Ex-Pfleger könnte mehr als 100 Menschen getötet haben
Im November wurde ein ehemaliger Pfleger in Aachen wegen zehnfachen
Mordes verurteilt. Womöglich hat er aber mehr Menschen umgebracht -
deutlich mehr. Es gibt weitere Exhumierungen.
Aachen (dpa) - Ein bereits wegen zehnfachen Mordes in Aachen
verurteilter Ex-Pfleger könnte für mehr als 100 weitere Todesfälle
verantwortlich sein. Es gebe eine entsprechend hohe Zahl an
«Verdachtsfällen», teilte die Aachener Oberstaatsanwältin Katja
Schlenkermann-Pitts mit. Mehrere Medien berichteten darüber.
Gegenstand der neuen Ermittlungen sind mögliche Taten jenseits
mehrerer bereits abgeurteilter Fälle. Der Ex-Pfleger war im November
2025 vom Aachener Landgericht wegen 10-fachen Mordes und 27-fachen
Mordversuchs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Dabei wurde auch eine besondere Schwere der Schuld festgestellt -
eine Freilassung nach 15 Jahren ist damit in der Regel
ausgeschlossen.
Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann während seiner
Nachtschichten in einer Klinik in Würselen schwer kranken Menschen
eigenmächtig überhöhte Mengen an Beruhigungsmitteln verabreicht -
teils in Kombination mit Schmerzmitteln und teilweise auch mehrfach.
Auslöser sollen ein persönliches Störgefühl und eine eigene
Vorstellung von Ordnung gewesen sein. Der Pfleger selbst hatte die
Vorwürfe im Prozess zurückgewiesen. Er habe keine Medikamente mit dem
Ziel verabreicht, Leben zu verkürzen, erklärte er in einer Aussage im
Mai 2025.
Verdachtsfälle liegen deutlich über 100
Die Taten, um die es in diesem Verfahren gegangen war, hatten sich in
einem Zeitraum von Dezember 2023 bis zum Mai 2024 ereignet. Bei den
neuen Verdachtsfällen geht es nun um mögliche Tötungsdelikte in der
Zeit davor. Der Deutsche hatte bereits seit 2020 an der Klinik in
Würselen gearbeitet. Nach dem Urteil hatte die Aachener
Staatsanwaltschaft schon angekündigt, dass eine weitere Anklage
wahrscheinlich sei.
Nun gibt es einen ersten Überblick, was in einer neuen Anklage stehen
könnte. «Die Verdachtsfälle in dem laufenden Verfahren liegen derzeit
deutlich über 100», erklärte Oberstaatsanwältin Katja
Schlenkermann-Pitts. Sie betonte zugleich, dass es sich um einen
Anfangsverdacht handle. «Der kann natürlich auch noch wegfallen.» Es
habe bereits 27 Exhumierungen im Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen
gegeben. Etwa 30 stünden noch aus.
Auch in Köln Exhumierungen
Der Fall reicht inzwischen auch über Aachen hinaus: Auch in Köln wird
ermittelt. Dort hatte der Mann bis 2020 gearbeitet. Die Kölner
Staatsanwaltschaft bestätigte im Dezember Exhumierungen.
Immer wieder sorgen ähnliche Fälle für Entsetzen. Als bislang grö
ßte
Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt der Fall des
Ex-Pflegers Niels Högel: Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn
2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft.
«Die Pflege und Medizin machen niemanden zu Serientätern. Jedoch
macht es Pflege und Medizin Serientätern weiterhin viel zu leicht»,
kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz,
Eugen Brysch, im Lichte der neuen Verdachtsfälle. «Es fehlt eine
Kultur des Hinschauens.»
BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.