«Artemis 2»: Start der bemannten Mondumrundung rückt näher Von Christina Horsten, dpa

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sollen in diesem Jahr
wieder Menschen in die Nähe des Mondes fliegen. Die letzten
Vorbereitungen laufen, bald soll es losgehen.

Washington (dpa) - Mit der «Artemis 2»-Mission der
US-Raumfahrtbehörde Nasa sollen in diesem Jahr erstmals seit mehr als
einem halben Jahrhundert wieder Menschen in die Nähe des Mondes
fliegen. Das Raketensystem soll dafür an diesem Samstag (17. Januar)
aus der Werkshalle heraus zum Startplatz gebracht werden. Für Ende
des Monats ist dann ein unbemannter Bodentest geplant. Bei dem
sogenannten «Wet Dress Rehearsal» werden bis auf den eigentlichen
Start alle Abläufe getestet. 

Wer soll fliegen?

Die Crew der «Artemis 2»-Mission besteht aus der US-Astronautin
Christina Koch (geboren am 29. Januar 1979), ihren US-Kollegen Victor
Glover (30. April 1976) und Reid Wiseman (11. November 1975) und dem
kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen (27. Januar 1976). 

Für Glover, Koch und Wiseman wäre es der zweite Flug ins All, für
Hansen der erste. Koch wäre die erste Frau an Bord einer Mond-Mission
der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste
Kanadier. 

«Artemis 2» sei «mehr als eine Mission», hatte Glover nach der
Crew-Bekanntgabe im April 2023 gesagt. «Es ist der nächste Schritt
auf dem Weg, der die Menschheit zum Mars bringen wird und diese Crew
wird das nie vergessen.» 

Wann soll geflogen werden? 

Das «Artemis»-Programm - benannt nach der Göttin des Mondes und
Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie
- wurde von der Nasa 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine
bemannte Mondlandung («Artemis 3») bis 2024 vor. Seitdem kam es aber
schon mehrfach zu Verschiebungen. 

Nach dem erfolgreichen unbemannten Testflug «Artemis 1» im Jahr 2022
- der auf zahlreiche technische Schwierigkeiten, Kostenexplosionen
und Verschiebungen folgte - ist «Artemis 2» nun für «die erste
Jahreshälfte 2026» angesetzt. Das anvisierte Startfenster öffnet sich

am 6. Februar und schließt am 6. April. 

Wie soll der Flug genau ablaufen?

«Artemis 2» baut auf den Erfahrungen von «Artemis 1» auf. Mit der
Rakete «Space Launch System» sollen die vier Astronauten vom
Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abheben. An
Bord der «Orion»-Kapsel sollen sie dann etwa zehn Tage lang um den
Mond herumfliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde
aufkommen soll. 

Der Flugverlauf gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die
vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer
zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370.000
Kilometer von der Erde entfernt, etwa 7.500 Kilometer hinter der
erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie
dann Erde und Mond gleichzeitig sehen. Die Astronauten der «Apollo
8»-Mission näherten sich bei ihrer Umrundung dem Mond 1968 sogar bis
auf etwa 113 Kilometer an.

Was machen die Astronauten währenddessen in der «Orion»-Kapsel?

Die «Orion»-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu
Testzwecken werden die Astronauten aber immer wieder auch manuell
steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihren eigenen
Gesundheitszustand mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und
Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch
Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.

Außerdem müssen sie in der Enge der Kapsel leben und arbeiten.
Schlafen sollen sie in an der Wand befestigten Schlafsäcken. Reinigen
können sie sich unter anderem mit Feuchttüchern, Flüssigseife,
Waschlappen sowie Zahnbürsten und Zahnpasta. Es gibt ein eigenes Klo
mit Tür.

Das Essen ist ähnlich dem auf der ISS, nur noch etwas limitierter.
Beispielsweise muss das meiste bei Raumtemperatur verzehrt werden,
denn der Essenswärmer hat nur sehr begrenzte Kapazitäten. 

Mindestens eine halbe Stunde pro Tag sollen die Astronauten mit Sport
verbringen. Ein Gerät hilft ihnen dabei beispielsweise Ruder-Übungen
zu machen. Außerdem hat jeder ein Tablet und einen Laptop, wo sie per
Wifi mit der Erde kommunizieren können. Auch ein paar Filme und
Spiele sind heruntergeladen.

Wie soll es danach mit dem «Artemis»-Programm weitergehen?

Die bemannte Mondlandung «Artemis 3» ist derzeit für 2027 anvisiert.

Danach sind weitere Missionen geplant. Zudem soll am Mond ein
Außenposten namens «Gateway» entstehen, in dem Astronauten leben und

arbeiten können. Auch unter anderem Rover und ein Atomkraftwerk für
den Mond sind in Planung. 

Was kostet das Ganze?

2021 hatte der damalige Generalinspekteur der Nasa geschätzt, dass
die Kosten für das «Artemis»-Programm bis 2025 auf 86 Milliarden
Dollar steigen würden, deutlich mehr als anfangs veranschlagt. Es sei
die «ehrgeizigste und teuerste Aktivität» der Nasa, hieß es. Seitde
m
dürfte noch einiges an Kostensteigerungen hinzugekommen sein,
zusätzlich zu den weiter laufenden Kosten. «Artemis 2» alleine dürf
te
sich laut Expertenschätzungen auf etwa vier Milliarden Dollar
belaufen.

Vorherige Pläne für eine Rückkehr der USA zum Mond waren ebenfalls

krisengeplagt und letztendlich immer wieder gescheitert. Das vom
früheren US-Präsidenten George W. Bush unterstützte
«Constellation»-Programm beispielsweise, das bemannte Mondlandungen
vorgesehen hatte, wurde von seinem Nachfolger Barack Obama wegen zu
hoher Kosten wieder abgesägt.

Das «Apollo»-Programm hatte insgesamt rund 28 Milliarden Dollar
gekostet, das wären heutzutage etwa 280 Milliarden. 

Wann waren zuletzt Menschen auf dem Mond?

Am 20. Juli 1969 wurde Neil Armstrong zum ersten Menschen auf dem
Mond - und kommentierte das mit dem berühmt gewordenen Satz: «Das ist
ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für
die Menschheit.»

Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017
gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der «Apollo 17»-Mission
den Erdtrabanten. «Wir gehen, wie wir gekommen sind, und so Gott es
will, werden wir so auch wieder zurückkommen - mit Frieden und
Hoffnung für die gesamte Menschheit.»

Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den
«Apollo»-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den
Mond. Das Programm brachte viele Erfolge, aber auch einige Tragödien:
Noch vor dem Start von «Apollo 1» tötete 1967 ein Feuer bei einem
Test drei Astronauten. 1970 musste die «Apollo 13»-Mission nach der
Explosion eines Sauerstofftanks umkehren. 

Warum will die Nasa Menschen zurück zum Mond schicken?

«Für wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und um
eine neue Generation von Entdeckern zu inspirieren» heißt es dazu
offiziell von der Nasa. Zudem sei die Rückkehr zum Mond auch eine Art
Sprungbrett auf dem Weg zum Mars. 

Strategisch symbolisiert die Rückkehr zum Mond technologische und
geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte
Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu
sichern und internationale Kooperationen prägen zu können.
US-Präsident Donald Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins
Leben gerufen worden war, würde es auch als persönlichen Erfolg
verbuchen wollen.

Wer macht bei «Artemis» noch mit - ist Europa auch dabei?

Die Nasa stemmt das «Artemis»-Programm nicht alleine. Viele private
Raumfahrtunternehmen sind involviert - darunter beispielsweise auch
Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und SpaceX von
Tech-Milliardär Elon Musk. 

Zudem gibt es internationale Partner, vor allem die
Raumfahrtprogramme von Kanada, Japan, den Vereinigten Arabischen
Emiraten - und die europäische Raumfahrtbehörde Esa. Die Esa steuert
unter ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die
«Orion»-Kapsel bei, sowie zahlreiche Bestandteile für «Gateway» u
nd
die geplante Mondlandung bei «Artemis 3». 

Darüber hinaus gibt es die sogenannten «Artemis Accords», eine
internationale Vereinbarung zur Förderung der Zusammenarbeit in der
Weltraumforschung, der sich bereits mehrere Dutzend Länder
angeschlossen haben, darunter auch Deutschland. 

Darf denn auch ein deutscher Astronaut bald mitfliegen?

Die Chancen stehen nicht schlecht. Esa-Chef Josef Aschbacher hatte
vor kurzem verkündet, dass Deutschland als erstes an der Reihe sei,
wenn es um Esa-Astronauten für Mondmissionen gehe. Wer genau das sein
könnte, ist noch nicht entschieden. Die deutschen Esa-Astronauten
Alexander Gerst (49) und Matthias Maurer (55) haben beide mehrfach
betont, wie gerne sie zum Mond fliegen würden. Sie kämen allerdings
frühestens für «Artemis 4» in Frage. 

Welche Länder wollen sonst noch zum Mond?

Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen
zum Mond. Größter Konkurrent der USA ist China mit dem vorgegebenen
Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will
mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen
wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen.

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