten oder Mäusen. Für einige Kühlstoffe, für die keine

Daten verfügbar waren, wurden Studiendaten von strukturähnlichen
Stoffen verwendet, wie es hieß.

Gesundheitsschäden teils schon bei wenig Konsum 

«Die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Beeinträchtigungen für die
Allgemeinbevölkerung ist beim Dampfen von E-Zigaretten mit kühlenden
Substanzen gegeben, im Besonderen bei mittlerem und starkem Konsum»,
schließen die BfR-Experten. Für die Stoffe WS-12, Frescolat MGA und
Menthyllactat könnten Gesundheitsschäden schon bei niedrigem Konsum
(1 Milliliter/Tag) nicht ausgeschlossen werden.

Bei der Bewertung seien die Kühlstoffe jeweils separat betrachtet
worden. «In der realen Anwendung könnte die Gesamt-Exposition
gegenüber Kühlstoffen jedoch höher ausfallen, da viele E-Liquids
Mischungen mehrerer Kühlstoffe enthalten.» Mischungen mit bis zu acht
solchen Substanzen seien bekannt.

Noch keine Grenzwerte festgelegt

Festgelegte Richtwerte für die maximale Stoffmenge, bei der keine
gesundheitlichen Risiken abzusehen sind, gibt es bei Kühlstoffen noch
nicht. Das BfR nutzte darum für seine Bewertung den sogenannten
NOAEL-Wert für die höchste getestete Dosis eines Stoffes, bei der in
Versuchen keine gesundheitlichen Schäden feststellbar waren. In
Tierversuchen wurden demnach vor allem Schädigungen der Leber und
Niere beobachtet.

Das BfR gibt zu bedenken, dass die Risiken unter- oder überschätzt
sein können, weil es bisher kaum gute Daten gebe. «Es fehlen vor
allem Daten dazu, wie die Stoffe wirken, wenn sie eingeatmet werden.»
Vor allem zur Wirkung auf die Lunge sei daher derzeit keine Aussage
möglich. Verbrauchern rät das BfR, auf Liquids mit Kühlstoffen zu
verzichten.

Liquids für E-Zigaretten enthalten in der Regel das stark süchtig
machende Nikotin und verschiedene Aroma- und Geschmacksstoffe. Die
Flüssigkeit wird über ein Heizelement verdampft und über ein
Mundstück eingeatmet. Die Liquids sind sehr unterschiedlich
zusammengesetzt.

Langfristige Folgen sind noch weitgehend unbekannt

Gesundheitsrisiken gehen dem BfR zufolge vom Nikotin, den
Verneblungs-, Wirk- und Zusatzstoffen sowie möglichen
Verunreinigungen aus. Zudem können durch die Hitzeeinwirkung weitere
schädigende Stoffe entstehen. Über die langfristigen gesundheitlichen
Folgen von E-Zigaretten ist derzeit noch wenig bekannt.

Im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten - allein in Deutschland pro
Jahr für den vorzeitigen Tod von mehr als 120.000 Menschen
verantwortlich - sind E-Zigaretten nach BfR-Angaben deutlich weniger
gefährlich. Das Institut empfiehlt aber, zum Schutz der eigenen
Gesundheit grundsätzlich auch auf E-Zigaretten zu verzichten.

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