Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen Von Alexander Sturm, Khang Mischke und Frank Johannsen, dpa

«America first» verspricht Donald Trump - und lässt kaum einen Stein

auf dem anderen. Seine Zollpolitik hat schwere Folgen für
Deutschland. Dem obersten US-Gericht kommt nun eine zentrale Rolle
zu.

Washington/Frankfurt (dpa) - Ob aus Gründen der «nationalen
Sicherheit» oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist
für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt

als sein «Lieblingswort» bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien
oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle
eine wesentliche Rolle. 

Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte am
Samstag Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden,
Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie
würden zunächst ab dem 1. Februar 10 Prozent auf sämtliche Waren
betragen. Ab 1. Juni sollen sie auf 25 Prozent klettern. Dieser Zoll
sei fällig, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassend
en
Kauf Grönlands» erzielt sei. 

Trump besteht darauf, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der
nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. Die
Ankündigung Trumps kam nur kurz vor Unterzeichnung des
Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen
Staatenbund Mercosur, der den Abbau von Zollbarrieren vorsieht. 

Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen
für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU
und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die
meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht. Doch
Brüssel musste große Zugeständnisse machen - etwa den zollfreien
Import von amerikanischen Autos nach Europa. 

Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche
Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sich Trumps Zölle bereits heute
auswirken. 

Dauer-Schock für die Konjunktur 

«Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft
und treffen sie gleich dreifach», sagte Lisandra Flach, Leiterin des
Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. «Erstens, weil Deutschland weniger

in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft
treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens,
weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren
verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz
macht.» 

Schwere Last für Exporteure 

Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem
wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in
die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist
im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut
Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter
Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem
gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge
schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in
Deutschland ab. 

Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo zufolge das Wachstum der
deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es
0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem
Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur
und Verteidigung sowie weiterer Entlastung für die Wirtschaft
erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps
Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den
Weltmärkten verteuert. 

Autobranche leidet 

Gerade die deutsche Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die
USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten, vor allem
für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche
härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im
August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber
immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. 

In der Folge brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA ein.
«Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv
getroffen», sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen
verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo
sie verkauft werden. «Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist
das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells. Für
die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich
Gift.» 

Maschinenbau und Stahl unter Druck 

Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den
ersten zehn Monaten 2025 sind die Stahlexporte in die USA nach
Branchenangaben um elf Prozent zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Die
Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in
Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die
Produktion laut Branchenverband VDMA das dritte Jahr nacheinander
geschrumpft, die Folge sind Jobabbau und Kurzarbeit in vielen
Betrieben. 

Nur wenige Ausnahmen 

Nur wenige Bereichen bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagt
Ifo-Ökonomin Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht
betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von
Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit
zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. «Diese beiden

Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.» 

Folgen für Patienten? 

Da Trump die Arzneipreise in den USA senken will, hat er auch den
Gesundheitsmarkt ins Visier genommen. Als Zugeständnis haben eine
Reihe von Pharmakonzernen angekündigt, Milliarden in den USA zu
investieren und Arzneien mit Rabatt über den von Trump initiierten
Direktvertrieb «TrumpRX» zu verkaufen. 

Doch müssen Arzneihersteller die Preise im lukrativen US-Markt
senken, dürften sie versuchen, höhere Preise woanders durchzusetzen.
Kurzfristige Preissprünge in Deutschland sind aber nicht zu erwarten,
denn der Markt für verschreibungspflichtige Medikamente ist streng
reguliert und viele Lieferverträge sind langfristig angelegt. 

Konzerne knicken vor Trump ein 

Einige Unternehmen haben auf Trumps Druck reagiert. So sagte der
Pharmakonzern Merck zu, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in
den USA deutlich günstiger anzubieten. Im Gegenzug soll der
Dax-Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er
in die Produktion und Forschung in Amerika investiert. Einem
ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kürzlich
Boehringer Ingelheim an. Auch VW-Chef Oliver Blume mühte sich um
einen Deal mit den USA - und lockte mit Investitionen.

Was die Zölle den USA bringen 

Die Zölle auf Importe aus aller Welt bringen den USA riesige
Einnahmen. Sie liegen nach Angaben des Weißen Hauses bei umgerechnet
rund 200 Milliarden Euro. Damit bleibt die Summe hinter Erwartungen
zurück: Im Juli hatte US-Finanzminister Scott Bessent noch 300
Milliarden Dollar bis Jahresende in Aussicht gestellt. 

Wo neue Zölle drohen 

Auch wenn es einen Deal mit der EU gibt: Vor Trumps wankelmütiger
Zollpolitik kann sich kaum eine Branche sicher fühlen. Bangen müssen
etwa Hersteller von Polstermöbeln, Küchenschränken und Waschtischen.

Trump hatte zunächst eine Zollerhöhung für den 1. Januar 2026
angepeilt, diese aber an Silvester um ein Jahr verschoben.

Funkt das oberste US-Gericht Trump dazwischen? 

Aber nicht alle in den USA sind von Trumps Zöllen angetan. Jene, die
Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende
Handelspartner verhängte, werden vor dem Obersten Gericht der USA
verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz überschritten
hat. 

Dabei geht es auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA
exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch
aus. Unklar ist, welchen konkreten Einfluss der Prozessausgang auf
den Zolldeal zwischen EU und USA hat - etwa, ob die US-Zölle dann
gekippt werden könnten. 

Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheide, bedeute das
aber nicht zwingend das Ende seiner Zollpolitik, meint Adam Hersh,
Ökonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe
noch andere gesetzgeberische Wege, um Zölle durchzusetzen - auch
weiter ohne Zustimmung des Kongresses.

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