Dry January - was bringt der kurze Alkohol-Verzicht? Von Irena Güttel, dpa

Neues Jahr, neuer Vorsatz: kein Alkohol im Januar. Das durchzuhalten,
ist für viele Menschen kein Problem. Wieso es sich lohnt, noch länger
dranzubleiben.

Bonn/Erlangen (dpa) - Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins
neue Jahr. Einer davon ist oft: weniger Alkohol trinken oder sogar
gar keinen - zumindest für eine bestimmte Zeit. Der Januar bietet
sich nach der vielen Feierei am Jahresende dafür besonders an. Viele
setzten deshalb auf einen «Dry January» - also einen «trockenen»,
sprich alkoholfreien Januar. Welche Vorteile hat es, für kurze Zeit
auf Alkohol zu verzichten?

Die ersten Tage ohne Alkohol

Bereits nach kurzer Zeit spürt man nach Angaben des Mediziners Helmut
Seitz von der Universität Heidelberg Veränderungen. Dieser forscht
seit Jahrzehnten zu den Folgen von Alkoholerkrankungen. «Was man
ziemlich schnell merkt, ist, ob man überhaupt aufhören kann zu
trinken - also ob man nur aus schlechter Gewohnheit trinkt oder eine
Abhängigkeit hat.» Wer nicht aufhören könne, sollte sich Hilfe beim

Hausarzt oder Beratungsstellen holen. 

Bei allen anderen sollte sich als allererstes der Schlafrhythmus
verbessern. «In ein paar Tagen merkt man, dass man besser
durchschläft. Die Phasen, in denen man tief und erholsam schläft,
werden länger», sagt Seitz. Dadurch könne sich auch die Konzentration

am Tag verbessern, ergänzt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung (DGE) in Bonn. 

Längere Zeit ohne Alkohol

Wenn man auf Alkohol verzichtet, zeigen sich nach Angaben der
DGE-Expertin innerhalb weniger Wochen positive Anzeichen. «Das ist
natürlich individuell unterschiedlich, aber es gibt in Studien
nachgewiesene Wirkungen.»

Untersuchungen hätten unter anderem gezeigt, dass sich innerhalb
eines Monats die Leberwerte deutlich verbessern könnten, sagt der
Mediziner Peter Dietrich vom Universitätsklinikum Erlangen. «Auch der
Stoffwechsel profitiert rasch.» Langfristig sinke das Risiko für
Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen.

Dass null Promille dem Körper guttun, sieht man einem auch an: Die
Haut werde besser, auch Probleme wie Schuppenflechte gingen zurück,
sagt Seitz. Insgesamt fühle man sich besser und das Immunsystem
stabilisiere sich. «Man bekommt weniger Infekte.» 

Wer einen Monat keinen Alkohol trinkt, kann die Erfolge mitunter auch
auf der Waage sehen. Ein Gramm Alkohol habe durchschnittlich sieben
Kilokalorien, erläutert Seitz. In einem Monat könne man mit Glück
allein durch den Alkoholverzicht ein bis zwei Pfund abnehmen. 

Macht ein kurzer Verzicht überhaupt Sinn?

Ja, meint Seitz. Auch wenn es keine Studien dazu gebe. Er habe aber
die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nach einer Alkoholpause
weniger trinken. «Sie merken, dass es ihnen guttut. Wenn sie vier
Wochen ohne Alkohol schaffen, fällt es ihnen auch künftig leichter,
immer wieder mal zu verzichten.»

Ähnlich sieht es DGE-Expertin Gahl. Viele positive Effekte des
Alkoholfastens stellten sich erst nach einigen Monaten ein, sagt sie.
Dennoch könnten auch kurze Pausen etwas bringen. «Es führt vielleicht

dazu, über die Häufigkeit, die Menge und den Anlass für den
Alkoholkonsum nachzudenken - und man versucht dann vielleicht,
insgesamt weniger zu trinken.»

Wie lässt sich das dauerhaft durchhalten?

Gahl empfiehlt, in kleinen erreichbaren Schritten vorzugehen. «Auch
regelmäßige alkoholfreie Tage wirken sich positiv aus.» So könne ma
n
sich zum Beispiel vornehmen, unter der Woche gar keinen Alkohol zu
trinken. Oder man könne versuchen, sich bei gesellschaftlichen
Anlässen zurückzuhalten und es bei einem Glas zu belassen. «Da muss
jeder für sich selbst schauen, welche Strategie die richtige ist.»

Rituale können ebenfalls hilfreich sein. «Alkohol wird oft
ritualisiert konsumiert», sagt der Erlanger Oberarzt Dietrich. Wer
sich bewusst ein neues Ritual wie einen Tee, einen Spaziergang oder
Sport schaffe, könne leichter verzichten. Außerdem sollte man Alkohol
zu Hause nicht sichtbar lagern und stattdessen alkoholfreie
Alternativen griffbereit aufbewahren. 

Dabei ist ihm zufolge ganz wichtig: Menschen, die viel Alkohol
trinken oder Entzugserscheinungen haben, sollten nur begleitet von
einem Arzt eine Alkoholpause einlegen. Denn ein plötzlicher Entzug
könne gesundheitlich riskant sein, warnt er.

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