Hendrik Streeck: Prävention für Sucht ausbauen
Der Suchtbeauftragter Hendrik Streeck fordert mehr Prävention - junge
Menschen müssten lernen, was Drogen und Süchte bewirken können.
Dresden (dpa) - Deutschland muss nach Ansicht des Sucht- und
Drogenbeauftragten Hendrik Streeck mehr Prävention gerade bei jungen
Menschen leisten. Es gehe um die Frage der Resilienz, in der Lage zu
sein, Nein zu sagen, erklärte der CDU-Politiker nach einem Treffen
mit der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) in
Dresden. Aufklärung und eine frühe Prävention seien enorm wichtig.
Die jungen Menschen müssten lernen, was Drogen und Süchte bewirken
können und Probleme anders zu lösen.
Sucht wird noch zu häufig als Randthema gesehen
«Wir haben zehn Millionen Abhängigkeitserkrankungen in Deutschland.
Aber es geht nicht nur um blanke Zahlen, sondern um konkrete
Schicksale, wo Familien, Kinder, Eltern, Freundinnen und Freunde oder
Kolleginnen und Kollegen mit betroffen sind. In der Summe ist es ein
gesamtgesellschaftliches Problem, das viel zu häufig als Randthema
gesehen wird», sagte Streeck der Deutschen Presse-Agentur.
Enorme Folgen für die Gesellschaft
Streeck zufolge ist das nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch
ein volkswirtschaftliches Problem. Abhängigkeiten würden im
Gesundheitswesen viele Milliarden Euro Kosten verursachen. «Bei Tabak
sind das etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr an direkten Kosten. Der
Schaden für die Volkswirtschaft liegt zusätzlich bei über 60
Milliarden Euro, durch Arbeitsausfälle, Frühverrentungen und vieles
andere.»
«Wir beobachten derzeit zwei unterschiedliche Entwicklungen. Zum
großen Teil haben Jugendliche ein sehr viel stärkeres
Gesundheitsbewusstsein. Es wird weniger geraucht und es wird weniger
Alkohol getrunken. Das ist erst mal eine positive Entwicklung»,
betonte Streeck. Es gebe aber auch ein anderes Milieu an
Jugendlichen, das sehr experimentierfreudig und risikofreudig
geworden sei und alles auf einmal ausprobieren wolle.
Kampf gegen Drogen erfordert gemeinsames europäisches Handeln
Streeck sprach sich zudem für gemeinsame europäische Anstrengungen im
Kampf gegen Drogen aus. In der kommenden Woche will er dazu seinen
tschechischen Amtskollegen empfangen. «Wir haben die European Drug
Agency. Ich bin im Executive Board. Die Agentur hat einen massiven
Budgetzuwachs bekommen - auch weil man sah, dass wir in Europa eine
größere Schlagkraft entwickeln müssen.» Es gebe ein europaweites
Monitoring- System und einen direkten Austausch unter den
Drogenbeauftragten.
Man müsse neue Substanzen im Blick behalten, die auf den Markt
kommen, sagte Streeck zudem. Es gebe regionale Unterschiede, etwa
einen erhöhten Konsum von Crystal-Meth in der Grenzregion zu
Tschechien. Auch Alkoholkonsum sei regional unterschiedlich. «Das
Drogenproblem ist international. Wir müssen es aber in weiten Teilen
kommunal bekämpfen.»
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