Grippeimpfung nicht verfügbar? Hausärzte gegen Bestellregeln
Manchen Arztpraxen fehlt es an Grippeimpfstoff. Die Branche warnt vor
finanziellen Risiken bei Überbestellungen. Was der Hausärzteverband
jetzt fordert.
Berlin (dpa) - Weil sie Grippeimpfstoffe lange im Voraus bestellen
müssen, können Arztpraxen nach eigenen Angaben nicht schnell genug
auf eine höhere Nachfrage reagieren. Die Hausärzte fordern daher, von
finanziellen Risiken bei solchen Bestellungen befreit zu werden.
«Unsere Praxen haben aktuell keinerlei Möglichkeit, auf eine stärkere
Nachfrage angemessen zu reagieren. Grund ist die extrem rigide
Bestellregelung, die uns keinerlei Flexibilität erlaubt», betonen
Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Beier, Bundesvorsitzende des
Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, in einem Schreiben, das der
Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Bestellungen viele Monate vorher fällig
Die Praxen müssten, auch wegen langfristigerer Produktion, ihren
Bedarf an Impfstoffen bereits ein Dreivierteljahr vorher bestellen.
So weit vorab sei jedoch nicht absehbar, wie viel Bedarf es gebe.
Bestelle man als Praxis zu viel Impfstoff, der dann nicht benötigt
werde, laufe man Gefahr, von den Krankenkassen finanziell
sanktioniert zu werden. Dies wird als Regressrisiko bezeichnet.
In dieser Saison sei unter anderem wegen einer frühen Grippewelle die
Nachfrage vergleichsweise hoch gewesen, heißt es vom
Hausärzteverband. Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Regionen
Deutschlands berichteten demnach, dass bereits Mitte Dezember
Grippeimpfstoffe fehlten. Viele Praxen organisierten Netzwerke, um
Restbeständen zu finden. Auch aktuell bestünden die Probleme
weiterhin, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Deutschen
Presse-Agentur. Auch wenn die klassische Impfzeit vorbei sei, könne
es vorkommen, dass Patienten vertröstet werden müssten.
«Ein Damoklesschwert über der Impfkampagne»
Die Verbandsvorsitzenden kritisieren, die Regelungen hingen seit
Jahren «wie ein Damoklesschwert über der Impfkampagne. Das muss sich
dringend ändern».
Vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hieß es Mitte Dezember, es gebe beim
Grippe-Impfstoff bundesweit betrachtet keine Mangelsituation.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät unter anderem Menschen ab 60
Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und
Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Impfung gegen Grippe.
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