«Das ist echte Wut» - Streeck sieht Unrecht während Pandemie

Druck auf Ungeimpfte und Schulschließungen: Der Virologe Hendrik
Streeck kritisiert Entscheidungen in der Corona-Pandemie. Doch kommt
man fehlerfrei durch solche Krisen? Oder ist Unrecht unvermeidbar?

Erfurt (dpa) - Lernen und verzeihen: Der Virologe Hendrik Streeck
hält eine Aufarbeitung der Corona-Pandemie für entscheidend und hat
Verständnis für die Wut mancher Menschen gezeigt. «Wir sind mit
Teilen der Bevölkerung nicht gut umgegangen in der Pandemie», sagte
Streeck im Corona-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags in
Erfurt. Der 48-Jährige war während der Corona-Pandemie durch
zahlreiche Auftritte in den Medien einer der bekanntesten
Wissenschaftler des Landes. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025
zog der Mediziner für die CDU in den Deutschen Bundestag ein.
Inzwischen ist Streeck Sucht- und Drogenbeauftragter der
Bundesregierung.

Mathematiker kritisierte Datengrundlage von Studien 

«Nur wenn wir lernen, können wir in der Zukunft Fehler vermeiden»,
sagte Streeck in seinem Eingangsstatement im Untersuchungsausschuss.
Nur dann könne man um Verzeihung bitten und auch verzeihen. «Ja, es
gibt Menschen, denen Unrecht angetan wurde.» Der Virologe wurde auf
Antrag der Fraktionen von CDU, BSW und SPD geladen, die in Thüringen
das Regierungsbündnis bilden. 

Die oppositionelle AfD-Fraktion hatte den Mathematiker Gerd Antes
eingeladen, der die Datengrundlage für bestimmte Studien in der
Corona-Pandemie kritisierte. Auch Daten, die für Entscheidungen in
der Corona-Pandemie in Deutschland herangezogen wurden, kritisierte
er: So seien etwa die Daten aus den Intensivstationen «mit extremer
Vorsicht» zu genießen, sagte Antes. Seiner Einschätzung nach sei im
Sommer 2020 klar gewesen, dass das Virus nicht eingedämmt werden
könne. Die Corona-Maßnahmen seien überzogen gewesen. 

Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen

Streeck führte aus, dass es viele Gründe für Wut bei einigen Menschen

gebe - etwa auf diejenigen, die das Virus ignorierten oder
durchrauschen ließen. Oder auf Menschen, die Ungeimpfte ausgrenzten.
Streeck sieht auch Schulschließungen kritisch, die zu einem Anstieg
der psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen geführt
hätten. «Das ist echte Wut, das sind echte Schmerzen, das ist echter
Groll», sagte er. Zugleich betonte er, dass es in einer Krise keine
perfekten Entscheidungen gibt. «Kann so eine Krise, wie wir sie
erlebt haben, überhaupt ohne Unrecht stattfinden?»

Der Corona-Untersuchungsausschuss soll Fehler und Versäumnisse der
Politik in der Corona-Pandemie aufklären und Handlungsempfehlungen
für die Zukunft ableiten. Neben dem Untersuchungsausschuss gibt es in
Thüringen noch eine Enquete-Kommission, die auf die Erfahrungen
blickt, die in der Corona-Pandemie gesammelt wurden, und
Handlungsempfehlungen für künftige Pandemie- oder sonstige
Gesundheitskrisenlagen erarbeiten soll.

Die AfD-Abgeordnete Wiebke Muhsal kritisierte den Auftritt von
Streeck im Untersuchungsausschuss. Sie warf ihm vor, dass zwischen
seiner Rolle als Wissenschaftler und seiner jetzigen Rolle als
CDU-Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung
«ein Spannungsverhältnis» vorliege. «Meines Erachtens sind wir heut
e
in Bezug auf den Untersuchungsauftrag nicht sehr viel weiter
gekommen», sagte sie in einer Mitteilung.

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