USA nicht mehr in der WHO: weniger Geld, fehlende Expertise

Für den Chef der Weltgesundheitsorganisation gibt es durch den
US-Austritt nur Verlierer. Was den USA und dem Rest der Welt
abhandenkommen.

Genf (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat vor einem Jahr als eine
seiner ersten Amtshandlungen den Austritt aus der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügt. Nach einer Vereinbarung
zwischen den USA und der WHO wird der Austritt ein Jahr nach
Einreichung der Kündigung - also heute - wirksam. Theoretisch ist
zwar eine in der Vereinbarung genannte Bedingung für den Austritt gar
nicht erfüllt. Die USA hätten ihre bisherigen Beiträge voll zahlen
müssen, was nicht geschehen ist. Aber die WHO hat keine Handhabe, um
das Geld einzufordern oder den Austritt zu verweigern. 

«Ich hoffe, dass die USA ihre Entscheidung überdenken und wieder der
WHO beitreten werden», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus
erneut in Genf. Es gebe nur Verlierer: «Der Austritt ist ein Verlust
für die USA und auch ein Verlust für den Rest der Welt.» Unter
anderem hat die WHO Frühwarnsysteme für Ausbrüche von potenziell
gefährlichen Krankheiten. Sie koordiniert auch die Komposition der
Grippe-Impfstoffe für die kommende Saison, nach Analyse der weltweit
zirkulierenden Erreger. An beidem nehmen die USA nicht mehr teil. Der
Rest der Welt muss auf wichtige amerikanische Expertise verzichten.

Trump warf der WHO unter anderem Versagen in der Coronapandemie und
Reformmangel vor. Zudem beugte sich die WHO nach seiner Ansicht
politischem Druck aus China. Diese Woche bezeichnete er die
Organisation als korrupt. Auch Argentinien hat im vergangenen Jahr
seinen Austritt erklärt.

Die USA zahlten nach Trumps Amtsantritt weder den noch ausstehenden
Mitgliedsbeitrag für 2024 noch für 2025, zusammen rund 280 Millionen
Dollar (rund 240 Mio. Euro). Das Außenministerium äußerte sich auf
Anfrage dazu nicht. Dem US-Sender NPR Woche teilte es vergangene
Woche mit, es gebe kein weiteres Geld. Die US-Steuerzahler hätten
wegen des WHO-Versagens schon zu hohe Kosten durch die Coronapandemie
gehabt.

Die USA waren über Jahre der mit Abstand größte Beitragszahler. Sie
haben stets ein Vielfaches des festgesetzten Mitgliedsbeitrags
zusätzlich freiwillig gezahlt und oft mehr als 15 Prozent des Budgets
bestritten.

Notgedrungen hat die WHO ein strammes Sparprogramm aufgelegt. Die
Mitarbeiterzahl schrumpft bis Mitte des Jahres um rund ein Fünftel
auf etwa 7300, verglichen mit Anfang 2025. Das Budget wurde in
ähnlichem Umfang gekürzt. «Aber bei dem US-Rückzug geht es nicht um

Geld», sagte Tedros. «Es geht um Kooperation und Solidarität.»

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