Kritik an Arzt-Tätigkeit des Magdeburger Todesfahrers
Zweifel gab es schon früh im Kollegium im Maßregelvollzug in
Bernburg: Im Untersuchungsausschuss erklären ehemalige Kollegen des
Magdeburger Todesfahrers, wie sie den Arzt wahrnahmen.
Magdeburg (dpa/sa) - Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum
Magdeburg-Anschlag ist erneut deutlich geworden, dass Kollegen an den
fachlichen Qualifikationen des Arztes gezweifelt haben, der später
den Anschlag verübte. Die heutige therapeutische Leiterin hatte
bereits vor Ablauf der Probezeit Bedenken zur Weiterbeschäftigung des
Mannes geäußert. Sie habe ihn nicht als Unterstützung erlebt, sagte
sie. «Er stellte keine fachlichen Fragen.» Eine Vorgesetzte habe sich
jedoch für eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses ausgesprochen.
Auch andere Kollegen zweifelten an der fachlichen Kompetenz des
Mannes. Die Zeugin berichtete von einer Kollegin, die hinterfragte,
ob er wirklich Arzt sei. Außerdem habe Taleb al-Abdulmohsen insgesamt
zurückhaltend agiert, sein Tätigkeitsfeld sei begrenzt worden.
Kein «Fingerspitzengefühl» bei therapeutischer Betreuung
Die Zeugin berichtete weiterhin, dass der Arzt kurz nach seiner
Einstellung Alkoholtropfen zur Behandlung an Suchtpatienten
verabreicht haben soll. Ihm habe «Fingerspitzengefühl» für eine
therapeutische Betreuung gefehlt.
Auch die stellvertretende ärztliche Leiterin sagte im Ausschuss, dass
mehrere Entscheidungen von al-Abdulmohsen erklärungsbedürftig gewesen
seien. Sie habe sich bei ihrem Vorgesetzten erkundigt, ob der Mann
Facharzt sei. Dieser habe das bestätigt, sagte die stellvertretende
ärztliche Leiterin.
Handy auf Station vergessen
Die beiden Zeuginnen schilderten zudem einen Vorfall aus dem Jahr
2024, als der Arzt sein Handy auf einer Station vergessen hatte. Dies
sei ein sicherheitsrelevanter Verstoß gewesen, sagte die
therapeutische Leiterin. Der Arzt sei ermahnt worden.
CDU-Obfrau Kerstin Godenrath erklärte, es habe gravierende Zweifel an
der fachlichen und menschlichen Eignung für die ärztliche Tätigkeit
gegeben. «Es gab so viele einzelne unerklärliche Vorkommnisse, dass
es schwierig ist zu verstehen, wie es dazu kam, dass Taleb A. bis zum
mörderischen Anschlag beim größten Unternehmen des Landes arbeiten
konnte», so Godenrath. «Es drängt sich der massive Eindruck auf, dass
Taleb A. tun und lassen konnte, was er wollte.»
Taleb al-Abdulmohsen war im Dezember 2024 mit einem Auto über den
Weihnachtsmarkt von Magdeburg gefahren. Sechs Menschen wurden
getötet, mehr als 300 wurden zum Teil schwerst verletzt. Derzeit
läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Mann aus
Saudi-Arabien. Er arbeitete im Maßregelvollzug in Bernburg
(Salzlandkreis) beim Gesundheitsunternehmen Salus als Stationsarzt,
sein Aufgabengebiet umfasste die psychiatrische Betreuung von
Straftätern.
Damals sei eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung nicht erkennbar
gewesen, sagte die heutige therapeutische Leiterin im Ausschuss. Es
habe Hinweise auf Einschränkungen in der Fachlichkeit gegeben, «aber
die Tat als solche war für niemanden vorhersehbar».
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