Viele Kinder mit Grippe im Krankenhaus
Die Grippewelle nimmt an Fahrt auf. Immer mehr Menschen stecken sich
an, einige müssen ins Krankenhaus. Experten mahnen: Influenza ist
eine ernstzunehmende Krankheit und kein «Schnüpfchen».
Berlin (dpa) - Die meisten Kinder, die zurzeit wegen einer akuten
Atemwegsinfektion ins Krankenhaus kommen, haben eine Grippe. «Im
Moment liegen die Influenza-Fälle über denen mit Sars-Cov-2 und RSV»,
sagt Nicole Töpfner, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für
Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Presse-Agentur.
Keine Hinweise auf mehr schwere Verläufe
Über die Weihnachtsferien sei die Zahl der stationären Aufnahmen
leicht zurückgegangen. Seit dem Ende der Ferien steige sie wieder.
Nach Einschätzung der Ärztin ist das aktuelle Geschehen aber nicht
unüblich. Die Zahl der Grippefälle liege im erwartbaren Bereich. «Es
gibt keine Hinweise auf mehr schwere Verläufe als in den Vorjahren»,
so Töpfner, die Oberärztin an der Pädiatrische Infektiologie des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden ist.
Die Informationen der DGPI beruhen auf den Angaben von rund 50
Kinderkliniken in ganz Deutschland, die wöchentlich die Zahl der
akuten Atemwegsinfektionen melden.
Grippewelle nimmt an Fahrt auf
Influenzaerkrankungen betreffen zurzeit alle Altersgruppen, wie das
Robert Koch-Institut in seinem aktuellen Wochenbericht zu akuten
Atemwegsinfektionen berichtet. Die im Abwasser gemessene Viruslast
des Influenza-Typs A ist den Angaben zufolge in den vergangenen
Wochen deutlich gestiegen. Die Influenza B-Viruslast lag auf einem
niedrigen Niveau.
Dass immer mehr Menschen an der saisonalen Grippe erkranken, zeigt
sich auch an den Meldedaten: In der Woche vom 5. bis 11. Januar
wurden dem RKI bislang knapp 20.500 labordiagnostisch bestätigte
Grippefälle gemeldet. In der Woche zuvor waren es rund 14.930. Die
Werte können sich durch später eingehende Meldungen noch ändern. Da
nur noch selten getestet wird, ist von einer hohen Dunkelziffer
auszugehen.
Schwere Verläufe in allen Altersgruppen
Schwere Influenza-Verläufe traten vergangene Woche in allen
Altersgruppen auf, wie aus Daten von Krankenhäusern hervorgeht. Bei
mehr als jedem zweiten Patienten zwischen 2 und 34 Jahren, der wegen
einer schweren akuten respiratorischen Infektion (Sari) ins
Krankenhaus musste, wurde laut RKI Influenza diagnostiziert.
Eine Grippe beginnt meistens plötzlich mit Fieber oder einem
deutlichen Krankheitsgefühl. Zusätzlich können Muskel- und
Kopfschmerzen und nachfolgend ein trockener Husten eintreten. Eine
Grippe kann aber auch weniger typisch und ohne Fieber verlaufen.
Zu wenige Kinder mit erhöhtem Risiko sind geimpft
Die Impfung gegen die saisonale Influenza wird Menschen empfohlen,
die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Dazu zählen
unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, medizinisches
Personal, Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
sowie Menschen mit Vorerkrankungen, auch Kinder.
Laut der Kinderärztin Nicole Töpfner sind Kinder mit einem erhöhten
Risiko für einen schweren Verlauf viel zu selten geimpft. «Die
Impfung wird nicht gut angenommen.»
135.000 Influenza-Fälle in den Kliniken
Kinder tragen den Angaben der Deutschen Interdisziplinären
Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) zufolge erheblich
zur Verbreitung der jährlichen Influenza-Epidemie bei. Die Experten
fordern daher, eine Influenza-Impfung für alle ab dem sechsten
Lebensmonat. Die Grippesaison würde dann deutlich anders verlaufen,
so die Meinung der Experten.
In der Saison 2024/2025 wurden in den Kliniken laut Divi 135.000
Influenza-Fälle behandelt, davon 30.000 Kinder.
Das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle
haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts ältere Menschen. Die
Zahl der Todesfälle könne bei den einzelnen Grippewellen stark
schwanken, von mehreren hundert in einer Saison bis mehr als 25.000
in der Saison 2017/18. Diese Saison sind bisher 225 Todesfälle an das
RKI übermittelt worden. 95 Prozent seien 60 Jahre oder älter gewesen.
Influenza ist kein «Schnüpfchen»
Influenza ist eine ernstzunehmende Krankheit und kein «Schnüpfchen»,
wie Ärztinnen und Ärzte der Divi immer wieder betonen. Gerade Kinder
könnten schwer an dem Virus erkranken.
Wie ist die Lage auf den Intensivstationen, auch auf denen für
Erwachsene? Derzeit sei dem Divi nicht bekannt, dass es größere
Versorgungsengpässe auf den Intensivstationen gebe, sagte eine
Sprecherin. Ein Drittel der Intensivstationen in Deutschland meldeten
derzeit einen eingeschränkten Betrieb. Das bedeutet, dass geplante
Operationen verschoben werden müssen, um akute Fälle behandeln zu
können.
Ob die hohe Auslastung im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen liege,
könne sie anhand der Meldedaten nicht sagen, erklärte die Sprecherin.
Vergangenes Jahr hätten zu dieser Zeit aber deutlich mehr
Intensivstationen eingeschränkt arbeiten müssen. Der Wert sei also
noch moderat.
Den Daten des RKI zufolge wurde vergangene Woche bei 34 Prozent der
Sari-Fälle, die intensivmedizinisch behandelt wurden, Influenza
diagnostiziert.
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