«Ungewöhnlich früh»: Pollenallergiker leiden schon

Die Erkältungszeit ist noch nicht vorbei, da stehen die nächsten
Plagegeister vor der Tür: Haselpollen. In einigen Regionen ist der
Flug so stark wie noch nie Mitte Januar.

Essen (dpa) - Ungewöhnlich früh und stark hat im Westen Deutschlands
der Flug von Haselpollen begonnen. Der Deutsche Wetterdienst warnt
für viele Regionen bereits vor einem mittelstarken Pollenflug.
Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen, das Rhein-Main-Gebiet
und der Oberrhein - aber auch Niedersachsen und das Saarland. Dass es
schon Mitte Januar eine so starke Belastung mit Haselpollen gebe, sei
sehr ungewöhnlich, sagt Christina Endler vom Zentrum für
Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Den ersten blühende Haselstrauch hatten die Naturbeobachter des DWD
schon am 10. Dezember gemeldet. Zum Jahreswechsel stand etwa in
Nordrhein-Westfalen schon fast die Hälfte der Haselsträucher in
Blüte. «Das ist außergewöhnlich früh», sagt Endler.

In der östlichen Landeshälfte von Deutschland sind die sogenannten
Frühblüher in ihrer Entwicklung hingegen noch weiter zurück. Dort
habe kühlere Luft die Entwicklung der Haselsträucher gebremst.

Pollenflug verschiebt sich immer weiter

Der Beginn der Pollensaison verschiebt sich durch den Klimawandel
seit Jahren immer weiter nach vorn. Dass Pollenallergiker im Januar
erste Probleme mit tränenden Augen und laufender Nase haben, sei
inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Aber dass es schon Mitte Januar
in so vielen Regionen eine so starken Pollenflug gebe, habe man noch
nicht oft beobachtet, sagt Endler. Im langjährigen Mittel habe sich
der Beginn der Heuschnupfen-Saison innerhalb von 30 Jahren um 16 Tage
nach vorn verschoben. 

Als Hauptgrund dafür gilt, dass sich die Pflanzen durch die immer
milderen Winter früher im Jahr entwickeln. Außerdem legten Studien
nahe, dass das vom Menschen ausgestoßene Kohlendioxid die
Pollenkonzentration unmittelbar fördere, erklärt Endler. Allerdings
werde der Pollenflug sehr stark auch von kurzfristigen
Wetterphänomenen wie Regen oder Sturm beeinflusst. 

«Für einige Allergiker gibt es fast keine Pause mehr»

Pollen sind die häufigsten Auslöser allergischer
Atemwegserkrankungen. Wer allergisch auf sie reagiert, hat häufig
tränende und juckende Augen, außerdem läuft und kitzelt die Nase.

Die Pollenflugsaison reiche inzwischen von Januar bis Oktober, sagt
Karl-Christian Bergmann, Professor für Atemwegs- und
Lungenkrankheiten an der Berliner Charité und Vorsitzender der
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. «Für einige Allergiker
gibt es fast keine Pause mehr.»

Doch auch wenn viele Menschen empfindlicher reagieren, gebe es
Studien zufolge keine messbare Zunahme bei den Allergikern. «Etwa 14
Prozent in der gesamten Bevölkerung haben einen Heuschnupfen. Die
Zahl hat in den vergangenen 20 Jahren nicht signifikant zugenommen»,
sagt Bergmann.

Experte warnt vor abschwellenden Nasensprays

Wer jetzt durch die Haselblüte Probleme bekomme, erhalte in der
Apotheke schon sehr gut wirksame und frei verkäufliche Arzneimittel.
Lediglich mit abschwellenden Nasensprays, die auch im Winter gegen
Schnupfen helfen, sollte man vorsichtig sein. Die Gefahr, dass man
sie während des Pollenflugs zu lang einnehme und damit nachhaltig die
Nasenschleimhaut schädige, sei groß.

In jedem Fall rät der Experte allen Betroffenen, den Gang zum Arzt
nicht zu lang aufzuschieben. «Bei jedem dritten Patienten entwickelt
sich aus einem Heuschnupfen ein Asthma, wenn man sich nicht behandeln
lässt», mahnt er.

«Schaffen Sie sich einen Hund oder eine Katze an»

Einen Tipp hat Bergmann noch für pollengeplagte Eltern, die Sorge
haben, ihre Allergie an die Kinder weiterzuvererben: «Wenn Sie die
räumlichen Möglichkeiten haben, schaffen Sie sich einen Hund oder
eine Katze an.» Kleinkinder aus Haushalten mit einem Haustier hätten
ein messbar niedrigeres Risiko, später einmal an einer Allergie zu
erkranken. «Manche Eltern denken, die müssten alles vermeiden und
ihre Kinder von allen Bakterien fernhalten - aber das ist einfach
nicht richtig», betont der Experte.

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