Erstmals mehr Ärztinnen als Ärzte in Bayern
Im Medizinstudium sind Frauen schon seit etlichen Jahren in der
Mehrheit. Jetzt kommt diese Entwicklung auch im Arztberuf an.
München (dpa/lby) - Im vergangenen Jahr haben in Bayern erstmals mehr
Frauen als Männer im Arztberuf gearbeitet. Die Bayerische
Landesärztekammer (BLÄK) zählte 37.848 berufstätige Ärztinnen und
37.078 Ärzte. Sowohl in den Kliniken als auch in den Arztpraxen ist
das ärztliche Personal mehrheitlich weiblich.
Der Präsident der Landesärztekammer, Gerald Quitterer, erwartet, dass
sich die Entwicklung weiter fortsetzt. Im Medizinstudium liege der
Frauenanteil schon bei über 60 Prozent. Diese Entwicklung werde
zeitversetzt auch im Arztberuf ankommen, sagt Quitterer.
Frauen selten auf Führungsposten
Bayerns Ärztepräsident sieht allerdings noch beträchtlichen
Nachholbedarf bei den Karrieremöglichkeiten für Frauen. Nach der
BLÄK-Statistik ist nur eine von sieben Führungspositionen in
Krankenhäusern mit einer Frau besetzt, obwohl Frauen insgesamt die
Mehrheit des Klinikpersonals stellen. «Das stellt mich nicht
zufrieden», betont Quitterer. Die Krankenhäuser müssten mehr
unternehmen, damit nicht nur Beruf und Familie miteinander vereinbar
seien, sondern auch Karriere und Familie.
Ärztemangel trotz steigender Arztzahlen
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und
Ärzte in Bayern um 2,7 Prozent gestiegen. Auf ein Jahrzehnt
gerechnet, summiert sich der Anstieg auf 22,7 Prozent. Trotzdem
reiche der Zuwachs nicht aus, erklärt Quitterer. Zum einen nehme mit
dem immer höheren Durchschnittsalter der Bevölkerung auch der
Behandlungsbedarf zu. Außerdem steige der Anteil der Angestellten in
Arztpraxen und auch der Teilzeit-Beschäftigten.
Seit Ende 2015 hat sich der Anteil der Angestellten am ärztlichen
Praxispersonal in Bayern von 20,5 Prozent auf 39,5 Prozent fast
verdoppelt. Viele der Angestellten arbeiteten in Teilzeit, erklärt
Quitterer. «Deswegen brauchen wir mehr Ärztinnen und Ärzte, damit die
Arbeitszeit, die wir vermehrt brauchen, geleistet werden kann.»
Auch Arbeitslosigkeit steigt
Noch schneller als die Zahl der berufstätigen Ärzte ist in letzter
Zeit die Zahl der arbeitslosen Mediziner gestiegen. Aktuell weist die
Ärztekammer 2.960 Arbeitslose in ihrer Statistik aus, Ende 2015 waren
es erst 1.722.
Für diesen auf den ersten Blick überraschenden Anstieg um mehr als 70
Prozent gibt es nach Einschätzung des Ärztepräsidenten vor allem zwei
Erklärungen. Weil immer mehr Ärztinnen und Ärzte angestellt
arbeiteten, komme es auch häufiger vor, dass sich Kollegen zwischen
zwei Anstellungen arbeitslos meldeten. Zudem steige die Zahl der
Ärzte ohne deutschen Pass zügig. Oft müssten die ausländischen
Kollegen allerdings längere Zeit auf verschiedene Anerkennungen
warten und blieben in dieser Zeit ohne Arbeit.
Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit liegt die Arbeitslosigkeit in
der Ärzteschaft in Bayern aber trotz des Anstiegs bei nur rund zwei
Prozent. Nach Einschätzung der BA herrscht weiterhin
Vollbeschäftigung im Arztberuf.
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