201 Menschen im Nordosten warten auf ein Spenderorgan
Bundesweit ist die Zahl der Organspenden gestiegen, aber weiterhin
fehlen Spender. Die Schweriner Gesundheitsministerin fordert deshalb
vom Bundestag die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung.
Schwerin (dpa/mv) - In Mecklenburg-Vorpommern warten derzeit 201
Menschen auf ein Spenderorgan. Das teilte die Deutsche Stiftung
Organtransplantation (DSO) in ihrer Jahresbilanz für 2025 mit. 148
Menschen im Nordosten warten demnach auf eine Spenderniere.
22 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben den Angaben zufolge im
vergangenen Jahr Organe gespendet, genauso viele wie 2024. 2023 waren
es 25 Organspender. Jeder von ihnen spendet im Bundesdurchschnitt
etwa drei Organe.
Organspenden auf höchstem Stand seit 2012
Bundesweit waren es nach Zahlen der DSO 985 Spenderinnen und Spender
im vergangenen Jahr. Das seien 32 mehr als im Jahr 2024 und
entspreche im Bundesdurchschnitt 11,8 Organspenderinnen und
Organspendern pro einer Million Einwohner (MV: 14,0). Mit dieser
Steigerung um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreiche die
Organspende in Deutschland den höchsten Stand seit dem Jahr 2012.
«Dass wir 2025 so viele Organspenderinnen und Organspender
verzeichnen wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr, ist ein
wichtiges und ermutigendes Signal», sagte der Medizinische Vorstand
der DSO, Axel Rahmel. Gleichzeitig reiche dieses Niveau weiterhin
nicht aus, um den Bedarf zu decken. Der Mangel an Spenderorganen
bestehe weiterhin.
Ministerin wirbt für Widerspruchslösung
Anlässlich der neuen Zahlen wirbt Mecklenburg-Vorpommers
Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) für die Einführung der
Widerspruchslösung bei der Organspende. Dadurch können Organe
prinzipiell entnommen werden, sofern die verstorbene Person einer
Organspende zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat.
«Das ist eine große Chance, mehr Spenderinnen und Spender zu gewinnen
und so im wahrsten Sinne des Wortes Leben zu retten», sagte sie. Aus
diversen Erhebungen sei bekannt, dass die meisten Menschen einer
Spende grundsätzlich positiv gegenüberstehen, argumentiert Drese. Es
fehle aber häufig eine dokumentierte Entscheidung, was dazu führe,
dass Angehörige in einer meist extrem emotionalen und belasteten
Situation stellvertretend entscheiden müssten.
Drese: Angehörige würden von Entscheidung entlastet
«Eine gesetzliche Änderung des Transplantationsgesetzes mit der
Einführung einer Widerspruchsregelung fördert die persönliche
Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende», sagt Drese. Angehörige
würden dann davon entlastet werden, in einer Ausnahmesituation eine
Entscheidung für die sterbende Person zu treffen. Drese hofft, dass
der Bundestag zügig eine Gesetzesinitiative des Bundesrates von Ende
September 2025 aufgreift und die Einführung der Widerspruchslösung
gesetzlich regelt.
Bundesweit habe nach Angaben der DSO im vergangenen Jahr 3.150 schwer
kranken Patientinnen und Patienten durch ein oder mehrere Organe eine
bessere Lebensqualität oder ein Weiterleben ermöglicht werden können.
Dazu zählten 1.495 Nieren, 823 Lebern, 315 Herzen, 308 Lungen, 76
Bauchspeicheldrüsen sowie drei Därme. Gleichzeitig warteten Ende des
vergangenen Jahres weiterhin 8.199 Menschen in Deutschland auf ein
Spenderorgan.
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