Sachsen startet Schulprojekt zu mentaler Gesundheit

Psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu - und
stellen Schulen vor große Herausforderungen. Ein Pilotprojekt soll
Lehrkräften in Sachsen mehr Sicherheit und Orientierung geben.

Dresden (dpa/sn) - Ein Pilotprojekt bietet Schulen Unterstützung im
Umgang mit psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen.
Schulische Praxis und medizinische Expertise sollen dabei verbunden
werden, um Schulleitungen und Lehrkräfte gezielt zu entlasten, wie
das Kultusministerium mitteilte. Das Universitätsklinikum Dresden,
das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf, die Beisheim Stiftung und das
Kultusministerium setzen das Projekt gemeinsam um.

Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, die mentale Gesundheit der
Schülerinnen und Schüler besser bewerten zu können. Ist ein
Eingreifen nötig und wenn ja, in welcher Form? Ist die Behandlung
durch einen Notarzt nötig? Kann auch erstmal ein Kinder- oder
Hausarzt helfen oder gibt es weitere passende Angebote?

Psychische Probleme schwerer zu erkennen

«Wenn sich ein Kind ein Bein bricht, dann weiß die Lehrerin relativ
klar, was zu tun ist», sagte Kultusminister Conrad Clemens (CDU) bei
der Vorstellung des Projekts. Im Umgang mit psychischen Problemen
herrsche an den Schulen aber eine gewisse Überforderung. Gleichzeitig
stelle die mentale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen besonders
seit der Corona-Pandemie eine immer größere Herausforderung dar.

Psychische Auffälligkeiten und Belastungen seien für viele schwerer
einschätzbar, ergänzte Veit Rößner, Klinikdirektor für Kinder- un
d
Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Dresden. «Macht jetzt
jemand nur eine Diät oder hat gerade einen Wachstumsschub und wird
etwas dünner oder ist es schon eine Essstörung?» Es gehe darum,
Sicherheit bei der Beurteilung zu vermitteln. 

Pilotprojekt ab kommendem Schuljahr in Dresden und Bautzen

Das Projekt startet im Schuljahr 2026/2027 in Dresden und dem
Landkreis Bautzen, die Angebote sollen nach erfolgreichem Abschluss
aber für ganz Sachsen verfügbar sein. 

Das Projekt ist in drei Module aufgeteilt. Kernstück ist der
sogenannte Verfahrensnavigator, der als Orientierungshilfe dient und
übersichtlich darstellt, welche Schritte in welchen Situationen
notwendig sind. Der Navigator soll dauerhaft online und auch für
Fachkräfte und Eltern abrufbar sein.

Im Modul «Wissensbasis» können Schulleitungen an Kursen zur
psychologischen Erste Hilfe teilnehmen. Diese Kurse haben ihren
Ursprung in Australien, wo bereits 50.000 Menschen geschult wurden,
wie Ulf Matysiak, Geschäftsführer der Beisheim Stiftung, erläuterte.

Dabei gehe es darum, Orientierungswissen zu vermitteln und mehr
Personen in das Schulsystem zu bringen, die sich sicher im Umgang mit
dem Thema fühlten. Anhand konkreter Fallbeispiele wird das Handeln
dann im Rahmen des letzten Moduls «Transferwerkstatt» in Begleitung
medizinischer Fachkräfte geübt.

Für die Umsetzung stellt die Beisheim Stiftung zunächst 400.000 Euro
zur Verfügung. Je nach Bedarf und Interesse an den Schulungen soll
der Betrag angepasst werden. Geplant ist eine Dauer von zweieinhalb
Jahren.

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