Magdeburg-Anschlag: 13-jähriges Opfer saß im Rollstuhl
Tränen, Schmerzen, Angst: Betroffene des Magdeburger Anschlags
erzählen, wie der Tag ihr Leben veränderte. Warum sie trotzdem vor
Gericht aussagen - und was sie bis heute begleitet.
Magdeburg (dpa) - Im Prozess gegen den Todesfahrer vom Magdeburger
Weihnachtsmarkt hat eine 13-Jährige als Zeugin ausgesagt, die schwere
Verletzungen erlitten hatte. Die Schülerin berichtete, wie sie mit
Familienmitgliedern und einer Freundin an einem Essensstand wartete,
als sie von dem Auto des geständigen Täters aus Saudi-Arabien
mitgezogen wurde. «Ich hatte schon echt doll Schmerzen.»
Sie habe mit Verletzungen an Hüfte und Beinen etwa einen Monat im
Krankenhaus gelegen, sei danach noch eine Zeit auf den Rollstuhl
angewiesen gewesen. Bis heute habe sie Einschränkungen, könne nicht
lange stehen.
Leichtigkeit ist abhanden
Der Vater der 13-Jährigen sagte, sie habe das Geschehen «wirklich gut
verarbeitet». Er schließe sich aber anderen Betroffenen an, die als
Zeugen gesagt hatten, die Leichtigkeit sei abhandengekommen.
Ein neunjähriger Junge sowie fünf Frauen im Alter von 45 bis 75
Jahren kamen bei der Todesfahrt im Dezember 2024 ums Leben. Mehr als
300 weitere Menschen wurden verletzt.
«Wir müssen ja irgendwie damit leben»
Ein 38-jähriger Feuerwehrmann berichtete, er sei von dem Auto
überrollt worden. Er sei nach dem Anschlag zweieinhalb Monate
krankgeschrieben gewesen. Unter Tränen erzählte er, dass er in der
Nacht nach dem Anschlag nach seiner Lebensgefährtin suchte, er habe
Krankenhäuser abtelefoniert, bis er sie fand. Körperliche und
psychische Folgen gebe es bis heute. «Wir leben damit, wir müssen ja
irgendwie damit leben.» Auch eine Lehrerin und Mutter, die zwar
körperlich unverletzt blieb, berichtete von psychischen Problemen,
die sie bis heute begleiteten.
Betroffene haben sich bewusst zur Aussage entschieden
Im Prozess haben schon eine Reihe von Betroffenen ausgesagt - alle
freiwillig. Die Verfahrensbeteiligten haben sich darauf verständigt,
dass Betroffene nicht aussagen müssen, wenn sie nicht wollen.
Am 20. Dezember 2024 hatte der damals 50-jährige Taleb al-Abdulmohsen
laut Generalstaatsanwaltschaft Naumburg den mehr als zwei Tonnen
schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den
Weihnachtsmarkt gelenkt. Der Mann aus Saudi-Arabien war mit bis zu 48
Kilometern pro Stunde unterwegs. Er arbeitete als Psychiater im
Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter.
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