Angeklagte schweigt zum Mordvorwurf an Nachbarin

Eine Rentnerin wird brutal im Keller getötet. Als mutmaßliche Täterin

sitzt ihre Nachbarin auf der Anklagebank, die sich einst um die Frau
kümmerte. Laut Staatsanwaltschaft ging es um Geld.

Meiningen (dpa/th) - Zum Prozessauftakt um den gewaltsamen Tod einer
Rentnerin in Brotterode hat die Angeklagte geschwiegen. Der
50-Jährigen wird in dem Verfahren vor dem Landgericht Meiningen Mord
vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll sie im vergangenen Juni
eine 78 Jahre alte Nachbarin unter einem Vorwand in den Keller des
Mehrfamilienhauses gelockt haben, um sie dort zu töten, weil sie an
deren Geldkarten gelangen wollte. 

Die Angeklagte habe grausam, aus Habgier und zur Ermöglichung einer
Straftat gehandelt, sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der
Anklageschrift. Sie soll bei dem Kampf die Seniorin ins Gesicht
geschlagen, mit den Händen und einer Wäscheleine gewürgt und sie mit

voller Wucht gegen die Waschmaschine gestoßen haben. Schließlich habe
sie mehrfach auf die 78-Jährige eingestochen. Die Seniorin
verblutete.

Geld vom Konto abgehoben

Die Angeklagte soll im Anschluss aus der Wohnung der Rentnerin deren
EC-Karten gestohlen und mit diesen in den folgenden Tagen 5.500 Euro
von drei verschiedenen Konten des Opfers abgehoben haben. 

Zeugen sagten aus, dass sich die Angeklagte früher um die Rentnerin
als eine Art Betreuerin gekümmert und ihr unter anderem mit Fahrten
zum Einkaufen und zum Arzt geholfen habe. Eine Fußpflegerin
berichtete im Zeugenstand, wie es zum Bruch zwischen den beiden
Frauen kam. Auslöser sei eine Überweisung über 2.400 Euro gewesen,
die vom Konto der Rentnerin an den Sohn der Angeklagten gehen sollten
- dann aber von der Bank wegen Unleserlichkeit nicht akzeptiert
wurde. 

Zerbrochenes Vertrauen

Die Fußpflegerin schilderte, wie enttäuscht die Rentnerin von der
Angeklagten gewesen sei. Sie habe diese zur Rede gestellt, die
50-Jährige habe den Betrug jedoch bestritten. Die Rentnerin habe von
da an panische Angst vor der Angeklagten gehabt und auch ihr
Türschloss auswechseln lassen, sagte die Zeugin weiter. 

Ein Altenpfleger berichtete von einer E-Mail im Juni 2025 an den
Pflegedienst, der hauswirtschaftliche Aufgaben für die Frau
erledigte. Darin habe angeblich die Nichte der Rentnerin mitgeteilt,
dass die 78-Jährige in den Urlaub gefahren sei und erst später wieder
versorgt werden müsse. Dem Altenpfleger sei das ungewöhnlich
erschienen, weshalb er nachforschte und schließlich die Polizei
informierte.

Die Angeklagte sitzt seit ihrer Festnahme im Juni vergangenen Jahres
in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind bis Anfang März noch
neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

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