Krankmeldungen im Südwesten leicht rückläufig
Im Südwesten sind Beschäftigte etwas seltener krankgeschrieben als im
Vorjahr. Welche Ursachen für Ausfälle besonders häufig sind und was
Experten jetzt fordern.
Stuttgart (dpa/lsw) - Die Krankheitsausfälle bei der Arbeit sind nach
einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr
im Südwesten etwas gesunken. Im Schnitt waren Beschäftigte 16,6
Kalendertage krankgeschrieben - annähernd so lange wie 2024 mit 17
Fehltagen, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte.
Wichtigste Ursachen waren Atemwegsinfekte, psychische Erkrankungen
und Probleme wie Rückenschmerzen. Nach Kritik von Kanzler Friedrich
Merz (CDU) am hohen Krankenstand wird über strengere Regeln
diskutiert. Die Gewerkschaften warnen vor einem Generalverdacht.
Baden-Württemberg weist unter den Bundesländern den geringsten
Arbeitsausfall durch Krankheit aus. An erster Stelle der Ursachen für
Krankschreibungen in Baden-Württemberg standen im vergangenen Jahr
Atemwegserkrankungen wie Bronchitis mit 336 Fehltagen je 100
Versicherte nach 355 Fehltagen 2024. Auf Platz zwei kamen psychische
Erkrankungen wie Depressionen. Sie lagen mit 296 Fehltagen je 100
Versicherte leicht über Vorjahresniveau. Es folgten
Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenprobleme, die mit 273 Tagen je 100
Versicherte im Vergleich zu 2024 leicht zurückgingen, wie die DAK in
Stuttgart mitteilte.
Merz stößt Diskussion über Krankenstand an
DAK-Landeschef Siegfried Euerle sagte, es sei jetzt notwendig, eine
fundierte interdisziplinäre Ursachenforschung voranzutreiben und neue
Lösungswege zu entwickeln. Es müsse das betriebliche
Gesundheitsmanagement gestärkt werden. Die DAK ist eigenen Angaben
zufolge die viertgrößte Krankenkasse im Land. An erster Stelle kommt
die AOK Baden-Württemberg, dann die Techniker Krankenkasse und auf
Platz drei rangiert die Barmer. Für die Analyse wertete das Berliner
Iges-Institut den Angaben zufolge Daten von rund 263.000
Beschäftigten aus, die bei der DAK versichert sind.
Kanzler Merz hatte einen aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand in
Deutschland beklagt und die Möglichkeit infrage gestellt, bei
leichteren Erkrankungen auch telefonisch und ohne Praxisbesuch eine
Krankschreibung zu bekommen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU)
kündigte an, die Regelung zu überprüfen. DGB-Landeschef Kai
Burmeister sagte: «Die Diskussion um krankfeiernde Beschäftigte ist
absurd und überzeichnet.» Tatsächlich lägen die Ursachen für
Erkrankungen oft in schlechter Ergonomie und in harter Schichtarbeit.
«Unternehmen müssten endlich körperliche und psychische Belastungen
reduzieren; Vorfahrt für Gesundheit am Arbeitsplatz.»
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