SPD verteidigt telefonische Krankschreibung
Angesichts hoher Fehlzeiten von Beschäftigten wegen Krankheit stellt
der Kanzler eine erleichterte Regelung für ärztliche Bescheinigungen
infrage. Der Koalitionspartner will daran aber nicht rütteln.
Berlin (dpa) - In der Debatte um weniger Fehlzeiten von Beschäftigten
lehnt die mitregierende SPD ein Ende der Möglichkeit zu
Krankschreibungen per Telefon ab. Sie entlaste Hausarztpraxen,
schütze Patienten vor unnötigen Ansteckungsrisiken und sichere eine
niedrigschwellige Versorgung, sagte der gesundheitspolitische
Sprecher der SPD im Bundestag, Christos Pantazis. «Wer diese Regelung
pauschal infrage stellt, ignoriert die Realität in den Praxen und
riskiert zusätzliche Bürokratie, Wartezeiten und Fehlsteuerungen.»
Pantazis warnte: «Politik darf nicht auf «Arbeitgebermärchen»
hereinfallen, sondern muss sich an Daten, Versorgungspraxis und
Patientenschutz orientieren.» Eine Überprüfung der
Arbeitsunfähigkeitsregelungen ohne neue Erkenntnisse sei
Symbolpolitik und schade dem Vertrauen in das Gesundheitssystem. Es
gebe keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch.
Regelung soll auf den Prüfstand
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte einen aus seiner Sicht zu
hohen Krankenstand beklagt und die Möglichkeit zur telefonischen
Krankschreibung infrage gestellt. Gesundheitsministerin Nina Warken
(CDU) kündigte an, die Regelung zu überprüfen. Pantazis sagte den
Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die SPD stehe zur Vereinbarung im
Koalitionsvertrag, dass Missbrauch ausgeschlossen werden solle. Er
wandte sich aber dagegen, die telefonische Krankschreibung reflexhaft
zum Sündenbock zu machen.
Der Sozialverband Deutschland nannte sie ein bewährtes und sinnvolles
Instrument. «Die hohen Krankenstände sind ein ernstes Warnsignal,
ihre Ursachen liegen jedoch nicht in der Art der Krankschreibung»,
sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier der Deutschen
Presse-Agentur. Ein starker Anstieg psychischer Erkrankungen zeige,
wie sehr die Arbeitsbelastung in vielen Bereichen weiter zugenommen
habe.
Kasse: Debatte lenkt vom eigentlichen Problem ab
Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, kritisierte, die
Debatte lenke vom eigentlichen Problem ab. Kurzzeiterkrankungen wie
Erkältungen, die mit einer telefonischen Krankschreibung festgestellt
werden können, machten im Vergleich zu Langzeiterkrankungen einen
wesentlich geringeren Anteil an den Gesamtfehltagen aus, sagte Baas
dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Seit Ende 2023 können Patientinnen und Patienten auch telefonisch und
ohne Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen - unter
der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren
Krankheitssymptome hat. Krankschreiben lassen kann man sich für bis
zu fünf Kalendertage. Braucht man dann noch eine Folgebescheinigung,
muss man aber in die Praxis gehen.
Dauerhafte Regelung nach Corona-Zeit
Geregelt ist dies in einer Richtlinie des Gemeinsamen
Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Vorbild war
eine Sonderregelung, die es in der Corona-Krise gab, um Ansteckungen
zu vermeiden.
BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.