Psychotherapeuten: Kinder und Jugendliche besser schützen

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden so massiv gemobbt oder
erhalten schlimme Bilder, dass sie professionelle Hilfe brauchen.
Psychotherapeuten fordern die Gesellschaft zum Handeln auf.

Magdeburg (dpa/sa) - Die psychische Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen hat sich aus Sicht der Ostdeutschen
Psychotherapeutenkammer immer weiter verschlechtert. «Das sehen wir
in den internationalen Studien, das sehen wir in den deutschen
Gesundheitsstudien und das erleben wir in der Versorgung in
Sachsen-Anhalt», sagte die Vizepräsidentin der Ostdeutschen
Psychotherapeutenkammer, Sabine Ahrens-Eipper. «Wir sehen, dass der
Behandlungsbedarf kontinuierlich steigt.» Die Praxen seien voll bis
unter das Dach. Es fehlten nach wie vor psychotherapeutische Plätze
insbesondere auf dem Land.

Problemfeld soziale Medien

Die Kinder und Jugendlichen seien mit zahlreichen Krisen
konfrontiert. Die Pandemie sei für sie schwer zu verkraften gewesen.
Die Nutzung digitaler Medien stelle einen weiteren Mosaikstein dar. 

Besonders besorgniserregend sei die digitale sexualisierte Gewalt,
die deutlich zunehme, so Ahrens-Eipper. Ein Drittel aller Kinder und
Jugendlichen habe schon sexuelle Gewalt im Internet erlebt, wie
Kriminalstatistiken zeigten. «Gewalt wird zunehmend massiver und
häufiger.» Der aktuelle gesellschaftliche Schutz reiche nicht aus, so
die Vizepräsidentin. Handys gehörten nicht in die Hände von Kindern
im Kita- und Grundschulalter. 

Kinder und Jugendliche seien mit Themen wie Essstörungen und
Selbstverletzungen konfrontiert, Mobbing im Klassenchat gehöre zur
Tagesordnung. «Dem sind Kinder und Jugendliche nicht gewachsen. Wir
erleben das in den Praxen zunehmend. Wir sind aber als
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nicht das Pflaster für
gesellschaftliche Fehlentwicklungen, sondern hier ist die
Gesellschaft in der Verantwortung: die Familien, die Schulen und auch
der Gesetzgeber. Wir müssen Kinder und Jugendliche in den sozialen
Medien schützen», betonte Ahrens-Eipper. 

Schauen, was altersangemessen ist und was verboten gehört

Es gehe nicht darum, das Internet zu verbieten. Vielmehr müsse
differenziert werden, was altersangemessen sei, was Kinder und
Jugendliche alleine dürften, wo sie Unterstützung bräuchten und was
schlicht verboten gehöre.

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