Kasse: Krankheitsausfälle im Job auch 2025 auf hohem Niveau
Erkältungen, psychische Probleme, Rückenschmerzen: Fehlzeiten von
Beschäftigten wegen Krankheit halten sich hartnäckig, wie neue Daten
zeigen. Könnten manche auch teilweise krankgeschrieben werden?
Berlin (dpa) - Krankheitsausfälle bei der Arbeit sind nach einer
Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr auf
einem hohen Niveau geblieben. Im Schnitt waren Beschäftigte 19,5
Kalendertage krankgeschrieben - annähernd so lange wie 2024 mit 19,7
Fehltagen, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte.
Wichtigster Grund für eine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit
waren demnach Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und
Muskel-Skelett-Probleme wie Rückenschmerzen. Gesundheitsministerin
Nina Warken kündigte an, die Regelungen zur telefonischen
Krankschreibung zu überprüfen.
DAK-Chef Andreas Storm sagte der Deutschen Presse-Agentur, die
Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf einem hohen Niveau
einpendele. «Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte
Ursachenforschung voranzutreiben.» Storm begrüßte die von Kanzler
Friedrich Merz (CDU) erneut angestoßene Debatte und forderte einen
Gipfel im Kanzleramt, der Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und
Krankenkassen dazu an einen Tisch bringen sollte.
«Teilkrankschreibung» als neues Modell?
Es gehe darum, neue Lösungswege zu entwickeln, sagte der Kassenchef.
«Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung
bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein.» Gemeint ist damit,
nur für einen Teil der täglichen Arbeitsstundenzahl krankgeschrieben
zu werden.
Gesundheitsministerin Warken will auch die Regelungen zur
telefonischen Krankschreibung unter die Lupe nehmen. Die
Regierungsparteien hätten sich im Koalitionsvertrag darauf
verständigt, Missbrauch auszuschließen, sagte die CDU-Politikerin dem
«Tagesspiegel». «Genau das werden wir angehen und die aktuellen
Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable
Lösungen.» Bundeskanzler Merz hatte zuvor einen aus seiner Sicht zu
hohen Krankenstand beklagt und die Möglichkeit infrage gestellt, bei
bestimmten leichteren Erkrankungen auch telefonisch und ohne
Praxisbesuch eine Krankschreibung zu bekommen.
Der DAK-Auswertung zufolge blieb der Krankenstand im vergangenen Jahr
mit 5,4 Prozent auf einem erhöhten Niveau stabil. Es waren also an
jedem Tag des Jahres im Schnitt 54 von 1.000 Beschäftigten
krankgeschrieben. Für die Analyse wertete das Berliner Iges-Institut
den Angaben zufolge Daten von rund 2,4 Millionen Beschäftigten aus,
die bei der Kasse versichert sind.
Psychische Erkrankungen nun häufiger als Rückenschmerzen
Krankheitsursache Nummer eins waren im vergangenen Jahr demnach
weiterhin Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Infekte mit 378,3
Fehltagen je 100 Versicherte nach 381,7 Fehltagen 2024. Auf Platz
zwei lagen nun psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen, die von
341,8 Fehltagen je 100 Versicherte auf 365,5 Fehltage zunahmen. Es
folgten Muskel-Skelett-Probleme, die mit 346,9 Fehltagen je 100
Versicherte fast stabil blieben.
Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag im vergangenen
Jahr bei 9,8 Tagen nach 9,7 Tagen 2024. Bei älteren Beschäftigten
über 60 Jahre waren es im Schnitt etwa 20 Tage, wie die Kasse
erläuterte. Es sei seit einigen Jahren zu beobachten, dass ältere
Beschäftigte seltener, aber dafür länger fehlten.
Meiste Fehlzeiten im Gesundheitswesen
Bei den Berufen waren Krankheitsausfälle bei Beschäftigten in
Krankenhäusern und Pflegeheimen am häufigsten - sie kamen den
DAK-Daten zufolge im Schnitt auf 22,5 Fehltage. Am wenigsten Fehltage
mit durchschnittlich 12,6 gab es 2025 demnach bei Beschäftigten in
der Datenverarbeitung.
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