Hausärzte für schärfere Regeln bei Online-Krankschreibungen

Statt sich krank in die Praxis zu schleppen, lieber den Laptop
hochfahren und sich online krankschreiben lassen? Was für Patienten
bequem ist, nennt der Hausärzteverband «Pseudo-Atteste».

Berlin (dpa) - Angesichts der Debatte um die Krankentage deutscher
Arbeitnehmer fordert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband
schärfere Regeln für Online-Krankschreibungen. «Die Bundesregierung
muss kommerziellen Online-Anbietern von Krankschreibungen endlich
einen Riegel vorschieben», sagte der Verbandsvorsitzende Markus Beier
der «Rheinischen Post». «Während sich Hausarztpraxen an klare Regel
n
halten, wird es kommerziellen Anbietern ermöglicht, schnelles Geld
mit Pseudo-Attesten zu machen.» Es sei seiner Ansicht nicht
offensichtlich, dass es den Anbietern nicht um Versorgung, sondern um
Geldmacherei gehe. 

Beier kritisiert, dass Anbieter solcher Krankschreibungen «aggressiv
mit Online-Krankschreibungen für 20 bis 30 Euro» warben und
Gesetzeslücken ausnutzten. Seiner Ansicht nach dürfte es nicht sein,
dass ein Arzt Patienten per Video krankschreiben kann, die er noch
nie gesehen hat. «Das ist bei der telefonischen Krankschreibung
richtigerweise nicht möglich. Dieser Vorbehalt sollte künftig auch
für Videosprechstunden gelten.»

Lauterbach sieht rechtliche Lücken 

Auch der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kritisiert
das Angebot kommerzieller Anbieter für Online-Krankschreibungen. «Die
Online-Krankschreibung sollte nur den Hausärzten oder behandelnden
Fachärzten erlaubt sein», sagte er der Zeitung. «Dass kommerzielle
Anbieter, die keinen Bezug zum Patienten haben und nicht praktisch
tätig sind, mit Online-Krankschreibungen werben, halte ich für
problematisch. Hier gibt es in der Tat leider rechtliche Lücken, die
das ermöglichen.» Es handele sich jedoch um keine bedeutsame Größe.

Er fordere entsprechend ein Verbot. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt den hohen
Krankenstand in Deutschland und die Möglichkeiten der telefonischen
Krankschreibungen bemängelt. Gesundheitsministerin Nina Warken
kündigte an, die Regelung überprüfen zu wollen. Im Koalitionsvertrag

von CDU und SPD heißt es zu Krankschreibungen ohne Arztbesuche: «Die
telefonische Krankschreibung werden wir so verändern, dass Missbrauch
zukünftig ausgeschlossen ist (zum Beispiel Ausschluss der
Online-Krankschreibung durch private Online-Plattformen).»

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