Nach Brand mit Todesfall startet Psychiatrie-Station wieder

Plätze auf sogenannten geschützten Stationen in der Psychiatrie sind
knapp in Rostock. Ein Brand mit einem Todesfall verschärfte die Lage.
Nun ist Besserung in Sicht. Wieso ist der Bedarf so groß?

Rostock (dpa/mv) - Nach einem Brand im September mit einem toten
Patienten nimmt die betroffene akutpsychiatrische Station der
Universitätsmedizin Rostock wieder schrittweise ihren Betrieb auf. In
den kommenden Wochen sei nach der Brandsanierung die vollständige
Eröffnung der Station P1 im Rostocker Stadtteil Gehlsdorf geplant,
teilte die Universitätsmedizin Rostock (UMR) mit.

Es handelt sich um eine sogenannte geschützte Station zur Betreuung
von Menschen etwa in akutpsychiatrischen Notlagen. Patienten seien
dann beispielsweise orientierungslos oder könnten sich selbst
verletzen, erklärte der zuständige Oberarzt Fabian Schäbe. Sie
bräuchten eine besonders intensive Betreuung. Zudem seien etwa die
Türen verschlossen, damit Patienten die Station nicht unbeaufsichtigt
verlassen können.

Brand verschärfte angespannte Versorgungslage

Diese Stationen sind laut UMR stark ausgelastet und nach früheren
Angaben teils auch überbelegt. Die UMR ist zur Versorgung
entsprechender Fälle aus Rostock und dem Umland verpflichtet und hat
eigentlich zwei entsprechende Stationen. Durch den Brand war eine
davon ausgefallen, was die Lage verschärfte.

Vor dem Brand standen laut UMR 38 Betten auf zwei geschützten
Stationen zur Verfügung. Ab kommender Woche stehen laut UMR mit 37
Betten nun wieder fast so viele zur Verfügung. Durch verschiedene
Baumaßnahmen soll es zum Ende des Jahres drei geschützte Stationen
mit dann mehr als 50 Betten geben. Durch einen größeren Neubau, der
2030 in Betrieb gehen soll, soll die Zahl der geschützten Stationen
später auf vier steigen.

Gepolsterte und überwachte Räume

Derartige Stationen sind zum Schutz der Patienten speziell
eingerichtet. So zeigen die Türklinken nach unten, damit sie nicht
zur Strangulation genutzt werden können. Möbel sind besonders schwer,
damit sie etwa nicht geworfen werden können. Auch gehören zu den
Stationen sogenannte Time Out-Räume (Auszeit-Räume) für besonders
akute Krisensituationen. Diese sind überwacht, haben etwa gepolsterte
Wände und besonders sicheres Mobiliar. 

Nach früheren Angaben ging die Polizei davon aus, dass der im
September gestorbene 26-jährige Patient den Brand selbst entzündet
hat. Die UMR wollte sich aktuell nicht weiter zu dem Fall äußern und
verwies auf die Ermittlungen. Der Fall sei tragisch, sagte
UMR-Sprecher Stefan Menzel. Es habe dennoch einiges gut funktioniert,
betonte er. So sei die Station damals in sieben Minuten evakuiert
gewesen.

Dass der Bedarf nach akutpsychiatrischer Behandlung steigt, hat nach
Aussage von Oberarzt Schäbe mehrere mögliche Gründe. Dazu zählte er

etwa Auswirkungen der Corona-Pandemie. Außerdem könnte auch schon
früher geholfen werden. «Ich denke ein wesentlicher Punkt, der
vermeiden könnte, dass Patienten akutpsychiatrische Behandlungen
bedürfen, wäre, wenn man es irgendwie hinbekommen könnte, die
Patienten ambulant niederschwelliger zu diagnostizieren und zu
versorgen und da schon die Behandlung zu beginnen.»

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