Was ein Jahr Trump für Forschung und Gesundheit bedeutet Von Christina Horsten und Larissa Schwedes, dpa
Masern-Epidemie, Vogelgrippe und weniger Impfungen: Wie Trumps
Politik Wissenschaftler verunsichert und was das für Studierende und
Talente weltweit bedeutet.
Washington (dpa) - Die Wissenschaft sei das «Juwel in der Krone
unseres Landes», sagte der US-Materialforscher Omar Yaghi im
vergangenen Jahr, kurz nachdem ihm und zwei Kollegen der Nobelpreis
für Chemie verliehen wurde. «Also können wir nicht zulassen, dass uns
das entgleitet.»
Genau das aber passiere, seitdem US-Präsident Donald Trump am
Dienstag vor einem Jahr (20. Januar) seine zweite Amtszeit angetreten
hat, beschreiben viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die
Situation. Trumps Unterstützer und vor allem die des umstrittenen
Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. und seiner Bewegung «Make
America Healthy Again» (MAHA) feiern dagegen die drastischen
Veränderungen.
Universitäten und Forschungseinrichtungen
Viele der renommiertesten Universitäten und Forschungseinrichtungen
des Landes erleben immensen Druck. Die US-Regierung wirft ihnen vor,
Bastionen des Antisemitismus und der ideologischen Indoktrinierung zu
sein und droht mit Etatkürzungen und Stellenstreichungen. Einige
Universitäten sind deshalb eingeknickt, andere verhandeln oder
versuchen, vor Gericht dagegen anzukämpfen wie beispielsweise
Harvard.
Klimaforschung
Einige Forschungsbereiche bekommen den Druck der Regierung besonders
stark zu spüren - allen voran die Klimaforschung, da Trump den
menschengemachten Klimawandel leugnet. Drastische Budgetkürzungen
unter anderem bei der National Oceanic and Atmospheric Administration
(NOAA), den Erderforschungsprogrammen der US-Raumfahrtbehörde Nasa
und bei anderen Klimaforschungseinrichtungen und -programmen sind
vorgeschlagen. Der US-Kongress hat jedoch zumindest teilweise
Widerstand angekündigt. Auch aus dem Weltklimarat IPCC, in dem
Forscherinnen und Forscher aus aller Welt regelmäßig den aktuellen
Stand der Klimaforschung zusammenfassen, ziehen sich die USA zurück.
Impfungen
Nach nur rund einem Monat im Amt feuerte Gesundheitsminister Kennedy
im August die Leiterin der Zentren zur Kontrolle und Prävention von
Krankheiten (CDC), Susan Monarez. Sie war unter anderem beim Thema
Impfungen mit Gesundheitsminister Kennedy aneinandergeraten, der
diesen sehr skeptisch gegenübersteht.
Anfang des Jahres verkündete die Trump-Regierung nun, dass für Kinder
künftig nur noch zu 11 und nicht mehr zu 18 Immunisierungen geraten
werde - auch wenn weiterhin alle Impfungen möglich seien. Kinderärzte
kritisierten die neuen Empfehlungen scharf.
Masern
Gegen Masern wird noch eine Impfung empfohlen. Trotzdem kämpfen die
USA gerade gegen eine Masern-Epidemie. Rund 2.500 Fälle wurden seit
Anfang 2025 dokumentiert, drei Menschen starben.
Kennedy verwies in Interviews zunächst auf Vitamin A und Lebertran
als Heilmittel, bevor er angesichts der dramatischen Entwicklung eine
Impfung als wirksamste Methode zur Eindämmung der Verbreitung nannte.
Für die kommenden Wochen erwarten Experten, dass die
Weltgesundheitsbehörde WHO verkündet, dass die USA nicht mehr
masernfrei sind. Bereits im November hatte die WHO Kanada den
entsprechenden Status entzogen. Trump hat vor einem Jahr den Ausstieg
seines Landes aus der WHO erklärt.
2016 hatte die Behörde noch mitgeteilt, dass die hochansteckende
Virusinfektion in ganz Nord- und Südamerika ausgerottet sei - als
weltweit erste Region. Dafür darf es unter anderem zwölf Monate lang
keine anhaltenden lokalen Übertragungen geben. Masern gehören zu den
ansteckendsten Infektionskrankheiten und können in Extremfällen
lebensbedrohlich sein.
Vogelgrippe
Seit 2022 grassiert die größte je dokumentierte Vogelgrippewelle, die
sich über mehrere Erdteile erstreckt. Der Erreger befällt vor allem
Vögel, wurde aber auch schon bei vielen Säugetieren gefunden - in den
USA auch bei Milchkühen. Auch rund 70 Fälle beim Menschen wurden in
den USA dokumentiert, zwei Menschen starben.
Experten kritisieren, es werde viel zu wenig getan, um die
Vogelgrippe in den USA zu überwachen und einzudämmen. Damit wachse
die Sorge vor einer weiteren Pandemie.
Ernährung
Minister Kennedy würde gern die Ernährung der Amerikaner umstellen:
Mehr Proteine, Obst, Gemüse und Vollkorn - weniger Alkohol, Zucker
und hoch verarbeitete Lebensmittel. Dazu hat er neue Empfehlungen
veröffentlicht. Größtenteils stimmen sie mit den Empfehlungen der
meisten Wissenschaftler überein - nur der Fokus auf Protein und den
Verzehr von Fleisch von Säugetieren wie Rindfleisch stößt auf
Stirnrunzeln. Außerdem spricht Kennedy immer wieder davon, dass
hauptsächlich Rindertalg zum Braten verwendet werden solle - was
viele Experten verwundert ablehnen.
Eine Chance für Deutschland?
In Deutschland macht sich deutlich bemerkbar, wie sich der Wind in
den USA gedreht hat. In einer Umfrage des Deutschen Akademischen
Austauschdienstes (DAAD) unter US-Universitäten gaben Ende des
vergangenen Jahres 67 Prozent der teilnehmenden Hochschulen an, das
Interesse von Studierenden in den USA an einem Studium in Deutschland
sei gestiegen. Bei Nachwuchsforschern waren es 70 Prozent, bei
Professorinnen und Professoren 68 Prozent.
Von der Max-Planck-Gesellschaft heißt es mit Blick auf die
Leitungsstellen von Forschungsgruppen, die Zahl der Bewerbungen aus
den USA habe sich verdoppelt. In einem speziellen Programm zur
Frauenförderung - dem Liese-Meitner-Exzellenzprogramm - seien es
sogar dreimal so viele. «Das wird jetzt einige Karrieren
durcheinander wirbeln», sagt eine Sprecherin der Gesellschaft auf
Anfrage. Man werde versuchen, einige Talente zu halten und zu
gewinnen.
Auch von der Fraunhofer-Gesellschaft heißt es, die USA - einst
«zentraler Anziehungspunkt für internationale wissenschaftliche
Talente» - hätten an Attraktivität verloren. «Davon profitieren
Europa insgesamt und Deutschland im Besonderen.» Allerdings gebe es
unter anderem durch tarifliche Regelungen noch immer deutliche
Einkommensunterschiede, weshalb Forschungspositionen in den USA
trotzdem weiter Anziehungskraft hätten.
Das Bundesforschungsministerium hat in Kooperation mit etablierten
Förderern und Organisationen im vergangenen Jahr ein
1.000-Köpfe-Plus-Programm ins Leben gerufen, mit dem internationalen
Forschern in Deutschland Perspektiven und «ein sicherer Hafen der
Wissenschaftsfreiheit» geboten werden sollen. Im Dezember hieß es,
die ersten 166 Wissenschaftler aus 25 Ländern seien ausgewählt
worden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gab an, in einem ersten
Schritt Bewilligungen in Höhe von zwölf Millionen Euro ausgesprochen
zu haben.
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